Klare Ebene
TaunaBad von Sacker Architekten in Oberursel
Der Neubau eines Schwimmbades ist heute in Deutschland keine häufige Bauaufgabe. Auch das Spaßbad-Konzept hat sich für verschuldete Kommunen nicht als Garant für Rentabilität erwiesen. Immer öfter steht der Umgang mit vorhandener Architektur im Vordergrund. Bei der Entscheidungsfindung zwischen Sanierung (Beispiel Finckensteinallee Berlin) und Abriss und Neubau (Wettbewerb Potsdam) ist die Auseinandersetzung mit der mitunter auch politischen Geschichte der Bäder unumgänglich. In der Erweiterung des Gothaer Stadtbades verbanden Veauthier Meyer Architekten Alt und Neu.
In Oberursel haben nun Sacker Architekten (Freiburg) nach gewonnenem Wettbewerb das neue TaunaBad fertiggestellt. Auch hier wurde im Vorfeld über Erhalt oder Abriss des Hallen- und Freibades von 1937 diskutiert. Man entschied sich für einen Kompromiss: Das bestehende Freibad wurde in die Neubauplanung des Hallenbades integriert. Die Architekten ordneten alle Wasserflächen auf einer Badeplatte auf Freibadebene an. Schlanke Rundstützen sind von der großflächigen Glasfassade zurückgesetzt, um die räumliche Verbindung zu erreichen.
In der Kombination vieler Funktionen und dem daraus resultierenden Organisationsaufwand entwickelt das TaunaBad seine Qualität. Der Kopf des quaderförmigen Baus ist als Zugang und Umkleidebereich für Hallen- und Freibad sowie den im Obergeschoss geplanten, noch nicht umgesetzten Saunabereich nutzbar. Durch öffenbare Elemente in der Glasfassade kann das Hallenbad in Kombination mit dem Freibad genutzt werden, oder parallel. So werden flexible Tarifkonzepte ermöglicht.
Mit immerhin acht 25-Meter-Bahnen, Drei-Meter-Sprungturm, einem Wellness- und einem Kinderbecken ist das TaunaBad ein Sport- und Freizeitbad mit Schwerpunkt auf der Sportnutzung. Mit Sichtbeton und Holzdecke wurde eine schlichte Materialästhetik erreicht. Aufenthaltsorte sind durch rote Mosaikfliesen hervorgehoben und ein Oberlicht sorgt für angenehme Helligkeit in der Halle. Man darf sich auf die Fertigstellung der Saunaetage freuen. (dd)
Fotos: Roland Halbe
Schwimmen und Schwitzen: Die Baunetzwoche#352 über Architektur von Pool bis Sauna
Oberuschi scheint nicht nur Oberursel nicht zu kennen, sondern auch nicht zu wissen, das der Virus "politische Kosten" ohne einen Wirt auch nicht überleben könnte.
Es gibt natürlich noch Städte, die an großen Alt- und Zukunftsschulden weiterbauen, weil die notwendige Verantwortung nicht wahrgenommen wird.
Sacker Architekten sind insofern in Schutz zu nehmen, da sie die üppigeren Kosten der fürwahr sehr liebevoll detaillierten Architektur frühzeitig dargestellt haben, ohne Salamischnippelei.
Aber muss ein Sportbad mit Sauna zwingend wie ein Kulturbau aussehen? Zu allererst muss es funktionieren und lange halten!
Leider war es den Beteiligten nicht möglich aus dem Mercedes ob der Kostenzwänge, doch noch einen "Opel Taunus" zu machen. Jetzt hat der Mercedes keine Rückbank, die Kofferaumklappe fehlt und es regnet rein...
Trotz allem, die Schwimmhalle ist klasse!
Mit ihrem Wettbewerbsbeitrag haben Sacker Architekten damals die Jury durch die kompakte Lösung, schlichte und klare Grundriss- und Fassadengestaltung und insbesondere durch die Einbindung des Freibades auf einer gemeinsamen Ebene überzeugt. Der zweitplatzierte Wettbewerbsbeitrag bestach aber durch ein überzeugenderes Raumerlebnis der Schwimmhalle.
Die Schwimmhalle von Sacker wirkt sehr nüchtern und kostenoptimiert. Leider gibt es auch gravierende funktionale Mängel, die vermutlich durch zu hohen Kostendruck entstanden sind. Die Duschen sind so klein, dass man oft anstehen muss, bis eine Dusche frei wird und die Vorräume so eng, dass man immer wieder die Glastüren schmerzlich in den Fersen spürt. Oft rutscht man aus, die Fliesen im Beckenumgang und insbesondere im Kleinkindbereich haben deutlich zu geringe Rutschhämmung. Einen Wellnessbereich, wie es im Text steht, gibt es nicht, wenn man von zwei Unterwasserdüsen absieht. Ein wirkliches Drama ist aber vor allem der neue Bauschaden des Daches. Das Hallenbad wir im Sommer geschlossen und das Dach muss bereits jetzt für einen sehr hohen Betrag wegen eines Dampfdiffusionsproblems saniert werden. Vermutlich hat auch dies mit dem Kostendruck zu tun und der Beauftragung eines Generalunternehmers. Schade für das sonst recht gelungene Sporthallenbad, das in seiner Schlichtheit als Nicht-Spaßbad zu Oberursel passt.