Ein Teppich für die Pause
Werkstattgebäude in Graz von Michael Wallraff
Sein neuer Werkstattbau für die Berufsschule in Graz sei ein gesellschaftspolitisches Statement in einer reformbedürftigen Bildungslandschaft, schließt der Wiener Architekt Michael Wallraff in der Presseerklärung zum Projekt. Und tatsächlich überrascht das neue Gebäude mit einem Selbstbewusstsein, das keiner großen Gesten, wohl aber komplexer Geometrien bedarf. Den Wettbewerb hatte Wallraff bereits 2007 gewonnen – und der Architektur sieht man mit ihrer Mischung aus dekonstruktivistischen Motiven und parametrischem Know-how die lange Planungsphase durchaus an. Das Projekt auf seine wilde Formensprache zu reduzieren, wäre allerdings falsch.
Der Neubau ist Teil eines größeren Masterplans, der die Verdichtung der Ränder des Berufsschulstandorts im Grazer Südosten vorsieht. Das erklärt vielleicht auch die Zweigesichtigkeit von Wallraffs Neubau, der sich zum benachbarten Friedhof hin bei fünf Geschossen ziemlich zurückhaltend zeigt. Die horizontalen Brüstungsbänder lassen hier fast schon an einen Gewerbebau aus der Nachkriegszeit denken.
Im Blockinneren entfaltet sich das Gebäude hingegen mit vielfach verschachtelten Schrägen und Ebenen, die sich in eine begehbare Dachlandschaft auflösen. Diese Konfiguration erlaubt es einerseits, einen effizienten Labortrakt mit einem spektakulären gebäudehohen Erschließungsraum zu kombinieren. Anderseits konnte so im horizontalen Teil die adäquate Belichtung der Werkstätten sichergestellt werden. Als verbindendes Motiv dient der grüne „Teppich“, der sich mit seiner Vegetation über die Dachlandschaft bis in die Vertikale zieht.
Die Innenräume wirken dabei weitaus großzügiger, als es das kompakte Volumen zunächst vermuten lässt. Insgesamt entstand eine Nutzfläche von über 3.500 Quadratmetern, die sich verschiedene Zweige der Berufsschule teilen. KFZ-Mechaniker werden in den Werkstätten und Laboren ebenso ausgebildet wie Gebäudetechniker oder Glasbauer. In diesem Sinne wurden verschiedene für diese Berufe relevante Technologien auch deutlich sichtbar in das Gebäude integriert. Dazu gehören Grauwassertanks ebenso wie Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen und eine umfassend steuerbare Bauwerksverschattung.
Das Gebäude, das in seiner derzeitigen Gestalt noch ein wenig wie ein Solitär wirkt, ist dabei nur ein erster Baustein. Richtung Westen soll ein weiterer Baukörper von gleichem Format angefügt werden, was dann auch den Nutzen der Dachlandschaft verstärkt. Wo heute noch ein Flachbau den Raum blockiert, soll ein großzügiger Pausenhof entstehen. Und zur Straße hin soll der Komplex außerdem einen neuen Kopfbau erhalten. (sb)
Fotos: Hertha Hurnaus, Michael Wallraff
Meiner Meinung nach fehlt es dem ganzen Ding an Farbe und Liebe in der Inneneinrichtung. Als Schüler geht man nicht gern in ein Gebäude, dass innen wirkt wie ein Betonbunker. Schüler gehören inspiriert und sollen sich vorallem in den Pause erholen. Ich stelle mir erholen auf einem harten Betonklotz, wenn man dabei nur auf Beton und Stahl blickt schwierig vor. Ich muss aber den Herren dafür applaudieren, dass es ein gutes Konzept ist und kostengerecht umgesetzt wurde. Das Gebäude hat extrem viel Potential, aber natürlich kostet Farbe, Putz,etc. dann nochmal gut extra. Aber ist ja nicht so als wäre das nicht nachrüstbar, was auch widerrum ein Pluspunkt ist Stellt sich nun auch die Frage ob es wirklich besser gewesen wäre ein kleineres vollausgestattes Werkstattgebäude zu haben für in etwa das selbe Geld. Mein Fazit: Man hätte es sicher besser lösen können, aber dieses Gebäude könnte noch irgendwann ins glänzen kommen.
Ein Gebäude an seinen eigenen Maßstäben zu messen, das den Anspruch besitzt, eine Bildungslandschaft zu sein, ist doch im Prinzip naheliegend. Es geht hier folglich nicht um irgendein Gebäude, wie es im Baunetz des Öfteren publiziert wird, sondern um einen Bau, der durch seine Existenz weiterbilden soll. Aber wird er denn diesem Anspruch gerecht? Was wäre denn ein adäquater Katalog von Themen, die ein Gebäude heutzutage vermitteln könnte? Resourcenschonendes Bauer wäre vielleicht so ein Thema oder aber auch der Umgang mit Energie wie z.B. der Bau von Solaranlagen und anderer zukunftsweisender Technik? Das Merkwürdige ist nur, dass diese Themen appliziert wirken. Das Gebäude kommt ohne Solaranlage aus, wenn man von dem gebauten Feigenblatt einmal absieht. Es wirkt ja beinahe grotesk, wenn man Berufsschüler den Bau dieser Anlagen vermitteln möchte, man selbst zu diesem Thema aber eigentlich nichts beisteuern kann. Das Thema Grünfläche wird durch die großen befestigten Flächen auf dem Dach auch in den Hintergrund gedrängt, hätte es nicht auch ein Holzsteg sein können, der nach oben führt, und alles grün sein können? Die Stahlkonstruktion der Fassade wirkt komischerweise so, als sei sie ganz und gar ohne parametrisches Design entwickelt worden, sondern auf Zuruf vor Ort gebastelt worden. Bildungswert in Bezug auf intelligente Parkettierung ist nicht feststellbar. Und das Treppenhaus selbst hat leider wirklich gar nichts Innovatives, oder soll hier die Bauakustik erläutert werden und der CO2 Ausstoß der Herstellung von Beton? Es reicht einfach nicht, ein paar Worthülsen in den Raum zu werden und sich dann hinter einer Bricollage Ästhetik zu verstecken und Argumente, die die Konzeption betreffen, auf eine simple Geschmacksfrage zu reduzieren.
In einem Expertenforum wie diesem sind Ironie und Meinungsfreiheit fehl am Platze. Hier geht es um knallharte Analyse und die Feststellung endgültiger Wahrheiten.