Maximale Reduktion als Lehrstück
Unigebäude in Stuttgart von Berger Röcker
Von „maximaler Reduktion“ sprechen die Architekten – man könnte auch von maximaler Härte sprechen. Denn mit dem Neubau für die Hochschule für Technik in Stuttgart hat das ortsansässige Büro Berger Röcker Architekten nicht unbedingt ein Haus gebaut, das dem Laien auf der Straße sofort positiv ins Auge springt. Aber das muss ja auch nicht sein, denn das Ergebnis überzeugt in seiner klaren Haltung umso mehr.
Glatter Sichtbeton und strenge Fensterbänder prägen den Erweiterungsbau der Architekturfakultät. Ausgeführt wurde das Haus in Ortbeton mit einer dazwischen liegenden Kerndämmung. Stahlbetonstützen und -schotten tragen und steifen aus. Der Innenausbau ist von der Tragkonstruktion komplett entkoppelt. Durch Systemtrennwände wird maximale Flexibilität gewährleistet. Klar gezeichnete Grundstruktur und innere Flexibilität gehen also Hand in Hand. Der nun fertiggestellte Bau ist dabei nur der erste Bauabschnitt des ambitionierten Neubaus für die Hochschule. Ein zweiter Bauabschnitt mit zwei weiteren Riegeln ist bereits geplant.
Der Clou einer solche reduzierten Architektur liegt im Detail und in den Proportionen. Deutlich wird das etwa an den beiden unterschiedlich breiten und asymmetrisch in die Wandfläche gesetzten, vertikalen Fensterstreifen an den Schmalseiten des Baus. Zugleich wird hier auch die innere Struktur des Hauses ablesbar: Drei parallele Riegel mit Unterrichtsräumen werden durch zwei offene Zonen erschlossen beziehungsweise belichtet. Diese beide Zonen – ein Lichthof mit Galerien und ein doppelt so breiter, offener Hof – zeichnen sich an den Schmalseiten klar ab. Quer hierzu liegt im Erdgeschoss ein großzügiger Foyerbereich, der außen durch zwei großzügige Treppenanlagen erreicht wird.
Klare Struktur und rechtwinklige Ordnung spielen in diesem Haus also eine genau so große Rolle wie die strenge Reduktion der Materialien auf das Wesentliche: Sichtbeton, Glas und Aluminium. Für die zukünftigen Architekturstudenten ist dieses Haus Anschauungsobjekt und – in seiner dezidierten architektonischen Haltung – hoffentlich im besten Sinne kontrovers diskutiertes Lehrstück zugleich. (gh)
Fotos: Niels Schubert, Oliver Rieger, Berger Röcker Architekten
Übrigens: Der Vorwurf, polemisch und oberflächlich zu sein, nur weil man die Architektur angeblich nicht versteht, ist so alt wie die Architektur selber und hat schon immer mehr über denjenigen ausgesagt, der ihn erhebt. Kommt lieber auf den Boden zurück, liebe Kollegen.
Ich habe als 17-jähriger Schüler zehn Tage dort gewohnt, was als entscheidendes Initial-Ereignis dafür gesorgt hat, dass ich mich fürs Architekturstudium entschieden habe. Sorum geht es nämlich auch ;-)
Wenn man auf diesem hohen Niveau meckern will, kann man m.E. zum Schluss kommen, dass das Gebäude eine Gewisse Langeweile erzeugt. Ich persönlich fühle mich in einer monochromen Umwelt, in der als einziger Farbtupfer mal ein Brandmelder oder Fluchtwegpiktogramm aufploppt, nicht wohl. Leere und Farblosigkeit - schon etwas trostlos.
aber @ Max: natürlich geht kaputt sparen!
Schön, dass Ihnen das offenbar bislang erspart geblieben ist. Wenn das Budget vom Bauherrn fest (und zu niedrig) fixiert ist, bei fixem Raumprogramm. Aber das sehe ich hier nicht... der Boden und die Verglasungen waren sicher nicht die allergünstigste Wahl.
Was die Toiletten angeht: vielleicht sind ja die pinken für die männlichen Nutzer gedacht. Andersherum ziemlich plump, aber bevor man sich darüber aufregt, dann doch besser über Rollenklischees, die einem als Architektin zwischenmenschlich immer wieder geboten werden...
Die Reduktion ist in Ordnung - wenn man sie denn bespielen dürfte! Leider dürfen wir als Nutzer noch nicht einmal Pläne an die Wände des Lichthofs hängen! (Und das für eine Architekturfakultät!) Der Lichthof muss absolut brandlastfrei bleiben, damit ist er schlichtweg nicht nutzbar.
Die Brandschutztüren zu den Büros suggerieren, dass wir keinerlei Kontakt zu unseren Studierenden wünschen - alles ist einfach sehr geschlossen, keine Durchblicke, die die Kommunikation erleichtern würden.
Hinzu kommen noch einige Details wie nicht öffenbare Fenster, weil die Stütze im Weg ist.
Trotz allem sind wir froh über diesen Neubau, er ist besser als alles, was wir bisher hatten!
Ob die Toiletten innen nun pink oder grau sind, ist für uns als Nutzer zweitrangig - ein gutes Gebäude ermöglicht eine optimale Nutzung. Dies sollte viel mehr im Fokus der Diskussion stehen.