Puzzeln am Berliner Funkturm
Start des Masterplans für den Stadteingang West
Ein wichtiger Planungsschritt am Stadteingang West in Berlin ist geschafft: Letzte Woche gab die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bekannt, dass das Team Hosoya Schaefer Architects (Zürich) und Agence Ter.de (Karlsruhe) mit der Erarbeitung eines Masterplans für das Gebiet am Autobahndreieck Funkturm beauftragt wurde.
Die Beauftragung ist der Abschluss eines seit Ende 2022 laufenden „Vergabeverfahrens im wettbewerblichen Dialog“ für das prominente und herausfordernde Areal, das sich entlang der Avus zwischen S-Bahnhof Grunewald im Süden und dem Internationalen Congress Centrum ICC im Norden erstreckt. Perspektivisch soll hier ein circa 45 Hektar umfassendes, mischgenutztes Stadtquartier entstehen. Um ein geeignetes städtebauliches Konzept zu finden, auf dessen Basis wiederum der nun beauftragte Masterplan erarbeitet werden kann, führte die Senatsverwaltung ein zweiphasiges Verfahren nach § 18 Abs. 6 VgV mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb und „umfangreichen Beteiligungsprozessen“ durch.
Die planerischen Herausforderungen am Stadteingang West sind gewaltig, denn das Areal wird von massiven, komplex verschlungenen Infrastrukturen dominiert. Neben umfangreichen Gleisarealen samt zweigeschossigem Kreuzungsbahnhof Westkreuz, liegt hier das Autobahndreieck Funkturm. Dessen kompletter Umbau mit neuer Straßenführung in den nächsten Jahren ist Grundlage der projektierten Quartiersplanung. Stadtplanung bedeutet in diesem räumlichen Kontext nicht zuletzt, neben und zwischen Gleise und Straßen angemessene Nutzungen hineinzupuzzeln und mit Brücken Verbindungen über die diversen Verkehrsschneisen hinweg zu schaffen.
Über das Konzept der beauftragten Büros Hosoya Schaefer und Agence Ter.de schreibt die Senatsverwaltung: „Das Planungsteam hat mit einer flexiblen Grundstruktur ein robustes Gerüst für die Ausbildung von Quartieren erarbeitet, das sich baulich und räumlich an den lokalen Bedingungen der einzelnen spezifischen Planungsbereiche orientiert. Mit der Setzung von Hochpunkten wurde ein Auftakt im Planungsgebiet als Stadteinfahrt formuliert und der S-Bahnhof Westkreuz als Hochhauscluster konzipiert. Die Bereiche des ehemaligen Güterbahnhofs Grunewald und des Reitschulgeländes sind als Quartiere mit Vorrang für Wohnen und Einrichtungen sozialer Infrastruktur angedacht; die Flächen in der Nähe der Messe Berlin als neuer Logistikstandort und moderate Erweiterung für messeaffine Nutzungen.“
Neben dem nun beauftragten schweizerisch-deutschen Team waren in der sogenannten Dialogphase II die Büros asp Architekten (Stuttgart), gmp International (Berlin) und Henning Larsen Architects (Kopenhagen) beteiligt. An der Dialogphase I beteiligten sich noch vier weitere Teams, nämlich die beiden Kopenhagener Büros ADEPT und Cobe, Ortner & Ortner Baukunst aus Berlin sowie das Team De Zwarte Hond (Köln) und RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten (Bonn).
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) betont vor dem Hintergrund der aktuellen Entscheidung, dass es sich beim Stadteingang West um ein „Generationen-Projekt“ handle und man noch ganz am Anfang stehe. Der nun beauftragte Masterplan bildet die Grundlage für das notwendige Planungsrecht. Angaben zu Flächen und Zeithorizont wurden zum jetzigen Zeitpunkt dementsprechend noch nicht gemacht. (gh)
Auf den Webseiten der Senatsverwaltung gibt es ausführliche Informationen zum Verfahren und eine Übersicht aller Beiträge der beiden Dialogphasen.
Das von Infrastrukturen dominierte Areal rund um den S-Bahnhof Westkreuz war 2017 Gegenstand des Schinkelwettbewerbs für Studierende und junge Absolvent*innen, den der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin AIV jährlich organisiert.
Einzig erkennbarer Versuch ist die vertikale Markierung der S-bahn Westkreuz beim Gewinner. Stadteingang ist eine edle Disziplin und wird meist bewältigt durch Grünfassung. Hier der Grunewald im ganz großen Maßstab. Um so spannender dieser Drehpunkt. Hier befindet sich in Paris "La Defense". Die Hochhausmarkierung am Endpunkt der City als Fernorientierung und Topos sämtlicher Konzerne.
Für mich hat das ganze Gelände einschließlich des verwunschenen Bahnhofs Westkreuz mit seinem einzelnen, ins Nichts führenden Ausgang etwas Märchenhaftes. Warum muß das unbedingt nach rationalen Kriterien entseelt werden?
ich hoffe der Wahnsinne wird erst angefangen, wenn die jetzige Infrastruktur so richtig durch ist. Macht m.E. nur dann Sinn, einen Spaghetti-Brückenteller gegen einen etwas kleineren Spaghetti-Brückenteller auszutauschen. Ansonsten könnte man das Geld gut an anderem Ort verbuddeln. Ich sage nur: SEZ. Am besten ist aus meiner Sicht allerdings, so lange zu warten, bis sich die Sache mit dem Individualverkehr und den wahnsinnigen LKW-Transporten aufgrund der horrenden Sprit-Kosten in Verbindung mit unzureichender Stromversorgung von selber erledigt. Das birgt die Chance, nur noch einen Spaghetti-Kinderteller neu bauen zu müssen... Ich vertraue da auf die Berliner Lamorjanz. Das wird schon. Schön langsam. Danke.