Bauernturm in Antwerpen
Studio Libeskind plant Hochhauserweiterung
Das erste Hochhaus Europas wurde in Antwerpen zum Anlass der Weltausstellung 1930 zwischen 1929 und 1932 errichtet. Mit einer Höhe von 87,5 Metern überragte der Boerentoren – auf Deutsch Bauernturm – als Sitz eines Kreditinstituts die Stadt. Der Name leitete sich aus den Berufen der Hauptklient*innen ab, die zumeist Bauern und Bäuerinnen waren. Die Errichtung des Turms nach Plänen von Jan Van Hoenacker geschah nicht ohne Widerstand, da man befürchtete, der nach amerikanischem Vorbild entworfene Boerentoren könne das Bild des historischen Stadtzentrums zerstören. Heute ist das Hochhaus fester Bestandteil des Stadtbilds und misst seit seinem Umbau für die KBC Bank im Jahr 1979 noch ein paar Meter mehr, nämlich 97. Es ist damit nach der Liebfrauenkathedrale das zweithöchste Gebäude der Stadt.
Dank der von Studio Libeskind (New York) in Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Büro eld geplanten Aufstockung soll es nun weiter wachsen, allerdings die Höhe der Antwerpener Kathedrale von 123 Metern nicht überschreiten. Die Architekt*innen wählten eine klare Formensprache mit kubischem, leicht gedrehtem Baukörper auf dem Hochhaus und einem rückseitig herangeschobenen gläsernen Turm. Durch ihre unterschiedliche Materialität machen die Ergänzungen kontrastreich den Übergang von Bestand und Neubau sichtbar.
Die genaue Gebäudehöhe der Erweiterung ist bislang noch nicht bekannt. Durch die geplante vertikale Ergänzung soll das Hochhaus in ein öffentliches Kulturzentrum umgewandelt werden, in dem unter anderem Ausstellungsräume der privaten Kunststiftung The Phoebus Foundation, ein Skulpturengarten auf dem Dach, Bars und Restaurants sowie eine Aussichtsplattform untergebracht werden sollen. Im Jahr 2028 ist die Eröffnung des neuen Gebäudeteil geplant.
Beauftragt wurde das Projekt von Milliardär und Kunstsammler Fernand Huts. Als Besitzer des Hauses und Inhaber des Hafenlogistikunternehmens Katoen Natiein rief er einen privaten Designwettbewerb für das Gebäude aus. Er ist ebenfalls Eigentümer der Phoebus Foundation, deren Sammlung in den ikonischen Turm einziehen soll. Dass bei dem Entwurf vor allem der Wahrzeichencharakter im Vordergrund steht, liegt auf der Hand. Angesichts zunehmender Hitzeinseln in Städten bleibt allerdings mit Blick auf das vollends verglaste Gebäude trotz Innenbegrünung fraglich, ob bei der Planung klimaschonende Aspekte zum Tragen kamen. (sas)
[Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version dieses Textes wurde von einer Auslobung gesprochen. Wir haben die entsprechende Stelle präzisiert.]
noA, Herzog de Meuron, bemühten jeweils ihr Büro, und zeigten dabei ungleich mehr Zurückhaltung, Respekt. Doch hier war wohl ein and´res "Mehr" gefragt! Nicht Jedem, dem das zu gewagt, sollt´ man aber unterstellen, er hätte - ohne Grund, Sinn und Verstand - allein vorschnellen Beissreflexen Lauf gelassen. Man muss das Libeskind nicht hassen, um sich hier kritisch auszusprechen. Es wird aus seinem Oeuvre ihm schon keinen Zacken brechen.
Man müsste unter oder über den Rücksprüngen einen Teil einfügen und den Mittelteil aufstocken. Entweder auf Kontrast oder den Bestand abstrahieren.
Im Netzt fand ich spontan nur zwei Konkurenz-Entwürfe, Max Dudler und Binst Architects. Beide zeigen einen respektvolleren, und aus meiner Sicht passenderen Umgang mit dem Bestand. Mich würde interessieren was es für weitere Ansätze gab. Ich würde auch gerne Mehr als nur Bilder sehen. An keiner Stelle findet sich ein Hinweis darauf, wie gut der Inhalt eines öffentlichen Kulturzentrums mit der Struktur eines historischen Stahlskelett-Hochhaus vereinbaren lässt. Die sind typischerweise erstaunlich kleingliedrig, bieten nur wenig zusammenhängende Fläche, und jede dieser Flächen muss aufwändig mit Aufzügen erschlossen werden. Das mit Leben zu erfüllen wird eine langfristige Herausforderung.
Stimmt auch, dass Libeskind da total den Zug verpasst hat, wie die meisten seiner Generation. Interessanterweise spielt das aber in den Kommentaren hier gerade keine Rolle. Da ergehen sich die meisten in aggressiver Rhetorik über Entwurfsqualitaet etc. Und natürlich ist Libeskind irgendwo von gestern, aber den unreflektierten Beißreflex provoziert er immer noch. Finde ich faszinierend, welche Wut der Mensch bei Fachkollegen triggert. Wenn Chipperfield oder Maki so etwas machen (und die sind mindestens genauso veraltet), passiert das eben nicht. (@Projektleiter: Designlizenz entziehen hört sich nach Konzepten wie Malverbot an wann war das noch einmal? Man kann ja Dinge nicht mögen, aber vielleicht dann doch die Rhetorik unter Kontrolle behalten! Unglaublich ignoranter Kommentar!)
Je nach Wichtung des Verstoßes ist die Pappe dann für einen definierten Zeitraum weg. Bei Unfall mit Todesfolge im Vollrausch (wie in diesem Fall) auf Lebenszeit entzogen. Ich konnte den Arbeiten von Liebeskind noch nie viel abgewinnen und war immer der Ansicht, dass die Entwürfe dem hauseigenen Branding unterworfen sind. Dieses Mal wurde buchstäblich "noch einer draufgesetzt".... grenzt für mich an Körperverletzung.