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16.03.2023

Zwischen Gleisen und Reben

Studierendenwohnhaus in Wädenswil von Hotz Partner


Wädenswil liegt zwar nicht weit von Zürich am Westufer des gleichnamigen Sees entfernt, aber ein Studierendenwohnhaus würde man hier auf Anhieb vielleicht nicht erwarten. Auch wenn die Industrialisierung im Ort durchaus Spuren hinterlassen hat, sind insbesondere die Ränder noch immer ländlich geprägt. Zum Teil reichen die Felder und Anbauflächen bis tief ins Siedlungsgebiet. So auch in der Meierhofstrasse, die östlich nur noch Bahnlinien und eine Straße vom Zürichsee trennt, und wo rückwärtig die Reben stehen. Hotz Partner (Wädenswil) haben an dieser Stelle im Direktauftrag einen zweiteiligen Neubau mit studentischen Mehrzimmerwohnungen entworfen und umgesetzt.

Dessen Notwendigkeit an genau diesem Ort wird nachvollziehbarer, wenn man die Bauherrschaft näher betrachtet. Entstanden ist das Projekt für die Stiftung Technische Obstverwertung, die Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) unterstützt. Unter anderem kann man in Wädenswil nämlich Agrarökologie studieren, was wiederum auf eine lange Tradition beispielsweise als Standort der Weinbauforschung zurückgeht. Und das erklärt eben auch die Reben hinter dem Haus, die heute allerdings zum eigenständigen Weinbauzentrum Wädenswil gehören. Einige Gebäude der ZHAW stehen wiederum unmittelbar nördlich des Baugrundstücks.

Aber zurück zum Studierendenwohnhaus, das sich auf gelungene Weise von zwei Seiten präsentiert. Vom Ufer aus gesehen ragen die beiden hölzernen Baukörper über einem gemeinsamen Sockel steil auf. Die Lage am Hang, die trapezförmige Front des vorderen Hauses ebenso wie die mineralische Ausgestaltung des Sockels lassen dabei an alpine Bauformen denken. Dieses Bild ändert sich jedoch auf der Rebenseite. Vorgesetzte Veranden und Balkone sowie die Geschossstaffelung insbesondere des länglichen Baus vermitteln hier den Eindruck einer leichten Gartenarchitektur. Die Form des Kopfbaus bezieht sich laut Architekt*innen übrigens auf eine alte Scheune, die zuvor an dieser Stelle stand.

Die frühere Scheune erklärt auch den Nutzungsmix des Ensembles. Einerseits werden Wohnungen für jeweils vier Studierende geboten, die sich neben Einzelzimmern auch an einem zentralen, teils durchgesteckten Küchen- und Aufenthaltsbereich erfreuen können. Und andererseits finden im Sockel ebenso wie im Erdgeschoss des Kopfbaus noch Funktionen des Weinbauzentrums Platz. Es entstanden 16 größere Wohnungen und zehn Studios für insgesamt 64 Studierende.

Mit Blick auf die Innenräume des Holz-Beton-Hybridbaus sprechen die Architekt*innen von „Behaglichkeit mit Analogien an historisch bekannte Stimmungen und Ausdrucksweisen“. Es gibt glatten Sichtbeton, aber eben auch warme Terrakottafliesen und Holzoberflächen. Zusammen mit der dezidiert modernen Möblierung der Aufenthaltsbereiche lässt dies tatsächlich an Vorbilder der 1960er- und 1970er Jahre denken. (sb)

Fotos: Jürg Zimmermann


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