Guckloch zur Moldau
Ufergestaltung in Prag von Petr Janda / brainwork
Seit über zehn Jahren plant die Stadt Prag die Umgestaltung einiger ihrer Uferzonen entlang der Moldau. Die städtischen Flussufer erlebten einen regelrechten Vitalisierungsschub und gelten schon seit Längerem als beliebter Ort für Kultur und Freizeit. Von vier geplanten baulichen Maßnahmen wurde nun die erste fertiggestellt. Dabei handelt es sich um den Ausbau historischer Mauergewölbe entlang der Uferpromenaden, die einst als Eiskeller dienten. Die Pläne für das umfangreiche Projekt entwickelte das Prager Büro Petr Janda / brainwork.
Die Intervention zur Umnutzung der alten Keller wurde auf einem über vier Kilometer langen Abschnitt des Moldauufers an den Kais Rašín, Hořejší und Dvořák realisiert. Die Architekten wollten dabei vor allem die Beziehung zwischen den drei verschiedenen Zonen Wasser, Ufer und Gemäuer thematisieren. Je nach Parzelle unterscheidet sich die Nutzung: Zwanzig ausgebaute Gewölbe in der Flussmauer werden zukünftig entweder als Kunstgalerie, Café, Seminarraum oder als öffentliche Sanitäranlage dienen.
Die Steinkonstruktion und Spannmetallfassade der ursprünglichen Sturzbögen wurden entfernt und durch verglaste Rundfenster ersetzt, deren elliptischer Einsatz 2,5 Tonnen schwer ist. Der Ein- und Austritt in das Gewölbe durch die riesigen, schwenkbaren Fenster wird in jedem Fall zum Spannungsmoment für die Besucher. Für die Gestaltung der Innenräume wählten die Architekten einen einheitlichen Stil. So sind die eingebauten Trennwände aus Sichtbeton und die Böden aus geschliffenem Estrich gefertigt. Imprägnierter schwarzer Stahl und verspiegelte Oberflächen wurden für die Toiletten und Möbel verwendet.
Den Angaben der Architekten zufolge ist dieser erste Abschnitt des Uferrevitalisierungsprojekts mit rund 6,5 Millionen Euro die größte städtische Investition in den öffentlichen Stadtraum seit über drei Jahrzehnten. Die weiteren von der Stadt angekündigten und teils spektakulären Maßnahmen werden aller Voraussicht nach in den kommenden Jahren umgesetzt. Dazu gehören ein luxuriöses Badeschiff mit Unterwasserrestaurant, ein Terminal für Schiffe sowie ebenfalls unter Wasser schwimmende öffentliche Toilettenanlagen mit Ausblick. (kg)
Fotos: BoysPlayNice
Brandschutz beim Cafe: Wo ist das Problem? Es gibt 2 Eingänge, und angesichts der geringen Zahl der Sitzplätze sollte sogar die Fluchtbreite der runden Tür ausreichen. Vll sind die Vorschriften aber auch einfach etwas entspannter als hierzulande. Barrierefreiheit: Zumindest die öffentlichen Toiletten sind für Rollis geeignet. vll. funktioniert die Barrierefreiheit der Cafes ja in Kombination mit dem öffentlichen Toiletten. Diese sind zumindest in einem Fall in direkter Nachbarschaft. Und der ein oder andere Abstrich hinsichtlich der angesprochenen Punkte dürfte wegen Bauens im Bestand / Denkmal auch noch drin gewesen sein. Ansonsten: sehr schön. ... eine Frage noch: Bin ich der Einzige, der das Gefühl hat, dass die Kommentarspalte von Baunetz zu einer Phrasenhalde für gescheiterte Architekturtheoretiker geworden ist?
Nebenbei finde ich das es ein sehr gelungenes Projekt ist und ich bin sehr erfreut darüber, dass die Umsetzung dicht am Wettbewerbsbeitrag ist. Über mögliche Schwachstellen kann ich nichts sagen, aber ich traue den Kollegen durchaus zu, pfiffige Lösungen für die von Ihnen angesprochenen Probleme gefunden zu haben. Vielleicht wurden diese Probleme aber auch für nicht ganz so problematisch erklärt... who knows! Gestalterisch auf jedenfall ein Lichtblick in den oft so trostlosen Beiträgen unserer Zeit!
und IHRE meinung dazu ? kritik heisst ja kritisch sein. sonst wäre es ja beweihräucherung schönen urlaub!
Die Integration der teils profanen, teils höherwertigen Nutzungen ist doch mal wirklich ansprechend vorgenommen und zeigt eben, dass eine Ufermauer kein gewöhnliches "Gebäude" ist. Für die allermeisten Menschen, die durch das runde Tor treten wollen, gilt halt: Mal hinschauen, wo man lang geht. Einzig das Thema Barrierefreiheit ist damit leider nicht so richtig gelöst.