Anregungen und Bedenken
Stella stellt Schlosspläne in Berlin vor
Am heutigen Mittwoch um 19 Uhr lädt die „Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum“ zu einem Werkstattgespräch in das Audimax der Humboldt-Universität ein. Darin wird der Wettbewerbsgewinner Franco Stella seine fortgeschrittenen Planungen und Neuerungen für die „Humboldt-Forum“ genannte Rekonstruktion des Berliner Schlosses vorstellen, die sich seit seinem Wettbewerbsgewinn 2008 ergeben haben.
Die Stiftung, die als Bauherr für das Projekt fungiert, stellte ihre Planungen bereits heute der Öffentlichkeit vor, da sie – nach eigenen Angaben – mögliche Streitpunkte frühzeitig ausräumen und „Anregungen und Bedenken“ der Berliner berücksichtigen möchte. Im Herbst 2011 soll dann der Bauantrag eingereicht werden.
Bei der Veranstaltung heute wird Stella vor allem auf die Innenraumplanung sowie das Zusammenspiel von zeitgenössischen und historisierenden Fassaden der Innenhöfe der Agora und des Schlüterhofs eingehen. Im Rahmen dessen wird Stella das zweite und dritte Rendering rechts zum ersten Mal der Öffentlichkeit zeigen.
es wird von identität und kulturellem erbe gesprochen - desswegen braucht es das schloß - und dann soll da die sammlung für außereuropäische kulturen rein...nichts gegen außereuropäische kulturen aber das zeigt doch deutlich, dass es bei dem bau wirklich nicht um den zweck geht sondern letztendlich formalismus ist oder?
Sicher, die neuen Bilder sind wenig inspiriert, und auch der Vorwurf, deutsche Provinzarchitektur wiederzuerkennen, sicher nicht ganz unbegründet.
Dennoch muss man zurücktreten und sich überlegen, welch herkulische Aufgabe dieser Mann übernommen hat und welche Interessensvertreter von allen Seiten auf ihn versuchen einzuprügeln. Da sind einmal die reaktionären Wiederaufbaufreunde. Dann die chronischen Neinsager, die das Geld lieber woanders verbaut sähen. Schliesslich ein Ruder zukünftiger Nutzer mit einem mehr oder weniger diffusen Raumprogramm.
Dabei kann, sorry to say that, keine grosse Architektur herauskommen. Herr Stella giesst das Ganze in eine relativ sachlich-kühle Architektursprache und geht damit unter den gegebenen Umständen vielleicht einzig gangbaren Weg. Wünschenswert wäre sicher etwas Anderes gewesen.
mich würde eine debatte interessieren, die sich nicht an stilfragen der fassade festmacht. wie verhält sich das humboldforum als baukörper im stadtraum und erzeugt es tatsächlich einen mehrwert?
bild 2 zeigt zunächst mal einen athmosphärischen raum. ich kann mir gut vorstellen, dass hier durchaus öffentlichkeit stattfinden kann. bild 3 tut insofern gut, als dass sich hinter der fassade das gebäude als struktur von heute offenbart. kann da nicht viel kritikwürdiges entdecken.
aber wie ist das mit dem stadtraum? ist dieser sehr wuchtige, ungegeliederte baukörper wirklich eine verbesserung der städtebaulichen situation im gegensatz zum gescholtenen palast der republik? die kopflastigkeit der kuppel stört ebenfalls, jedenfalls aus dieser perspektive.
es wäre doch mal interessant zu hinterfragen ob die alten preussen da wirklich einen guten entwurf gemacht haben damals, der sich lohnt wieder aufzubauen? oder ist nicht schon das original nicht so gelungen?