Chillen unterm Plug-in-Dach
Surfclub in Ghana von Glenn DeRoché und Juergen Strohmayer
Am Golf von Guinea, circa 250 Kilometer westlich der ghanaischen Hauptstadt Accra, liegt das Fischerdorf Busua, das sich zu einem beliebten Ziel für Wellensurfer entwickelt hat. Einer der zahlreichen Surfclubs wird von Surf Ghana betrieben, einem 2016 gegründeten Kollektiv, das insbesondere die lokale Jugend addressiert und dabei soziale und kulturelle Orte schaffen will, die über den Surfsport hinausreichen. In einem Bestandsgebäude am Strand von Busua entstand nun mit finanzieller Unterstützung mehrerer Sponsoren der neue Hauptsitz der Initiative, die Surf Ghana Collective Lodge.
Der von Handwerkern aus der Region realisierte Umbau erfolgte nach Plänen der Architekten Glenn DeRoché (Accra) und Juergen Strohmayer (Accra/Wien), die das Projekt aktuell bei der Architekturbiennale in Venedig in installativer Form vorstellen. Vor drei Jahren veröffentlichte Strohmayer bereits ein bemerkenswertes Projekt in Ghana: Das Ausstellungshaus Nubuke Extended, das in Zusammenarbeit mit nav_s baerbel mueller (Wien/Accra) entstand.
Der zwischen einer Fußgängerzone und einem Café eingebettete Surfclub ist der erste Treffpunkt für Surfer in der Gemeinde, der über einen Aufenthaltsraum, Wi-Fi-Zugang und eine Küchenzeile verfügt. Der nur einen Mehrzweckraum beherbergende Bau dient als Lounge, Surfschulklassenzimmer oder Schlafsaal für Gastsurfer zugleich. Die ursprüngliche Struktur des Gebäudes blieb beim Umbau zum größten Teil erhalten. DeRoché und Strohmayer entfernten im Wesentlichen nur das undichte Dach und ersetzen es durch eine begehbare Überdachung, die sie als „Plug-in-Vordach“ bezeichnen. Diese überspannt nicht nur das bestehende Volumen, sondern auch eine neue ebenerdige Terrasse, die über große, auch als Sitzgelegenheiten dienende Stufen mit dem Strand verbunden ist. Mittelpunkt der Plattform sind zwei bestehende, zusätzlichen Schatten spendende Ficus-Bäume, um die herum gebaut wurde.
Getragen wird das Dach von drei massiven Säulen, die auf der Dachterrasse durchstoßen und mit roher Betontextur eine skulpturale Wirkung entfalten. Um die Zementmenge zu reduzieren, wurde vor Ort leicht verfügbarer Laterit zugesetzt, sodass ein kohlenstoffarmer Beton entstand. Geschalt wurde des Weiteren mit von heimischen Raffiapalmen gewonnenem Bast, der in der Region als traditionelles Baumaterial gilt. Dabei entstand eine stark geriffelte Betonoberfläche, die einen haptischen Kontrast zum glatten Putz des Bestands bildet. Ein doppeltes Dach im Bereich des Innenraums sowie Querlüftung durch Lochmauerwerk an der rückseitigen Hofwand und schmale Fensterschlitze ermöglichen eine passive Kühlung des Gebäudes. Im Inneren wurden neue Funktionen wie ein Bad und eine Dusche, Stauraum für Surfbretter, ein Bereich zum Abspülen von Neoprenanzügen sowie ein Wasserspeicher integriert. (da)
Fotos: Julien Lanoo
Das Projekt wird auf der Biennale in Venedig im Rahmen der Hauptausstellung (Arsenale) in der Kategorie „Guests from the Future“ präsentiert.
Dass in Ghana der Werkstoff Stahl-Beton verwendet wurde, wahrscheinlich mit Hilfe von Portlandzement, welches beides Erfindungen aus der westlichen Welt sind, und die Gestaltung des Gebäudes modernistische Züge ausfweist, wobei die Moderne auch eine "nicht-afrikanische" Errungenschaft ist. In Ghana soll also nur vernakulär gebaut werden, damit darüber derichtet und kommentiert werden darf? Geht's noch ...
Trotzdem ist es kein intellektuelles Gebäude, sondern erfrischend einfach in seiner coolness, dass es sich gerne durch die Nutzer in Beschlag nehmen lässt. Handwerklich einfach umzusetzen aber dennoch nicht banal. Die unterschiedlichen Oberflächen verleihen dem Gebäude Gefühl und eine feine Haptik. Und am Rande ganz unscheinbar ist der Grundriss auch noch sinnvoll zoniert und aufgeteilt. Eine wunderbares Projekt.
entweder weil ein deutscher Architekt das mit macht oder Surfen nichts "afrikanisches" ist? oder weils an der Biennale aussgestellt wird? mannomann (oder frauofrau),was hat das mit der Architektur zu tun ?
Moderne feiert die Armut als Abstinenz