Zwei Giebel gewinnen
Wettbewerb Rathaus Korbach entschieden
Die Hansestadt Korbach liegt an der hessischen Grenze zu Nordrhein-Westfalen und hat rund 24.000 Einwohner. Sie will ihre Innenstadt attraktiver gestalten und das Rathaus aus dem Jahr 1377 um einen Neubau ergänzen. Dafür soll die Rathauserweiterung aus den 1970er Jahren abgerissen werden. Außerdem ist geplant, ein Fachwerkhaus in der Prof.-Kümmell-Straße 9 zu sanieren sowie die Stadtwache in der Stechbahn 5 um- und anzubauen. Das Raumprogramm umfasst rund 3.668 Quadratmeter Nutzfläche, 14,6 Millionen Euro Baukosten sind veranschlagt.
Im August 2016 hatte die Stadt einen zweiphasigen Wettbewerb ausgelobt. In der ersten Phase haben 133 Büros eine städtebauliche und bauliche Leitidee für das Rathausareal erarbeitet. 21 Teilnehmer wurden für die weitere Ausarbeitung des Entwurfs ausgewählt. Jetzt steht das Ergebnis fest:
- 1. Preis (33.600 Euro) ARGE Christian Thomann Architekt, Rheine / heimspiel architekten, Münster
- 2. Preis (21.000 Euro) Wagenknecht Architekten, Hamburg
- 3. Preis (12.600 Euro) ARGE Jan Derveaux / Rimpau & Bauer Architekten, Berlin
- Anerkennung (8400 Euro) Gerber Architekten, Dortmund
- Anerkennung (8400 Euro) ARGE hofacht mks, Mnchen
Das Preisgericht unter Vorsitz von Ferdinand Heide stimmte mit großer Mehrheit für den Entwurf der ARGE Christian Thomann Architekt / heimspiel architekten aus Münster. Das historische Rathaus mit seinem markanten Giebel ergänzen die Architekten durch ein Gebäude mit zwei weiteren Giebeln – eine Praxis, die die Jury als „eigener, zeitgemäßer Ausdruck ohne Anbiederung“ umschreibt und die bei vergleichbaren Wettbewerben für historische Innenstädte derzeit oft erfolgreich ist. Zusammen mit dem Bestandsgebäude bildet der Vorschlag einen quadratischen Block, vor dem Rathauskomplex entsteht ein großzügiger Platz. Dieser gefiel der Jury ebenso wie die übrigen Durchwegungen und die Freiflächen. Das Bürgerforum in der Mitte des Gebäudes trage insbesondere „zur guten Orientierung bei“ und lasse „zusätzliche Aufenthaltsqualitäten für Besucher und Bedienstete erwarten“.
Wagenknecht Architekten (2. Preis) platzieren den Neubau in deutlichem Abstand zum alten Rathaus – so bleibt der Bestand als Hauptakteur erkennbar. Fazit der Jury: Durch geknickte Fassadenabfolgen entstünden sehr interessante Stadt- und Platzräume, die mit ihrer Ausformung – Enge, Geschlossenheit und Weite – Atmosphäre schaffen. Die verschieden geneigten Dachflächen vermittelten gemeinsam mit den Fassaden eine Skulpturalität, die das große Volumen kleiner wirken lässt.
Eine filigrane, strukturierte Holzkonstruktion charakterisiert den Anbau von Jan Derveaux / Rimpau & Bauer Architekten (3. Preis). Der Saal im Obergeschoss, so die Jury, habe eine große Attraktivität und kröne den Platz. Die lichtdurchflutete Architektur sei der richtige Ausdruck für ein zeitgenössisches Rathaus.
Die Stadt will die Pläne in den kommenden zwei bis drei Jahren umsetzen. Dabei soll auch das historische Rathaus saniert werden. (fm)
die rechnung ging offenbar auf - vielleicht wären es bei einer anständigen auslobung 266 oder 399 "blöde" gewesen, die sich sie teilnahme angetan hätten.
_ Raumgenauigkeit im 1000stel (!), inkl. 12qm-Büros _ 3 vorgegebene Perspektiven oder Modellfotos _ physisches Einsatzmodell 1:500 Und welches Büro macht die Auslobung? Das der hessischen Kammerpräsidentin. Werte Frau Präsidentin, es ist Ihre Aufgabe, die Interessen des Berufsstandes zu vertreten – und nicht schwachsinnige Leistungen zu fordern, die für die Darstellung einer städtebaulichen Idee (und nur um die ging es laut Auslobung in der 1. Phase) völlig überflüssig sind. Leider ist das Büro trotz mehrfacher Rückfragen von Kollegen davon nicht abgewichen. Die lapidare Antwort auf die 3. Rückfrage dazu: Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass es möglich ist. Wenn mir ein Student einen Büro-Grundriss in 1:1000 bringt und daran die Raumaufteilung besprechen will, frage ich mich doch, ob der noch alle Tassen im Schrank hat. 133 Büros haben das mitgemacht – welche andere Berufsgruppe wäre so blöd?
und ja, vielleicht würde der eine oder andere kommentar mit klarnamen im absender anders aussehen - aber die narrenfreiheit der tarnkappe hat ja auch ihre (demokratischen) vorteile.