Platzfolge
Städtebau zur Erweiterung des Jüdischen Museums in Berlin
Gestern haben wir die Architektenpläne für die Erweiterung des Jüdischen Museums in Berlin von Daniel Libeskind (New York) gezeigt (siehe BauNetz-Meldung). Heute stellen wir die städtebauliche Einbindung des Bauvorhabens und die Gestaltung des Umfeldes nach Plänen des Berliner Büros bbzl - böhm benfer zahiri vor.
Die Erweiterung des Jüdischen Museums JMB um ein Akademiegebäude in der Blumengroßmarkthalle soll gegenüber des Museums an der Lindenstraße entstehen. Der Standort zwischen dem Kollegienhaus und der Friedrichstraße liegt städtebaulich am Übergang zwischen Köpenicker Vorstadt und südlicher Friedrichstadt. Diese beiden Stadtbereiche sind in ihrer Struktur und Entstehungsgeschichte verschieden.
Dabei kann der Stadtgrundriss entlang der Lindenstraße als Verstädterungsprozess ehemaliger landschaftlicher Strukturelemente gelesen werden: Der Verlauf der Lindenstraße als Wegeverbindung ins Umland und der Erhalt der landwirtschaftlichen Parzellierungsrichtung sind hier auch heute noch prägende Merkmale. Die südliche Friedrichstadt entstand dagegen innerhalb eines geplanten Blockrasters, das als Fortschreibung des Ordnungsmusters der Dorotheenstadt von Philipp Gerlach ab 1732 geplant wurde. Übergänge und Richtungswechsel zwischen beiden Strukturen betonte Gerlach durch öffentliche Bauten wie das Kollegienhaus als Point-de-Vue (Blickfang). Dessen übergeordnete Bedeutung blieb auch in den weiteren Überformungen des Gebiets wie beispielsweise durch die IBA der 1980er Jahre erhalten.
Die städtebauliche Konzeption von bbzl knüpft hier an: „Es sieht zwischen Friedrichstraße und Kollegienhaus eine Platzfolge vor. Vor dem Erweiterungsbau des JMB entsteht ein neuer Eingangsplatz, der sich zum Kollegienhaus und dem Libeskind-Bau öffnet. Der Übergang zum Besselpark wird durch eine zweite kleinere Platzfläche betont. In seiner Fortsetzung ist eine Querung des Parks zur Friedrichstrasse vorgesehen. Der historische Standort des Preussischen Normal-Höhenpunktes an der Schinkelschen Sternwarte soll gekennzeichnet werden.
Die Großmarkthalle erhält an drei Seiten eine bauliche Umfassung. Mit ihrer Mischung aus Wohnen, Geschäften und Büros ergänzt sie die Nutzungsvielfalt des Standortes. Die Randbebauung bleibt zunächst typologisch offen, um Anpassungen an künftige Nutzervorstellungen zu ermöglichen. Um die beabsichtigte Raumwirkung im Bereich der Platzfolge zu sichern sind städtebauliche Festsetzungen wie Baulinien und Bauhöhen vorgesehen. Das Areal um den Blumengroßmarkt liegt derzeit versteckt und ist nicht zugänglich. Das städtebauliche Konzept bietet die Chance den Standort künftig wieder stärker in das umgebende Stadtgefüge zu integrieren und als öffentlichen Raum zu beleben.“
Ich sehe Bauklötzchen mit Flachdach und Rastermuster in den Fassaden. Mein dreijähriger Sohn malt Häuser auf diese Weise. Muß man dafür Architektur studieren? Wie wohltuend ist hingegen der Anblick des gegenüberliegenden Kollegienhauses. Die Farblosigkeit der "zeitgenössischen" Architektur ist scheinbar grenzenlos...
Gerade da man sich in der Hauptstadt ansonsten meist zwischen den Polen aus autogerechtem Abstandsgrün und rastergedachtem Rechteckplatz bewegt! Die Anwohner dürfen sich freuen.
"Die Großmarkthalle erhält an drei Seiten eine bauliche Umfassung." und wird dadurch gleichzeitig eine Sackgasse von der Lindenstraße aus, die nur vom Jüdischen Museum genutzt wird. Ein Sicherheitsstreifen von 10 - 20 m zu der wahnsinnig interessanten Mischung aus Wohnen, Büros und Geschäften (welche am Besselpark?) schirmt die Blumengroßmarkthalle ab. Die Durchwegung des Blocks von der Lindenstraße zur Friedrichstraße erfolgt über einen Park oder über einen bisher schon bestehenden kleinen Gehweg, die Fontane-Promenade. Die Häuser rund um die Blumengroßmarkthalle scheinen in den Schaubildern immer höher (im B-Plan ursprünglich mal 2-5-geschossig geplant) und monotoner zu werden, was wohl Urbanität vortäuschen soll angesicht der zukünftig in sich gekehrten und abgeschirmten Nutzung in der im Bild immer kleiner erscheinenden der Blumengroßmarkthalle. Was ist der Gewinn für die Bewohner der Südlichen Friedrichstadt - mehr Touristen?
"am besten der Abriss der niedrigen Rondellbebauung" ist ja interessant, dass Sie mal wieder die Alteingesessenen bzw. Bewohner vom Mehringplatz vertreiben wollen, die in den 70er Jahren aus den Altbauquartieren und Abrissquartieren von SO36 hierher umgezogen sind oder die später den Mehringplatz wegen seiner Qualitäten - städtische Ruhe, gute Wohnungsgrundrisse, optimale ÖPNV-Anbindung - bewusst als ihren Wohnort gewählt haben.