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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Was_ist_Europa_in_der_Architektur__6489733.html

16.05.2019

Shoppinglandschaft, Mahnmal, Bürokratieklotz

Was ist Europa in der Architektur?


Am 26. Mai sind Europawahlen. Da liegt auch die Frage auf der Hand, wie sich der Staatenbund der EU überhaupt architektonisch manifestiert. Der Blick in das BauNetz-Archiv schärft allerdings weniger die Konturen des Projekts Europa, als dass er sie diffuser werden lässt. Denn während die Institutionen der EU selbst in den letzten Jahren nur wenig gebaut haben – das Europäische Patentamt von Jean Nouvel oder die Erweiterung der Europäischen Zentralbank von Coop Himmelb(l)au gehören dazu –  transportieren verschiedene öffentliche und private Einzelprojekte ihre ganz eigenen Bilder von Europa in die Öffentlichkeit.

Die Privatwirtschaft scheint sich Europa als Label für Superlative angeeignet zu haben, etwa für das größte Hochhaus des Kontinents in Warschau oder für einen riesigen Shoppingpark in Paris. In Kultur und Bildung hingegen, wie die Reformschule in Lyon von Odile Decq oder das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig von Kwadrat Studio Architektoniczne, dessen Ausstellungsprogramm sich gemäß polnischer PiS-Regierung wieder von der europäischen Geschichtsschreibung abwenden soll, ist das Atribut „europäisch” vielmehr der Ausdruck für ein Streben nach überstaatlicher Bedeutung, wie kritisch oder unkritisch man auch die dazugehörigen Inhalte sieht.

Wo liegen überhaupt die Grenzen Europas? Ist das geplante Holocaust-Denkmal in London von David Adjaye trotz Brexit nicht ein zutiefst mit der europäischen Geschichte verbundenes Projekt? Und ist ein anberaumtes Mahnmal für die Revolution in der Ukraine nicht auch ein Zeichen des moralischen Verbunds? Ein Bauwerk wie der riesige Flughafen in Istanbul, ist es nicht auch ohne EU-Fördergelder ein europäisches Infrastrukturprojekt? Und nähert sich Albanien mit seiner dynamischen Architektur (die Bauwelt widmete mit Heft 3.2019 kürzlich eine ganze Ausgabe den aktuellen Projekten des Landes) nicht baukulturell Europa an? „Die Architektur der EU ist nicht so klar, wie sie angesichts des komplexen Zusammenwirkens so vieler Staaten sein müsste“, sagt Rem Koolhaas in der Europa-Ausgabe der heutigen SZ. (sj)


Bernsteine für Danzig
RKW Stadion für Fußball-EM
Studieren im Fragment
Odile Decq Reformschule in Lyon

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