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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Werkstattgebaeude_von_studio_lot_Opposite_Office_und_hanfstingl_architekten_10198346.html

16.01.2026

Begegnung im Rosenheimer Gewerbepark

Werkstattgebäude von studio lot, Opposite Office und hanfstingl architekten


Werkstätten für Menschen mit Behinderung stehen in der Kritik: Statt zu Gleichberechtigung und Teilhabe führen sie oft zu niedrigen Löhnen und verhindern Übergänge in den ersten Arbeitsmarkt, heißt es. In räumlicher Hinsicht durchlässig gestalteten studio lot (Altötting), Opposite Office (München) und hanfstingl architekten (Neuötting) darum eine Werkstatt und Förderstätte, die sie im vergangenen Jahr in einem Gewerbegebiet südlich von Rosenheim realisierten. Das Gebäude bietet trotz seiner städtebaulich etwas isolierten Lage somit das Potenzial, einer strukturellen Ausgrenzung der dort Beschäftigten entgegenzuwirken.

Der zweistöckige Stahlbetonbau entstand für die Caritas Freising/München. Die herkömmliche Konstruktionsart wurde aufgrund der technischen Anforderungen für den Verkehr von Gabelstaplern und Hubwägen gewählt. Auf insgesamt 10.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche werden 120 Arbeitsplätze geboten. Diese sind hauptsächlich in den Bereichen Aktenvernichtung (mit Schredderdurchwurf über alle drei Geschosse), Schreinerei und Schlosserei angesiedelt.

Der Innenausbau mit Stahl, Beton, Holz und Doppelstegplatten wirkt robust und funktional. Dennoch herrscht eine helle Atmosphäre mit Aufenthaltsqualität vor: Drei Innenhöfe in Form von Kreis, Quadrat und Dreieck bringen Tageslicht in den 50 Meter tiefen Grundriss. Runde Fenster und Bullaugen in den Türen ermöglichen Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche.

Der eigentliche Kniff des Gebäudes besteht im kompakten Erschließungsring und den vier skulptural geformten, außenliegenden Treppenhäusern: So konnten Gemeinschaftsflächen geschaffen werden, die über das gefordete Raumprogramm hinausgehen – ohne die Kosten signifikant zu erhöhen.

Die so entstandene Dachterrasse und der Allgemeinbereich zwischen den Höfen bieten Möglichkeiten zur Aneignung – im besten Falle für Nutzer*innen und Externe gleichermaßen. Denn die (in den Projektfotos von Edward Beierle angedeutete) Spontanität, mit der diese Nutzer*innen Räume und Situationen oftmals erobern, kann mit ihrer alltagssprengenden Wucht einen Mehrwert für alle schaffen. (kms) 

Fotos: Edward Beierle


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