Architekturwelten
Tchobans Zeichnungen in Frankfurt
Der russische Architekt Sergei Tchoban kam 1990 „mit einem Handkoffer voll Zeichnungen“ nach Deutschland. Wenige Jahre nach Eintritt in das Hamburger Architekturbüro nps wurde er dort Partner. Heute unterhält er mit der Architektensozietät Büros in Berlin, Hamburg und Dresden sowie in Moskau und errichtet Großbauten in ganz Europa.
Tchobans zeichnerische Begabungen wurden maßgeblich während seines Studiums an der Petersburger Akademie gefördert, wo die Architekturstudenten bis heute einen traditionellen Ausbildungsweg durchlaufen. Aus dem historisch interessierten, zeichnenden Architekten Tchoban wurde dabei auch der sammelnde Architekt, der Architekturzeichnungen von der Barockzeit bis ins zwanzigste Jahrhundert in einer beachtlichen Sammlung zusammengeführt hat.
Die Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt „Architekturwelten. Sergei Tchoban – Zeichner und Sammler“ möchte am Beispiel der Zeichnungen Sergei Tchobans und seiner Sammlung neue Zugänge zur Kunst der Architekturzeichnung eröffnen. Die ausgewählten Zeichnungen aus drei Jahrzehnten fokussieren das Thema mit Schwerpunkt auf Darstellungen antiker, barocker und klassizistischer Architektur.
Ausstellung: 30. Januar bis 14. März 2010, Di, Do-So 11-18 Uhr, Mi 11-20 Uhr
Eröffnung: Fr, 29. Januar 2009, 19 Uhr
Ort: Deutsches Architekturmuseum DAM, 3. Obergeschoss, Haus-im-Haus, Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt
genau darauf zielt mein beitrag ab - visionen - gerne, aber nur, wenn es echte visionen sind, wenn der background da ist, denn sonst werden sie leeres formengeplapper, nenne man es meinetwegen kitsch. ob herr tchoban zu den visionären oder zum leeren kitsch gehört, kann er uns nur selber sagen - durch seine bauten.
und doch vermisse ich in tchobans bauten oft genau jene phantastische, visonäre kraft, die aus seinen zeichnungen spricht. bauten à la bofill oder zumindest kollhoff kommen einem in den sinn. von einem architekten mit soviel organisationstalent und solch gebündelter kreativer energie würde man sich wünschen, dass seine bauten mehr transportieren, als man es von seinen realisierten projekten her kennt: die verstömen dann bisher doch ein sehr projektgesteuertes, gipskartoniges real-estate-flair mit einer note design - schwerpunkt fassade. und auch stilistisch scheint alles möglich - von renaissance über barock und kassizismus bis hin zu klassischer moderne und high-tech. vielleicht stößt da die klassische zeichenausbildung auch an ihre grenzen, wenn die klassik in der fünften retrowelle abermals zitiert wird. vielleicht aber auch nicht. ich würde mir für herrn tchoban wünschen, dass er den mut aufbringt, seine phantasien auch umzusetzen, vielleicht durchaus in kleinen, weniger profitorientierten bauvorhaben. dann könnte er beweisen, dass "anythong goes" auch für die architektur gilt.