Gletscherskultpur stützt altes Gemäuer
Umbau in Schloss Rapperswil von Park Arch
Wahrzeichen der Gemeinde Rapperswil-Jona ist ein aus dem Mittelalter stammendes Schloss, das auf einem Felssporn direkt über dem Zürichsee thront. Der heute als öffentlicher Kultur- und Veranstaltungsort dienende burgartige Komplex wurde im Laufe der Zeit immer wieder ergänzt und verändert. Der jüngste, von der Gemeinde beauftragte Eingriff ist eine Renovierung und innere Neuorganisation, die Park Arch planten. Das Zürcher Büro arbeitete dabei eng mit Architektur- und Kunsthistoriker Philip Ursprung (ETH Zürich) und dem ebenfalls in Zürich ansässigen Baumanagement-Büro JACO Jaeger Coneco zusammen. Im Mittelpunkt des Projekts, das mit einem Gesamtbudget von umgerechnet gut 19,2 Millionen Euro umgesetzt wurde, steht eine imposante Treppenanlage.
Beim Blick auf die Fotos können Assoziationen an die im Sinne des Wortes fantastischen Treppenbilder des niederländischen Künstlers M. C. Escher aufkommen. Inspirationsquelle der Architekt*innen für ihren crepaccio e mulini betitelten Entwurf waren allerdings Gletscherformationen – genauer gesagt die des eiszeitlichen Linthgletschers, bei dessen Rückzug der Zürichsee entstand. Die übrig gebliebenen Gletscherspalten und Gletschermühlen standen Pate bei der Gestaltung des neuen Erschließungskerns aus Stahlbeton, der nun Schloss Rapperswil durchzieht.
Situiert ist er am Übergang von Palasgebäude und einem der drei Türme der dreieckigen Schlossanlage. Wie die Architekt*innen erklären, erforderte die technisch anspruchsvolle Bauaufgabe mit sprichwörtlich engen Verhältnissen im Bestand eine besonders präzise Zusammenarbeit der Architekt*innen mit der Denkmalpflege, verschiedenen Fachplaner*innen und Gewerken. „Unter Bezugnahme einer 3D-CAD-Geometrieentwicklung war die notwendige Bestandsstabilisierung und die konfliktfreie Einpassung der räumlich komplexen Architektur erreichbar“, heißt es dazu.
Die Konstruktion sichert und stabilisiert dabei auch das alte Gemäuer. Vor allem die Aufzugschächte – ein streng vertikaler für Waren und ein leicht geneigter für Personen – übernehmen diese Aufgabe. Zwischen den Liften öffnet sich ein senkrechter Schacht, der Tageslicht in die Tiefe des Gebäudes bringt – er ist der Gletscherspalte nachempfunden. Die mäandernde Treppe wiederum steht für die spiralförmig verbundenen Hohlräume der Gletschermühle. Diese Bilder wurden auch in den Oberflächen aufgegriffen: schalungsglatter Beton an den Aufzügen verweist auf glattes Eis, gestockter Beton an den Treppen soll das langsame Ausschleifen der Gletschermühlen symbolisieren.
Dem Beton wurde außerdem Sandsteinsand und Sandsteinbruchkies beigemischt, um eine Oberfläche zu schaffen, die Bezug zu den bauzeitlichen Bruchsteinwänden aus Bollinger Sandstein herstellt. Vor ihrem Hintergrund wirkt die architektonische Intervention trotz ihrer Monumentalität dennoch fein. Aufgrund der verschiedenen Höhenlagen im Schloss mussten die Treppenläufe in unterschiedlichen Neigungen und Längen angeordnet werden. Sie vermitteln so auch anschaulich die Vertikalität, die den Bestandsbau prägt.
Im Zuge des Projekts wurde zudem auf der anderen Seite des Palasbaus vor dem Wehrgang eine außen liegende Stahltreppe realisiert. Sie dient zum einen als Fluchttreppe und erschließt zum anderen im Zuge des Ausstellungsrundgangs einen zweiten Turm. Darunter befindet sich ein ebenfalls neuer Holzanbau mit Toilettenanlage. Weitere Interventionen umfassen unter anderem technische Modernisierungen und Sanierungen im Hauptgebäude, eine neue Wegführung in die Schlossanlage hinein und eine Buvette, eine kleine gastronomische Einrichtung im Schlosshof. (da)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- Park Arch
- Team Architektur:
- Markus Lüscher, Gilbert Isermann, Felix Matschke, Josip Jerkovic, Simone Bänziger, Andrea Kunz, Julia Mair, Maciej Grajek
- Architekturgeschichte:
- PU, Philip Ursprung (ETH Zürich)
- Baumanagement:
- JACO Jaeger Coneco
- Tragwerk:
- Ulaga Weiss
- Freiraum:
- Vogt Landschaftsarchitekten
- Brandschutz:
- Makiol Wiederkehr
- Bauherrschaft:
- Gemeinde Rapperswil-Jona
- Fläche:
- 3.470 m² Geschossfläche SIA 416
- Baukosten:
- 19.237.055 € Gesamtkosten SIA 416
- Auszeichnungen:
- Pronaturstein 2025, 3.Rang Kategorie Architektur