Kurtheater im Gleichgewicht
Umbau und Erweiterung in Baden von Boesch Architekten
Die nordwestlich von Zürich gelegene Stadt Baden kann auf eine lange Theatertradition zurückblicken: 1675 gab es hier den ersten Theatersaal der Schweiz, heute ist das örtliche, auf rund 560 Zuschauer*innen ausgelegte Kurtheater das größte Theater des Kantons Aargau. Das denkmalgeschützte Gebäude im Kurpark wurde 1952 nach einem Entwurf der Architektin Lisbeth Sachs erbaut und gilt als ihr Hauptwerk. Zwischen 2018 und 2020 erhielt das sanierungsbedürftige Haus eine umfassende Restaurierung inklusive Umbau und Erweiterung, um seine Infrastruktur an die Bedürfnisse eines modernen Dreispartenhauses anzupassen. Den dafür 2007 ausgelobten Wettbewerb unter Bauherrschaft der Theaterstiftung der Region Baden-Wettingen gewann das Zürcher Büro von Elisabeth und Martin Boesch. Ihr Projekt équilibre setzte auf ein behutsames Weiterbauen und Überformen des Bestands, damit das fein austarierte Gleichgewicht des Gebäudes erhalten blieb. Der finanzielle Aufwand entsprechend Ausführungskredit lag bei 34,5 Millionen Schweizer Franken einschließlich Mehrwertsteuer für die Baukostengruppen 1–9.
Charakteristischstes Element des Originalbestands ist eine filigrane Glasrotunde mit dem sogenannten Sachs-Foyer, das detailgetreu restauriert wurde. Lisbeth Sachs hatte es als Scharnier zwischen Park und Theater konzipiert, um das Publikum nach dem Prinzip einer promenade architecturale allmählich vom Außen- in den Innenraum zu leiten: Vom Eingang und den Garderoben kommend, werden die Zuschauer*innen noch einmal unmittelbar mit dem Park konfrontiert, bevor sie in die Abgeschlossenheit des Theatersaals treten.
1965 wurde an der Parkstraße ein pavillonartiger, aufgeständerter Anbau realisiert, der ein weiteres Foyer aufnimmt. Hier griffen Boesch Architekten sichtbar ein, indem sie den ebenfalls raumhoch verglasten Quader vergrößerten und die einst schlanken, doch nur bedingt stabilen Betonpfeiler überformten. Ein ursprünglich außen liegender, umlaufender Pflanzentrog erhielt eine neue Funktion als Sitzbank, die gleichzeitig den Lüftungskanal aufnimmt.
Die umfangreichste Transformation fand allerdings im für das Publikum nicht zugänglichen Hinterbühnenbereich des Theaters statt. Ihn haben Boesch Architekten „mit den gestalterischen und konstruktiven Mitteln des Bestands“ weitergebaut, indem sie den Baukörper am hinteren Teil unauffällig durch einen Anbau verlängerten. Das ehemalige an das Haupthaus seitlich anschließende Studiogebäude wurde hingegen abgerissen, sodass das Volumen nun klarer und kompakter erscheint. Ein neues, an die ehemalige Außenwand angefügtes Treppenhaus bildet die Nahtstelle von Alt- und Neubau. In diesem befinden sich nun Künstlergarderoben, Proberaum, Administration und Lagerräume. (da)
Fotos: Vic & Chris, Beat Bühler, Dalibor Malina, Boesch Architekten
das kleine ding mit eienr oper in der innenstadt einer grossstadt zu vergleichen ist etwas vermessen, da reden ein paar mehr leute mit. was es meist nicht besser macht.....
Die Schweiz versucht halt nicht immer sich von sich selbst zu befreien.
Den Ort verstehen, die Intention der damaligen Planer, Bauherren, Künstler usw., sich diesen mit Demut - und durchaus auch kritisch - nähern - und dann einfach "weiterbauen". Spannend wäre noch, wie mit Vorschriften umgegangen worden ist, die aber sicherlich in der Schweiz eher noch strenger sind als in Deutschland und was für Kosten dabei heraus gekommen sind. (Bei "uns" wird ja zu gerne ein Denkmal unter Anwendung von Vorschriften zerstört oder aber zumindest absurd teuer). Und dann wünsche ich allen Herrschaften in Köln (die unter den absurd hohen Kosten der Opernsanierung leiden, sie aber gottseidank trotzdem durchziehen) und vor allem denen in Düsseldorf (die ihr Opernhaus am liebsten gleich loswerden wollen), dass sie sich hier einmal umschauen, wie man so etwas macht. Geht nämlich! Danke!
STRG C +V (wenn auch ohne die Besichtigung)
wunderbar gemacht ! bestand erhalten und ohne kitsch und zuviel selbstdarstellung erweitert