Wege der Verkehrswende
Testfeld Radbahn Berlin
Alles begann mit einem Traum. Was wäre, wenn unter dem Viadukt der U-Bahnlinie 1 in Berlin-Kreuzberg keine Autos mehr parkten, wenn der überdachte Raum stattdessen der gesamten Nachbarschaft zugutekäme? Zehn Jahre später, nach vielen Medienberichten, Beteiligungsrunden, einer Ideenwerkstatt, mehreren Studien und einer Publikation ist zwischen Mariannen- und Oranienstraße auf 200 Metern der Skalitzer Straße das scheinbar Unmögliche möglich geworden: Das Reallabor Radbahn ist eröffnet.
Erst hatten Stadtenthusiasten, Architekten*innen, Nachbar*innen und Kulturschaffende rund um den Verein paper planes e.V. die Idee viele Jahre ehrenamtlich vorangebracht. Ab 2019 gab es Unterstützung vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, vom Berliner Senat und schließlich Geld aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Auf dem Testfeld wurden zwei Radspuren eingerichtet, die ehemaligen Autoparkflächen entsiegelt und bepflanzt, eine Wasseraufbereitungsanlage und Möbel aufgestellt sowie Beleuchtung, Servicestationen, WLAN und viele Erklärschilder installiert.
Alles zusammen gedrängt auf engem Raum wirkt das ein wenig überfrachtet. Die Strecke scheint außerdem zu kurz, um mal eben von der Straße unter den Viadukt zu wechseln. Doch genau diese Informationen und Erfahrung braucht es, um Argumente für die Verkehrswende zu sammeln, von der Berlin noch weit entfernt ist. Noch bis 15. Juni können alle an einer Umfrage teilnehmen, die in Handlungsempfehlungen für weitere Schritte münden soll.
Nun wird erst einmal gefeiert. Zum Tag der Offenen Gesellschaft am Samstag, 15. Juni heißt es „Tische und Stühle raus“. Geplant sind Kaffee, Kuchen und Gespräche an einer langen Tafel, interaktive Sounds, Musik, Führungen und Fahrradreparaturen. Dann wird man sicher auch darüber reden können, was funktioniert und was noch nicht, wie und ob es weitergeht. Denn geplant sind insgesamt neun Kilometer Radweg, von der Oberbaumbrücke im Osten bis zum Tiergarten im Westen der Stadt.
Termin: Samstag, 15. Juni 2024, 16–21 Uhr
Ort: Unter dem Viadukt der U1, Skalitzer Straße zwischen Mariannenstraße und Oranienstraße, Berlin-Kreuzberg
Obdachlosigkeit ist eine akute Notsituation die mit Priorität abzustellen oberste Menschenpflicht ist! Radwegeprestigeprojekte helfen nicht aus der akuten Not.
Ohne jetzt einen direkten Zusammenhang herstellen zu wollen, aber Dänemark z.B. liegt auf den vorderen Plätzen. Trotz oder wegen deutlich besserer (Fahrrad-)Infrastruktur? Obdachlosigkeit bekämpft man ggf. auch indirekt mit besserer Infrastruktur, so kann man den Bericht vom WCC auch lesen, der die oben genannte Rangliste erstellt …
"Zum glück kümmern sich nicht die selben experten um obdachlose und fahrradinfrastrukturen....." Um Obdachlosigkeit kümmern sich gar keine "Experten", sonst gäbe es sie nicht. Traurige Zeiten, wenn noch ein Leuchtturmprojekt am Berliner Fahrradhimmel wichtiger ist als die würdige Unterbringung von Menschen!
Einen konkreten Beitrag zur Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur leistet es auf Grund der lächerlich kurzen Strecke jedoch nicht. Auch ist fraglich, ob es überhaupt sinnvoll ist einen Radweg derart mit Bänken zu spicken, das ganze Anhalten, Gucken, Anfahren etc. wird für den Verkehrsfluss hinderlich sein. Ich wünsche mir, dass Radwege in erster Linie als Infrastruktur ernst genommen werden und flottes uns sicheres Vorankommen mit dem Rad in Berlin endlich flächendeckend ermöglicht wird. Da ein paar Meter weiter der Mittelstreifen unter dem Viadukt inzwischen für Autos als hochwertiger Parkplatz neu gestaltet wird, ist meine Hoffnung leider gering, dass dieses Projekt in absehbarer Zeit das Vorankommen mit dem Rad in Berlin tatsächlich erleichtern wird. Schön ist es trotzdem.