Wohnen und Arbeiten an der Brauerei
Steimle planen in Berlin-Moabit
Von der namensstiftenden Spree führt die Stromstraße quer durch den Berliner Stadtteil Moabit bis hin zur Putlitzbrücke, die über die Ringbahntrasse in den benachbarten Wedding führt. Dabei wird die vielspurige Straße von höchst unterschiedlichen Bauten gesäumt, die verschiedenen Baufluchten wie auch divergierenden architektonischen Ansprüchen folgen. In Folge von Kriegszerstörungen besonders ungeordnet zeigte sich lange Zeit der Abschnitt nördlich der Turmstraße. Nachdem die einstige Brauerei auf der östlichen Straßenseite in eine Shopping Mall umgewandelt wurde, liegen nun auch Pläne für das gegenüberliegende Areal vor. Auf der Fläche, die bislang hauptsächlich als Parkplatz genutzt wird, soll neben einer ehemaligen Hertie-Filiale ein Wohn- und Geschäftshaus nach Plänen von Steimle Architekten entstehen. Dabei war dem Entwurf in einem bereits etwas zurückliegenden Wettbewerb der Vorzug vor den Beiträgen der Berliner Büros Eike Becker Architekten und Staab Architekten gegeben worden.
Während ein dreigeschossiger Nachkriegsbau für das neue Gebäude weichen soll, sieht der Entwurf den Erhalt des denkmalgeschützten Hauses in der Stromstraße 61 vor. In den Neubau integriert, wird die Traufhöhe des 1866 entstandenen Baus zunächst zweigeschossig fortgeführt, um jenseits davon auf sieben Etagen anzuwachsen. Obwohl nach Nord wie Süd die gleiche Betonfertigteilfassade anschließen wird, soll eine differenzierte Höhenentwicklung den unterschiedlichen Kubaturen der angrenzenden Bauten Rechnung tragen. Mit neun Geschossen und einer Höhe von 32 Metern soll das geplante Wohn- und Geschäftshaus insgesamt als Dominante in Erscheinung treten. Gegenüber dieser entschlossenen Geste mutet die Entscheidung, die Einzelhandelsflächen auf den untersten beiden Geschossen an der südöstlichen Ecke spitzwinklig zurückzuschneiden, um der Rechtsabbiegerspur Rechnung zu tragen, ausgesprochen pragmatisch an.
Differenzierter nimmt sich der Hofbereich des l-förmigen Baukörpers aus. Anders als die Wohnungen, die im Eckbereich oberhalb zweier Büroetagen das vierte bis achte Geschoss einnehmen und über Laubengänge erschlossen werden sollen, führen überwiegend konventionelle Treppenhäuser in die drei abgetreppten Trakte, die, Seitenflügeln gleich, vom straßenbegleitenden Bauteil nach Westen vorstoßen. Da das Gros der Wohnungen, von denen ein Viertel förderbar sein soll, entweder zur Turm- oder zur Stromstraße orientiert sein wird, sind alle Einheiten durchgesteckt konzipiert und damit auch zum Blockinneren orientiert, das von einem Gehwegenetz durchzogen werden soll. Zu welchen Zeiten diese Fußgängerpassagen auch denjenigen offenstehen werden, die nicht vor Ort wohnen oder arbeiten, ist derzeit allerdings noch Gegenstand von Verhandlungen mit dem Bezirk Berlin-Mitte.
Text: Achim Reese
Es gibt für den Investor nur Ausnahmen.
Das nennt sich in Mitte dann Stadtplanung.
z.B. 4-geschossige Grenzbebauung wie in der Gründerzeit.
Die ausführlichen Begründungen des B-Planentwurfs II-7b-1VE räumen alle Hindernisse, die seine Genehmigungsfähigkeit behindern, aus dem Wege wie:
GRZ 1,0 ; GFZ 4,4 ; Abstandsflächen zu Nachbarn, wie auf eigenem Grundstück ; Grenz-bebauung., Feuerwehrzufahrten ...
Grundlage der Begründung sind lediglich Ausnahmeregelungen für Innenstadtlage, Kerngebiet, Wohnbedarf ...
Es entsteht dabei der Eindruck, daß die Stadtplanung kein eigenständiges Programm, keine Vorgabe hat, sondern daß sie die im Wege liegenden Steine überspringt und dem vorhabenbezogenen B-Plan folgt und zu ihren eigenen Zielen macht.
Auch in der Stadtgestaltung gewährt sie dem Investor eine turmartige Erhöhung von der Turmstraße aus, die jedoch in der Stromstraße zu einer straßenbegleitenden Erhöhung führt. Alles, weil das Grundstück teuer ist und dem Investor gefolgt wird. Eine inhaltliche , nutzungsbezogene Erhöhung liegt hier nicht vor , auch keine stadtbildnerische Notwendigkeit , wenn ich mit der Schultheiss-bebauung vergleiche.
Bei einigen in letzter Zeit gebauten Wohnungen hat man den Eindruck, das sind eigentlich nur Schlafnischen. "Wohnzimmer" (und andere Räume) ist die umgebende Stadt. Die "Wohnung" für sich allein funktioniert eigentlich gar nicht mehr. Wenn nun während des "Lockdowns" alles andere geschlossen ist, geht dieses Konzept nicht mehr auf.
Selbst wenn das alles vielleicht in ein paar Jahren vorbei ist, sollte man doch mal wieder über den Wert der eigenen Wohnung nachdenken.
Die Zeiten des Sichtbeton sind vorbei und was die Nachhaltigkeit angeht, sollte mittlerweile jedem klar sein, das Beton nicht die Lösung ist. Hier wird eine Betonstruktur Außen auch noch mit Beton als Fassade verkleidet - na Glückwunsch
Corona gibt uns die Zeit nochmals darüber nachzudenken und am Ende wird es vielleicht nicht gebaut. Ein Glück sind die abgetreppten Bauteile im Hof.
Manchmal hilft es nicht alles so willenlos zu erfüllen.
Es lässt alles vermissen, was einen glauben lässt hier wurde über ein Konzept nachgedacht.