Zwei Langhäuser als Schulbau
Thomas Kröger und Roswag Architekten gewinnen in Hamburg
Der Berliner Architekt Thomas Kröger ist einem größeren Publikum bisher vor allem durch seine schönen Wohnhäuser in Brandenburg bekannt – doch das könnte sich bald ändern. Eines der neusten Projekte seines Büros zeigt zwei expressive Backsteinbauten von stattlicher Größe, die fast ein wenig verwunschen – es mag am Frühnebel auf den Renderings liegen – am Stadtrand von Hamburg stehen. Es ist die neue Stadtteilschule Kirchwerder, die hier zu sehen ist, oder besser: Es ist das Projekt, das gerade im Wettbewerb mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde. Angesichts des ungewöhnlichen Entwurfs darf man sich aber wünschen, dass das Vorhaben auch genau so umgesetzt wird. Entstanden ist das Projekt in Zusammenarbeit Roswag Architekten (Berlin). Das Ergebnis des nichtoffenen Wettbewerbs mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren:
- 1. Preis: ARGE Thomas Kröger Architekten / Roswag Architekten, beide Berlin
- 2. Preis: Numrich Albrecht Klumpp, Berlin
- Ein 4. Preis: ARGE Trapez Architektur, Hamburg / CEBRA Architecture, Aarhus
- Ein 4. Preis: PFP Architekten, Hamburg
Das Projekt von Thomas Kröger Architekten und Roswag Architekten konnte sich nach einer Überarbeitungsphase schließlich gegen den zweitplatzierten Entwurf von Numrich Albrecht Klumpp durchsetzen. Ihr Entwurf ist von der historischen Langhaus-Typologie inspiriert, die in der über 800 Jahre alten Kulturlandschaft, zu der Kirchwerder gehört, noch oft anzutreffen ist. Im Maßstab einer Schulanlage ergibt sich aus den langgezogenen Baukörpern eine ungewöhnliche Konfiguration. Im Winkel zueinander positioniert, formen sie einen trichterförmigen Schulhof, der in die Felder übergeht. Im längeren Haus befinden sich die Klassenräume, im kürzeren Bau öffentlichere Funktionen wie Mensa, Aula, Fachkunderäume und die Verwaltung. Beide Trakte sind naturgemäß linear gedacht, werden aber an mehreren Stellen durch platzartige Situationen aufgelockert.
Das Resultat sind zwei idealisierte Großformen in Backstein, die explizit von der Landschaft her gedacht sind – ein ungewöhnliches Gewinnerprojekt im Kontext des deutschen Schulbaus, der sich sonst allzu oft durch Pragmatismus bis an die Schmerzgrenze auszeichnet. Dass ein solch konzeptioneller Ansatz trotzdem flexibel auf die funktionalen Anforderungen zu reagieren vermag, zeigte sich in der Überarbeitungsphase. Das in der Ausschreibung geforderte Prinzip „Clusterschule“, das in der ersten Fassung des Entwurfs etwas zu kurz gekommen war, ließ sich laut Jury schließlich noch gut integrieren. (sb)
in der Masse der gleichen Meinungen fühlt man sich eben sicher, ich glaube, dass die aktuelle Generation von 20 bis 40 sich viel konservativer, karrieristischer, konformistischer und affirmativer gegenüber den Verhältnissen stellt, als es noch in den 70iger Jahren der Fall war, die großen Ideen sind vorbei, Utopien gibt es nicht, also jetzt bauen wir einfach nur noch ohne uns groß erklären zu müssen, oder zu können, zur Gesellschaft haben wir keine Meinung, die können wir sowieso nicht ändern, und man will ja auch ein gutes Leben haben, das kommt dabei heraus, wenn man sich nur noch ein Denken erlaubt, welches sich schnell zu Geld machen lässt, und Leute, lasst bitte die persönlichen Angriffe, bleibt bei der Sache, daran merkt man nur, dass man die Welt psychologisch sieht und nicht universell, und zum Thema Kollhoff: schaut euch den Block in Rotterdam an, hier waren die Deformationen des Blocks sinnvoll hergeleitet aus dem Kontext, dieser Entwurf hier zeigt private Liebelein der Entwerfer, die so aussehen sollen, als wenn aus der Gegend adaptiert wurde
Gebe den meisten Vorrednern Recht. Dieses Projekt wurde mit viel Leidenschaft entworfen. Das sieht man auf den ersten Blick. Auch das Model ist erstklassig. Renderings sind super. Konzept ist durchdacht. Belichtung wäre eventuell für den Auslober ein Problem (wie vor allen Dingen die Kosten), aber wollen wir mal hoffen, dass hier mehr Geld ausgegeben wird, um schöne, identitätsstiftende Architektur lebendig werden zu lassen. Aber richtig: auch die anderen Platzierten sind hier nicht schlecht. Muss man feststellen.
Auf den ersten Blick war mir der Entwurf auch sehr sympathisch, allerdings fragt man sich dann doch ob die Formen und Kubaturen für den Schulbau passen, oder ob sie dann nicht doch im Zuge der Planung den reellen Anforderungen angepasst und weggeglättet werden (was sich schon bei genauerem Vergleich von Modell und Rendering erahnen lässt). Stilistisch für mich ein Anklang an den Expressionismus des Chilehauses. Somit vielleicht doch nicht so neu, aber m.E. muss ganz gewiss auch nicht immer alles neu erfunden werden. Weiterentwickeln, verbessern... ganz schön arrogant zu glauben, dass die Zeitgenossen es besser können müssen als die Vorgänger.
Bin Gespannt auf das fertige Ergebnis. Möge der Bauher vor allem hinter der Fassade und den Stirnseiten bis zur Einweihung stehen :).