Wie Moses in Holland
Wassergrabenbrücke in Brabant
Was ist das bloß für ein Ding, das da gerade vom Bund Niederländischer Architekten als „Gebäude des Jahres 2011 (Südregion)“ ausgezeichnet wurde? Es ist eine Brücke und es ist ein Graben – und ein kleines Kunstwerk, wie es sich da so galant in seine Umgebung einfügt. Die Architekten RO&AD – der Name stammt von den Vornamen der beiden Partner Ro Koster und Ad Kil – nennen es eine „Laufgrabenbrücke“, mit der das wieder hergestellte Fort de Roovere begangen werden kann.
Das Fort ist Teil der „West-Brabantschen Wasserlinie“, einer Verteidigungslinie aus dem Jahr 1628, bei der einige Städte und Dörfer mit Sand- und Steinwällen befestigt und verbunden wurden. Im Verteidigungsfall, etwa im Krieg gegen die Spanier und später gegen die Franzosen, wurde das Land vor diesen Wällen geflutet. Im 19. Jahrhundert verfielen diese Anlagen und wurden erst vor kurzem wieder hergestellt, als Flächendenkmal und als Teil überregionaler Wander- und Fahrradrouten.
Eine Verteidigungsanlage wie das Fort de Roovere zugänglich zu machen, offenbart dabei ein schönes Paradox: „Natürlich ist es höchst unangemessen, eine Brücke über die Wälle zu legen – insbesondere wenn diese Brücke aus der Richtung kommen soll, aus der früher der Feind kam“, schreiben die Architekten. „Deswegen haben wir die Brücke unsichtbar gemacht.“ Fast wie ein archäologischer Schnitt führt der Weg nun durch den Wassergraben und den Wall hinauf; aus der Distanz wird die Brücke unsichtbar, nur die Köpfe der Besucher ragen aus dem Wasser bzw. aus dem Wall. „Erst beim Näherkommen öffnet sich das Fort vor dir mit einem schmalen Graben. Wie Moses, der das Rote Meer geteilt hatte, kannst du dann durch das Wasser gehen.“ (Dabei zeigt das Projekt eine interessante optische Ähnlichkeit zu einem anderen Landschaftsprojekt in den Niederlanden, bei dem keine Wasserfläche, sondern ein kleiner Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg zerschnitten wurde: BauNetz-Meldung vom 5. November 2010).
PS: Fragen Sie sich auch, wie der Graben bei Regen trocken bleibt, wo ihm doch das Wasser schon bis zum Hals steht? Dafür wurden auf beiden Seiten des Grabens Überlaufgräben eingerichtet, die alles überzählige Wasser ableiten können. So bleibt der Pegel im Graben jederzeit genau gleich hoch.
Materialexperimente des Planungsbüros Ro&Ad im Baunetz Wissen
hm, also Ihre argumentation / betrachtung ist für mich eben genau die einzige wesentliche schwächung des insgesamt doch starken entwurfsgedankens.
aber lassen wir es doch einfach so stehen: 2 unterschiedliche betrachter ergeben ja in der regel sowieso immer mindestens 3 verschiedene meinungen...
es macht durchaus sinn, den schnittkanten volumen zu geben, anstelle scheinbar materiallos das wasser zu durchschneiden. erst so wird die idee begreifbar und ein weg ausformuliert. betrachten sie auch den formalen zusammenhang zu den hängen. ein aufstützen auf der brüstung wäre in ihrer version auch nicht gegeben und so würde der brücke die verweilqualität fehlen.
nein, ist schon gut so wie es ist!
damit wäre der moses-effekt erst vollkommen, weil von der seite geblickt nur wasser und sonst nichts zu sehen wäre und die nutzer so erst glaubhaft "übers wasser gehen"...
aber auch so natürlich eine ganz feine, sinnliche sache...
wunderbares projekt. kann mich florian nur anschliessen, die herleitung ist wirklich klasse (im gegensatz zu sonst oft verbreitetem architekten-geschwafel) und absolut nachzuvollziehen.