Die Nationalgalerie zieht aufs Land
Umbau und Erweiterung in Dänemark von Reiulf Ramstad Arkitekter
Die dänische Nationalgalerie Statens Museum for Kunst (SMK) besitzt mit rund 200.000 Werken die größte Kunstsammlung des Landes. Schon lange gab es die Idee, neben dem Standort in Kopenhagen eine weitere Dependance im Land zu eröffnen – möglichst weit von der Hauptstadt entfernt. 2016 sprach die Gemeinde Thisted die SMK an und zeigte einen alten Lagerkomplex in Doverodde am Limfjord im äußersten Nordwesten Dänemarks. „Als wir die Gebäude, ihre außergewöhnliche Lage und das starke lokale Engagement sahen, wussten wir, dass Doverodde der richtige Ort ist, um unseren Traum von einer neuen Außenstelle zu verwirklichen“, schreibt das Museum.
Inzwischen wurde der Traum vom SMK Thy Wirklichkeit. Den Wettbewerb für den Umbau und die nötigen Erweiterungsbauten hatten 2021 Reiulf Ramstad Arkitekter (Oslo/Aarhus/Kopenhagen) gewonnen. Auch wenn es sich um einen relativ gewöhnlichen Gebäudebestand handelte, sei es ihnen um „Restaurierung, Reparatur und Neuinterpretation“ gegangen, so die Architekt*innen. Dabei blieb der Bestand soweit als möglich erhalten, entfernte Materialien wurden wiederverwendet.
Die Architekt*innen passten die bestehenden Lagerhäuser, die sich um einen turmartigen Kornsilo scharen, an die Museumsnutzung an und fügten dazwischen einzelne pavillonartige Neubauten ein, darunter ein Kassenhäuschen mit auffallend hohem Dach und ein Ausstellungsgebäude. Diese orientieren sich in Dimension und Formsprache deutlich am Bestand.
Das Raumprogramm des Museums wird durch das Nature Village direkt neben den Ausstellungshäusern ergänzt. Es handelt sich dabei um eine Einrichtung der Gemeinde für Outdoor-Aktivitäten, ökologische Bildung und Naturvermittlung. Sie umfasst eine Naturwerkstatt, Lagerfeuerhütten, ein kleines Kajakhotel, ein Vereinshaus und Geräteschuppen. Diese Bauten sind als einfache Pavillons und robuste Hütten vorrangig in Holz ausgeführt und verteilen sich clusterförmig über das Gelände.
So ergibt sich ein an ein Dorf erinnerndes Zusammenspiel aus Pavillons, Vorplätzen, Zwischenräumen und Höfen, das einen spielerischen Wechsel zwischen Kunst- und Naturerfahrung ermöglicht. Passend dazu soll sich das neue Kulturzentrum auch als Entree für den Besuch des angrenzenden Nationalparks Thy mit seinen beeindruckenden Heidelandschaften um den Limfjord etablieren. (fh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Reiulf Ramstad Arkitekter
- Tragwerk und Statik:
- EKJ Rådgivnende Ingeniører
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Thisted
- Fläche:
- 3.300 m² BGF