Konfetti im Kloster
Umnutzung in Paderborn von David Chipperfield Architects
Die Tap Holding, eine durch die Familie Jacoby geführte Unternehmensgruppe, versorgt seit 1973 den DIY-Bereich im Groß- und Einzelhandel mit Bastel- und Künstlermaterial – unter anderem Wolle, Papier, Stoffe, Schmuck und sogar Konfetti. Im Jahr 2019 wurde das Hauptquartier der Firma in den Stadtkern von Paderborn verlegt. Platz für die rund 1.000 Mitarbeiter*innen umfassende Belegschaft fand sich auf dem Gelände einer ehemaligen Klosteranlage aus dem 17. Jahrhundert, die von 1841 bis 2013 das Landeshospital St. Vincenz beherbergte. Schon 2012 hat die Jacoby GbR den Komplex dem Orden der Vinzentinerinnen abgekauft und nun nach Plänen von David Chipperfield Architects aus Berlin zu den Jacoby Studios umbauen lassen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage schwer beschädigt und war durch den Wiederaufbau und weitere Umbaumaßnahmen bereits mehrfach überformt und erweitert worden. Nun wurden diese Ergänzungsbauten der Nachkriegszeit rückgebaut sowie die eigentliche historische Bausubstanz des ehemaligen Klosters wieder freigelegt und wo nötig ausgebessert. Besonderes Augenmerk galt dabei der erhalten gebliebenen Kapellenfassade, dem Kreuzgang, dem östlichen Gebäudeflügel und den Kellern aus dem 17. Jahrhundert. Diese historischen Bauelemente wurden fachgerecht restauriert. So entstand eine „malerische Ruinenstruktur aus Bruchsteinmauerwerk“ als Basis für die Erweiterungen, so die Architekt*innen.
Ausgehend vom ehemaligen Kreuzgang im Zentrum der Anlage wurde die historische Bausubstanz gemäß ihrer orthogonalen Struktur mit modernen zwei- bis dreigeschossigen Anbauten aus Sichtbeton und Holz im Norden, Westen und Süden ergänzt. Mitarbeiter*innen und Besucher*innen gelangen also durch das historische Eingangstor und die Kapelle ins Foyer. Auf insgesamt 12.500 Quadratmetern Nutzfläche finden 140 Arbeitsplätze, die Firmenkantine, ein Fotostudio und der Showroom Platz.
Der neue Firmensitz verbindet ein nachhaltiges Konzept des Bauens im Bestand mit einem modernen Lowtech-Ansatz. Durch den Erhalt vorhandener Bausubstanz konnten bereits Ressourcen gespart werden und mithilfe einer mechanischen Lüftung wird das Klima in den Innenräumen reguliert, sodass auf eine flächendeckende Klimaanlage verzichtet werden kann. Das Wasser eines direkt an das Gelände grenzenden Flussarmes der Pader wird zur Energiegewinnung mittels einer Wärmepumpe eingesetzt, für die Kühlung im Sommer werden die Betondecken aktiviert, im Winter erfolgt die Zuführung von Wärme über eine Fußbodenheizung. Die historischen Bauteile wurden in Absprache mit den Bauherren unter Denkmalschutz gestellt. (tl)
Fotos: Simon Menges
Die Integration der Altbausubstanz in das Projekt finde ich sehr speziell und spannend. Die Eingangshalle mit der gestalterischen Einheit von Treppe und Galerie halte ich in ihrer ruhigen Ausstrahlung für einen sehr schönen Raum. Lediglich die beiden Aufzugstüren stören da schon fast. Die Neubauteile mit den großen Glasflächen erinnern mich an einen früheren Chipperfiel-Bau in Coesfeld-Lette (2001). Im Kontrast dazu die umgestalteten Altbauteile.
habe bloggen erst vor 2 Jahren entdeckt, bin also leicht hinterm Berg was die Gewohnheiten betrifft. Wer kauft noch Bücher wenns Regal schon voll ist. Habe schon vor 10Jahren meinem Archbuchladen 10 gegeben fürs stundenlage lediglich stöbern, die waren ganz gerührt. Gibt es für einen Erkenntnisprozess was besseres als einen täglichen Blog, sozusagen live denken.
Eine Frage nur: Was ist eine 'Entdachkörperlichung'? Das Gegenteil einer Defundamentgeistlichisierung etwa?
ich verstehe den kommentar nicht. aufgabe: ein gebäude für eine bestimmte nutzung für einen bauherr der ein grundstück/bestand hat. also kein wohnungsbau, kein kindergarten, nicht welt retten sondern die aufgabe erfüllen. sicher mit rücksicht auf die mit-welt ("nachhaltig", was immer das heisst) oder?