Gastraum statt Kegelbahn
Umbau und Erweiterung in Niedergösgen von Schneider & Schneider Architekten
Das Restaurant Brücke in Niedergösgen im Kanton Solothurn liegt zwischen Aarau und Olten direkt den der Aare. Seit 1908 in vierter Generation geführt, bietet es kulinarische Klassiker und moderne Gerichte mit Blick auf den Fluss. Die Aussicht lässt sich jedoch erst in vollem Umfang genießen, seit es einen luftigen Erweiterungsbau gibt. Realisiert wurde dieser vom Aarauer Büro Schneider & Schneider gemeinsam mit dem Zürcher Innenarchitekturbüro Grego. Von außen prägend ist eine salbeigrüne Holzfassade mit feinem Gittermuster.
Versteckt hinter einer 120 Jahre alten Linde, wird die Verknüpfung von Alt und Neu erst auf den zweiten Blick sichtbar. Über ein unauffälliges Zwischenstück schließt die Erweiterung an den dreigeschossigen Bestand an. Letzterer wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und ist seitdem immer wieder umgebaut worden. Gar nicht mehr zu erkennen ist ein Anbau aus den 1950ern, der einst zwei Kegelbahnen beherbergte. Seine bauliche Grundstruktur blieb allerdings erhalten und wurde in den Neubau integriert.
Anlass des Projekts waren unter anderem ineffiziente Betriebsabläufe des bestehenden Restaurants: Lange Wege zwischen Küche und Gasträumen prägten den Alltag. Zudem sollte der Gastraum auf das Niveau der Gartenwirtschaft verlegt werden, um den direkten Bezug zur Aare herzustellen. Ergänzend wurden Haustechnik und Infrastruktur erneuert sowie eine barrierefreie Erschließung integriert.
Dort, wo früher Kugeln rollten, brachten die Architekt*innen die Küche sowie einen Teil des Hauptgastraums unter. Der Haupteingang orientiert sich nicht mehr in Richtung Brücke und Straßenraum, sondern liegt im Verbindungstrakt auf Flussseite. Von hier aus gelangt man in das zwei Stufen höher liegende „Sääli“, ein kleines Bistro für rund zehn Gäste mit dunklen Flechtmöbeln.
Der große Gastraum ist in zwei Bereiche gegliedert: Im vorderen Bereich bietet ein hoher Speisesaal Platz für rund 50 Gäste. Im mittleren Abschnitt – einst Teil der Kegelbahn – schafft eine rote Sitzbanknische eine etwas privatere Stimmung. Prägendes Gestaltungselement ist hier ein textiler Baldachin mit Streifenmuster, der sich in weichen Wellen entlang der Fensterfront, der Rückwand und über den Sitzbankbereich zieht. Neben seiner ästhetischen Wirkung kaschiert er Lüftungselemente und unterstützt die akustische Dämpfung. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2023
- Architektur:
- Schneider & Schneider Architekten
- Innenarchitektur:
- Grego Jasmin Grego + Stephanie Kühnle Architektur
- Bauleitung:
- Consensus Projektmanagement
- Tragwerksplanung:
- Rolf Grimbichler, Bauingenieurbüro
- Textildesign:
- Sonnhild Kestler
- Bauherrschaft:
- Sarah und Markus Gfeller
aber innen die farbeigen vorhänge mit den holzlamperien passen gut