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10.09.2021

Wenn der Vorhang fällt

Temporäre Installation von Figure in Los Angeles


Als Covid das öffentliche Leben in weiten Teilen der Erde zum Erliegen brachte, ging die globale Bautätigkeit trotzdem unvermindert weiter. Denn Bauen gilt als alternativlos und unverzichtbar. Sichtbares Symbol dafür sind die schimmernden Schleier aus Bautextil, die weltweit zu finden sind. Diese Netze nutzte das Architekturkollektiv Figure als gestalterisches Hauptmotiv für eine temporäre Installation der gemeinnützigen Kulturorganisation Materials & Applications (M&A) in Los Angeles.

Figure tritt als offenes Studio unter der Leitung von James Leng und Jennifer Ly mit Sitz in San Francisco auf. Das Büro arbeitet mit einem internationalen Netzwerk von Architektinnen, Designern, Unternehmerinnen und Denkern zusammen. In diesem Fall kooperierte man mit M&A, das sich dem Aufbau einer öffentlichen Kultur für experimentelle Architekturpraxis und -prozesse verschrieben hat. Die kleine aber feine Institution kuratiert kritische Ausstellungen und gibt neue Arbeiten von noch wenig bekannten Architeken, Designerinnen und Künstlern in Auftrag.

Die architektonische Installation Veil Craft, angegliedert an das Museum Craft Contemporary am Wilshire Boulevard – an dem auch das kürzlich eröffnete jüdische Kulturzentrum von OMA liegt –, besteht aus Baugerüsten. Sie ist im Innenhof des Museums errichtet, der aufgrund seines keilförmigen Grundrisses ausgesprochen schwierig zu bespielen ist. Die Straßenfassade wurde mit handelsüblichen grünen Bau- und Schuttnetzen verkleidet. „Diese robusten, porösen und farbenfrohen Textilien sind durch die Allgegenwart der Bauarbeiten in Los Angeles ungewollt zu einer fast permanenten Fassadenästhetik geworden“, so das Architekturkollektiv – einer Ästhetik des Urbanen, der jedoch kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Auf den ersten Blick wirkt die temporäre Konstruktion also wie eine der unzähligen Baustellen. Ein erstes Irritationsmoment gibt es auf Straßenniveau, wo die Plane hochgeklappt ist und damit einen Eingang bildet. Von hier gelang  man in eine Art Hof-im-Hof, wo weiße Maschennetze einen von der Straße abgegrenzten und nach oben offenen Raum definieren. Das Material spielt mit Transparenz und Textur. Pflanzen und Sitzgelegenheiten schaffen ein Gefühl von Häuslichkeit. Ein besonderer Fokus lag auf der sorgfältigen Verarbeitung der Nähte und der Montage der Textilpaneele, die dem scheinbar wertlosen Gebrauchsobjekt widersprechen. Im Kontext von Beverly Hills – Stadtteil der Reichen und Schönen – wirken auch die von den Architekt*innen gezogenen Verweise auf Körper, Kleidung, Status sowie den Akt des Ver- und Enthüllens als schlüssige Analogien.

„Das Baugewerbe ist eine wichtige Tätigkeit, da die Stadt angeblich dringend benötigte Wohnungen oder Infrastrukturen baut“, so die beiden Architekt*innen Leng und Ly. „Doch in Covid-Zeiten sehen wir eine Zunahme von Verdrängung und Arbeitslosigkeit, und damit auch von Armut und Kriminalität. Es stellt sich die Frage, wem all diese Bau- und Entwicklungsmaßnahmen zugutekommen, vor allem, weil die Prozesse und die Ästhetik des Bauens darauf abzielen, sie vor der Öffentlichkeit zu verbergen.“

Genutzt wird Veil Craft seit Mitte Juli bis einschließlich kommenden Sonntag, 12. September 2021 als Veranstaltungsort für diverse sommerliche Events und Dialogrunden, wobei Fragen des urbanen Wandels, der Arbeitspraktiken von Architekt*innen und des gesellschaftlichen Engagements im Mittelpunkt stehen. Die niedrigschwellige Architektur möchte auch bei Laien Interesse an den oftmals übersehenen Materialitäten der gebauten Umwelt von Los Angeles wecken. (stu)

Fotos: James Leng


Zum Thema:

Das Programm der Kulturorganisation Materials & Applications ist auf deren Webseite zu finden.


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