Verwandlung eines Hexagons
Umbau von Rèmy Marciano in Marseille
Aus der Fusion dreier Universitäten im Großraum Marseille entstand 2012 die Universität Aix-Marseille (AMU), die heute zu den größten frankophonen Universitäten Frankreichs zählt. Der Zusammenschluss hat sich auch auf die räumlichen Gegebenheiten der Hochschule ausgewirkt, die auf ihren insgesamt fünf großen Campussen mehrere Modernisierungsmaßnahmen planen und durchführen ließ.
Eine davon war die mehr als 18,5 Millionen Euro teure Transformation eines auf dem Campus Marseille Luminy befindlichen und als Hexagone bekannten Gebäudes aus den Sechzigerjahren in ein modernes Lernzentrum. Geplant wurde der Umbau vom Büro Rèmy Marciano Architecte (Marseille), dessen Entwurf den 2014 ausgelobten Wettbewerb gewann. Seit seiner Fertigstellung im September 2018 dient der sechseckige, 7.783 Quadratmeter große Betonbaukörper Studierenden als zentraler neuer Lernort und Treffpunkt auf dem Unigelände am Rande des Massif des Calanques.
Das Bestandsgebäude am Fuß einer Bergkette war früher ein Restaurant und stand im Anschluss lange leer. Das als dominante Sechseck ausgeführte Obergeschoss schwebte auf einem teilweise zurückgesetzten Erdgeschoss. Nach Umbau und Erweiterung verbirgt sich die ursprüngliche klare Struktur des Baus hinter milchig-weißen Fassaden mit abgerundeten Ecken. Sie sollen dem Lernzentrum einen einladenden und offenen Charakter geben. Das neue Herzstück des Volumens bildet ein mittig gelegenes, offenes Atrium, das in Form eines Amphitheaters ausgeführt wurde. Dieser attraktive Außenraum, um den herum sich die sechseckigen Grundrisse des dreigeschossigen Zentrums gliedern, sorgt auch für viel Tageslicht in den Innenräumen.
Das Lernzentrum nimmt einen Hörsaal, ein Café und unterschiedliche Aufenthaltsräume für Studierende auf, vor allem jedoch die Universitätsbibliothek mit 560 Plätzen, die sich über das gesamte zweite Obergeschoss erstreckt. Sie zählt zu den vier modern aufgerüsteten Bibliotheken, die die AMU in den letzten zwei Jahren gegründet hat. (mg)
Fotos: Takuji Shimmura
ich darf Ihnen hier widersprechen. M. E. ist diese Sanierung vollkommen misslungen. Die ursprüngliche Struktur des Baus ist nicht mehr erkennbar, die stringente Logik hinter mehreren Layern Isolation, Verschattung und Fassadenspielereien verschwunden. Auch im Detail zeigt sich hier die neue Lieblosigkeit (Fensterprofile) und Ignoranz gegenüber dem Bestand (Holzstämme als Pseudo-Stützen). Ehrlicher wäre Abreissen und neu Bauen gewesen.
Das Gebäude können Sie ja kaum meinen. Was für eine gelungener Umgang mit dem Erbe der 60er.