Basler Brutalismus
Villa von Buchner Bründler
Binningen ist eine Gemeinde in der Schweiz, die südlich an die Stadt Basel grenzt. Ihre grüne, gleichzeitig gut angebundene Lage hat sie zu einem gutbürgerlichen Wohn- und Villenvorort wachsen lassen; das Steueraufkommen gehört hier zu den höchsten im Kanton. In unmittelbarer Nähe zum Allschwiler Wald haben Buchner Bründler Architekten (Basel), die ganz in der Nähe einen ähnlich markanten Umbau realisierten, für eine Familie einen kompletten Neubau an den Hang gesetzt. Das Wohnhaus solle „große Privatheit“ mit „maximaler Offenheit“ kombinieren, so die Architekten.
Alles beginnt mit einer schwarz gestrichenen Betonmauer. Auf der Mauer lagern, zur Straße sichtbar, die hohen, schmalen Betonrippen der auffälligen Dachkonstruktion. Neben der hohen Eingangstür aus hellem Holz bietet eine kreisrunde Öffnung die Möglichkeit, einen Blick hinter die Mauer zu werfen – eine kleine Stufe aus Beton scheint sogar dazu aufzufordern. Wer traut sich?
Die Mauer zur Straße bildet die Südseite des rechteckigen Grundstücks. Das Haus dahinter rückt von der Mauer ein Stück weg, es misst 18,90 Meter auf 11,80 Meter und ist als „allseitig transparenter Bau konzipiert, der vom Lauf des Sonnenlichts umspielt wird“, schreiben Buchner Bründler. Das Haus ist zweigeschossig, das Untergeschoss nutzt die Hanglage und öffnet sich unter dem Wohnbereich nach Norden. Die Materialien sind Sichtbeton, Messing und Eichenholz. Der große Wohnbereich mit offener Küche orientiert sich unter einem kreisrunden Oberlicht zum Garten und zur Garage im Westen. Eine Wandscheibe trennt einen kleineren Bereich ab, der nach Süden blickt – ebenso wie das Elternschlafzimmer. Nach Osten liegen drei gleich große Kinderzimmer.
Das große, flache Dach dehnt sich weit über den Wohnraum hinaus aus: „Eine Rippenkonstruktion aus fünf Längsträgern und einem Querträger gliedert und stabilisiert das Dach. Wandschürzen, die an den Stirnseiten des Hauses von der Tragstruktur herabhängen, begrenzen und erweitern den Wohnraum“, heißt es. Die vorgespannten Dachträger haben eine Breite zwischen 14 und 25 Zentimetern, das Dach dazwischen hat eine Stärke von 18 Zentimetern. Der betonierte Kamin, der über das Haus ragt wie der Schornstein eines Schiffs, wurde an die Dachplatte gehängt. Die Dachrippen laufen als offene Konstruktion weiter bis auf die Mauer an der Straße, bilden zugleich innen eine Pergola über dem schmalen Vorgarten. Insgesamt bietet das Wohnhaus 220 Quadratmeter Wohnfläche auf einem 1.054 Quadratmeter großen Grundstück. (fh)
Fotos: Georg Aerni
Ein schnörkelloses Wohnhaus mit roh belassenen Betonwänden - für mich ist das Brutalismus.
Ein Wohnhaus, verborgen hinter einer schwarzen Gartenmauer, das hat schon fast etwas mysteriöses.
Durch die Gartenmauer bleibt das Haus umhüllt und hält sein Versprechen von großer Privatheit.
Es ist eine gute Arbeit - keine Frage, jedoch wäre für mich persönlich das Wohnen in einem so offenen Haus ausgeschlossen, da ich mich zwischen zu viel Freifläche und rohen Betonwänden nicht wohlfühlen könnte.
es ist eine Seltenheit dass man solche Details ausführen darf. (ausser eventuell die Steckdosen, die stechen unangenehm ins Auge)
Die "Zellen" erinnern mich schmunzelnd an La Tourette.
ich bleibe in Zustimmung für die Möglichkeiten der Auseinadersetzung in diesem Kommentarspalten einmal
beim Bodensatz Ihrer ersten Zeilen:
Ich schaue auf die Blume und flüstere Ihnen leise zu: Sie liegen nicht ganz falsch in der Annahme,
dass die Inszenierung eines Ganzen Kalkül sein kann. Für den Grad der Ausführung der hier veröfftlichen Meldung sind Ihre beeindruckenden Beobachtungen dennoch anregend. Aber Leistung mit Tadel zu belegen - wie nennt man das?
Wenn sie noch einmal etwas konzentrierter meine Anmerkungen durchlesen, dann werden sie sicher sehen, dass ich weder ein Meisterwerk gefordert habe noch einen Anspruch auf architektonische Wahrheiten erhebe, sondern (ganz schrecklich kurz und verkürzt) über Gebrauchsfragen und Assoziationen, von denen ich vermutete, dass sie von den Architekt*innen gewollt sind, nachgedacht habe.
Damit erledigt sich dann aber auch eine Referenz auf Venturi's Ente und das Plädoyer für einen Diskurs über Architektur ohne Fundamente. Wenn ich sie richtig verstehe, dann teile ihre Ansichten zu diesen Fragen. Aber mir ging es eher um eine - den Gegebenheiten eines online-Diskussionsforums entsprechende - spekulative und schwankende Positionierung als um die Rekonstruktion fester theoretischer Fundamente und Wahrheitsanspüche. Daran glaube ich gar nicht.
Also: Tief durchatmen und versuchen, den Beißreflex wieder in den zu Griff bekommen...
Über "der" Latte stolpert der schnatternde Zaunkönig allenfalls selbst.
Gute konzeptionelle und ausgeführte Qualität steckt hier wahrlich drin - bis ins Detail.
Mit Venturis Ente ist doch nun endgültig für alle Zeiten unmissverständlich klar, dass jeglicher Versuch, Anspruch auf Wahrheit zu erheben, eben nur ein Versuch ist. Es gibt kein Fundament. Vielleicht aber, da gebe ich Ihnen recht - und ich fragte kürzlich auch schon einmal ganz zart hauchend danach - wird der Klimawandel uns Herausforderungen diktieren, auf die wir allumfassend und in sich schlüssig verzahnt Antwort suchen müssen, die jenseits von erotischen Beziehungen zu Beton und eigennützigen Formalisierungen liegen.
Der Stein des Anstoßes: steckt den Kopf in den Sand.