Unternehmerische Nestwärme
Studentisches Wohnen in Rostock von PAC
Nestwärme und Unternehmertum – das sind nicht unbedingt Begriffe, die man spontan zusammendenken würde. Doch mit exakt diesem Begriffspaar wirbt das Student*innenwohnheim Studinest in Rostock für sich, das die Berliner PAC – Project Architecture Company letztes Jahr abschließen konnte. Initiatorinnen und Bauherrinnen des Projekts sind Uljana Hoffmann und Galina Koch, die sich mit ihrem Konzept erfolgreich bei der Stadt bewarben, als diese für das innerstädtische Grundstück an der Ecke Am Vögenteich/August-Bebel-Straße eine Nutzung suchte.
Im ersten Halbjahr 2016 fand ein Realisierungswettbewerb statt, auf dessen Basis PAC ab Anfang 2018 bauten. Für 7,1 Millionen Euro brutto (KG 300–400) entstanden gut 6.100 Quadratmeter BGF bzw. 2.920 Quadratmeter Wohnfläche. Das Projekt bietet 62 1-Zimmer-Studios mit 26 bis 35 Quadratmeter Fläche und zehn 2-Zimmer-Apartments, die je 60 bis 68 Quadratmeter groß sind. Die Mietkosten beginnen bei 400 Euro, die größten Apartments kosten 870 Euro pro Monat.
Geboten werden außerdem ein Co-Working-Bereich, ein Wohnzimmer mit Dachterrasse, ein Fitnessraum sowie ein Waschsalon mit Tischtennisplatte. Hinzu kommt ein studentischer Verwaltungsraum, denn trotz privatwirtschaftlicher Initiative ist das Wohnheim im Betrieb ein Mieter*innenverein, der sich selbst organisiert und dessen Bewohner*innen zum Beispiel auch die Reinigungsarbeiten oder den Winterdienst selbst übernehmen.
PAC realisierten zwei Baukörper mit einer vorgehängten Fassade aus Faserzementplatten in Weiß und Grau. Ein knalliges Gelb an Durch- und Eingang sowie den Lüftungsauslässen setzt Akzente. In den Gemeinschaftsbereichen wurden die Oberflächen roh und die technischen Installationen sichtbar belassen. Zwischen den beiden Häusern entstand ein großzügiger Hofbereich, den PAC mit kreisförmigen Elementen gestalteten.
Doch was hat es nun mit „Nestwärme und Unternehmertum“ auf sich? Laut Betreiber*innen soll die besondere Betriebsform das Gemeinschaftsgefühl stärken und – in Kombination mit den gut ausgestatteten Wohneinheiten – Nestwärme schaffen. Dieses Kerngeschäft des Wohnheims geht einher mit der expliziten Programmatik, dass Studinest „das Wachstum des Unternehmertums Deutschlands unterstützen und nachhaltig für das Unternehmertum begeistern“ möchte, indem das „Handwerkszeug des Unternehmers“ gefördert wird – etwa durch Bildungsangebote oder Veranstaltungen.
Über diese Haltung will man vermutlich ein entsprechendes Milieu als Mieter*innen gewinnen, wobei Bauherrin Hoffmann vor zwei Jahren in der Ostsee-Zeitung betonte, dass nicht nur Wirtschaftsstudent*innen angesprochen werden sollen. Die Zukunft wird zeigen, ob Studinest dereinst als wichtiger Ort der Rostocker Gründer*innenszene gelten wird. (gh)
Fotos: bullahuth, Matthias Tasler (Luftbilder)
dann kann man die rechenergebnisse reinschreiben!
sinnvoll.
in den texten eher verwirrend-gedankenstriche sind es ja eher weniger.....
Die Höhe von Angebotsmieten im Bestand errechnet sich weniger aus bauzeitlichen Daten oder der Qualität der Bausubstanz der Immobilie, sondern zunächst einmal vor allem aus dem sogenannten "Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage", das ganz wesentlich über das privatwirtschaftliche Verwertungsmonopol auf Grund und Boden und die Wohnungsversorgungsquote in einer Stadt "reguliert" wird.
Mit den "vielen noch genutzten Plattenbauwohungen" hat der niedrige durschnittliche Mietpreis von 6,25 euro / m2 in Rostock schon deswegen wahrscheinlich weniger zu tun, als sie annehmen. Oder können Sie Ihre Ausage mit Zahlen belegen?
Es gibt dafür aber noch einen anderen Grund. Im qualifizierten Mietspiegel der Stadt Rostock heißt es:
"Der neue Rostocker Mietspiegel berücksichtigt (...) Mieten, die in den letzten sechs Jahren, vom 01.10.2014 bis zum Stichtag 30.09.2020, vereinbart oder verändert wurden". D.h. die Altmietverträge in den von Ihnen angeführten "noch genutzten Plattenbauwohnungen" gehen in die Berechnung gar nicht mit ein. Es sei denn da gab es in den letzten sechs Jahren eine Riesenfluktuation. Eher anzunehmen ist jedoch eine nach wie vor günstige Versorgungsquote an Wohnungen. Die Studierenden scheinen also noch nicht auf so einen Quatsch wie das hier präsentierte Projekt angewiesen zu sein, für das neben einer saftigen Miete auch noch Arbeitskraft kapitalisiert wird.
Ihre "Modellrechnung" verrät übrigens sehr schön, dass es günstiger geht - kommt eben ganz drauf an, wer das entwickelt und zu welchem Zweck. Dieses Projekt ist also tatsächlich ein Nischenmodell für eine bestimmte Zielgruppe, wie am Ende der Meldung schön dargestellt wird.
Also rechnen können Sie schon mal, ganz fein gemacht.
Aber halten Sie über 15,- Euro/qm für studentisches Wohnen in Rostock deswegen automatisch für angemessen oder gar für günstig? Würde mich ehrlich interessieren.