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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Umbau_von_Wirth_Architekten_in_Grasberg_5307872.html

02.02.2018

Tugendhafter Ziegel

Umbau von Wirth Architekten in Grasberg


Bei der Sichtung eines Projekts mit dem Titel Haus tugendhaft horcht man erst einmal auf. Auch deshalb, weil sich die Verwandtschaft des umgebauten Wohnhauses von Wirth Architekten (Bremen) im niedersächsischen Grasberg mit Mies van der Rohes Villa Tugendhat im tschechischen Brno nicht sofort erschließen will.

Die Brüder Jan und Benjamin Wirth haben das Wohnhaus aus dem Jahr 1961 mit seiner roten Ziegelfassade um einen kleinen Vorbau erweitert, auf dessen Dach eine Terrasse Platz gefunden hat. Darüber hinaus wurden zwei breite Dachgauben beidseitig in das Dach eingeschnitten. So wurden aus 177 Quadramtern letzten Endes 194 Quadratmeter, und das ehemalige Einfamilienhaus konnte in getrennte Wohneinheiten für zwei Generationen aufgeteilt werden. Die räumlichen Erweiterungen sind klar ablesbar: Der Anbau im Erdgeschoss löst sich im Vergleich zum Bestand fasst ganz in den raumhohen Glaselementen auf. Auch die schmalen, gereihten Fenster der Dachgauben unterscheiden sich von den liegenden Formaten des Altbaus.

Im Hinblick auf den berühmten Namensverwandten kommentieren die Architekten, man wolle weder dessen „epochale Bedeutung, noch die großbürgerliche Geste“ für sich in Anspruch nehmen. Sie sehen den Bezug mehr in der Wertschätzung sorgfältiger Details. Diese wurden in Grasberg so ausgeführt, dass sie die Nähe zum Altbau suchen, was besonders im Umgang mit der Materialität deutlich wird. Der Farbton der neuen Ziegel ist dem alten Fassadenziegel angenähert. Sie stammen aus einer nahe gelegenen, kleinen Ziegelei, die mittelerweile den Betrieb einstellen musste. Wie vermutlich schon  der originale Baustoff, sind die neuen Klinker aus Wesermarschton hergestellt. Um dem Bestandsmauerwerk möglichst nahe zu kommen, wurden sowohl Vorder- als auch Rückseiten des Ziegels sichtbar vermauert. 

Der Umbau wurde 2017 abgeschlossen. Während der zwei Bauabschnitte wurde viel in Eigenleistung hergestellt, weshalb die Bauzeit zwei Jahre betrug. Ein Entwurfsmotiv der Architekten war der Film „Mon Oncle“(1958), in dem Jaques Tati die Tücken einer automatisierten, modernen Welt darstellte. Er lieferte auch Inspiration für die Projektdokumentation, bei der die Architekten gemeinsam mit dem Fotografen Caspar Sessler das Haus mit Figuren aus dem Film umstellten. (kh)



Fotos: Caspar Sessler


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Der neue Ziegel orientiert sich an der Bestandsfassade

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