Kölner Schauspielhaus
Stadtrat bewilligt Neubau
Mit einer Entscheidung des Kölner Stadtrats in der Nacht zum 19. Dezember 2009 hat sich ein jahrelanger Diskussionspunkt der Kölner Baupolitik zu einer Kompromiss-Lösung hin bewegt: Der Stadtrat entschied sich für den Neubau des Schauspielhauses und die Sanierung der Oper nach Plänen von JSWD Architekten (Jaspert Steffens Watrin Drehsen, Köln) und Chaix & Morel (Paris) und bewilligte dafür 295 Millionen Euro.
Im Juni 2008 hatten diese beiden Büros den 1. Preis im Wettbewerb um den Neubau des Kölner Schauspielhauses belegt (siehe BauNetz-Meldung). Der Entwurf sieht die Sanierung des denkmalgeschützten, ab 1957 nach Plänen von Wilhelm Riphahn errichteten Opernhauses sowie den Neubau des Schauspielhauses vor. Das bestehende Schauspielhaus aus dem Jahr 1962, ebenfalls von Wilhelm Riphahn, wird abgerissen. Kritiker sehen darin die Teilzerstörung eines zusammengehörigen, hochrangigen Ensembles der Nachkriegsarchitektur. Ursprünglich war sogar diskutiert worden, auch das markante Opernhaus abzureißen (siehe BauNetz-Meldung vom 8. Oktober 2004).
Der Rat folgte damit der Vorlage der Verwaltung, die eine abgespeckte Version des ursprünglichen Siegerentwurfs für das Opernquartier vorsieht. Zudem werden das externe Produktionszentrum und der externe Orchesterprobensaal saniert.
Von Sommer 2010 an ziehen Oper und Schauspiel in Ausweichquartiere. Die Interimszeit soll bis 2014 dauern.
Abgesehen von der Herstellung einer angemessenen räumlichen Präsenz und zeitgemäßer Produktionsbedingungen für Theater wie Oper verfolgt der Entwurf auch das städtebauliche Ziel der Aufwertung des Gesamtensembles Offenbachplatz mit Ausstrahlung in den angrenzenden Innenstadtbereich. Die bisherige „Hinterhoflage“ des Schauspiels zählte neben deren maroden technischen Zustand zu den Hauptgründen für die Auslobung des Wettbewerbs.
Das Theaterhaus selbst wird von einer zweischichtigen Vorhangfassade umschlossen. Im Inneren führt eine großzügige Treppe von der Platzebene zunächst ins Hauptfoyer – und von dort weiter zu den einzelnen Sälen. Dieser Weg der Besucher durch die Ebenen und ihre wechselnden Ausblicke ist für die Architekten Teil des Theatererlebnisses und der Inszenierung des halböffentlichen Raumes.
Sorgsame Pflege des Bestandes scheint in jeder Hinsicht unattraktiv zu sein, - müheloser und gleichzeitig Prestige-trächtiger wird hier über Neubau, Neupflanzung, Neuanlage gesprochen.
Der Bestand an vitalem und immobilem Gut scheint den (Un-)Verantwortlichen wertlos zu sein.
Administrativer Vandalismus ist überall festzustellen und wiederholt sich.
Nix gelernt aus alten Löchern, schnell sind neue gegraben. Bis der Abgrund tief genug ist und die ganze Stadt endlich in der Bedeutungslosigkeit versinkt.
300 Millionen also. Das ist ein Wort. 300 Millionen Euro will die Stadt Köln in den Neubau ihres Schauspielhauses investieren. 300 Millionen Euro, die die Stadt nicht hat und nie haben wird. Das offizielle Köln jubelt trotzdem über diese Investition in die Kultur, gerade in den Zeiten der Krise und der leeren kommunalen Kassen. Seht her, scheint der Stadtrat zu rufen, uns ist nichts zu teuer für die Kultur.
Sicherlich setzt Köln mit dem Beschluss für einen 300-Millionen-Euro-Theaterbau ein Zeichen. Die Frage ist nur: Was für eines?
Zunächst einmal zeigt der Neubaubeschluss, dass es teuer ist, an der falschen Stelle zu sparen: Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat die Stadt Köln ihre Bühnen verlottern lassen, indem sie die Instandhaltung der Gebäude auf das Minimum reduziert hat. Die Oper ist deswegen ein absurd teurer Sanierungsfall, das Schauspielhaus soll ganz fallen und dem Neubau weichen. Das wiederum ist ein Zeichen für städtebauliche Geschichtsvergessenheit: Schauspiel und Oper der Stadt Köln bilden zusammen ein architektonisches Ensemble, das geradezu idealtypisch für den Baustil der späten 50er und frühen 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts steht.
Wilhelm Riphahn, der Architekt beider Häuser, gehörte zu den großen Baumeistern der Nachkriegszeit, er hat das Gesicht seiner Heimatstadt Köln nach dem Krieg maßgeblich geprägt. Seine Bauten sind Zeugnisse einer wichtigen Epoche der deutschen Architektur. Schon deswegen ist der Abriss seines - im übrigen denkmalgeschützten - Schauspielhauses aus dem Jahre 1962 bedenklich. Katastrophal aber sind die Pläne für den Neubau, der sich deutlich über die Riphahn-Oper erheben, sie vermutlich erdrücken wird.
Der Teilabriss des Riphahn-Ensembles ist ungefähr dasselbe, als würde das Berliner Abgeordnetenhaus beschließen, die Kongresshalle im Tiergarten, das heutige Haus der Kulturen der Welt, zu sprengen und durch einen gesichtslosen Neubau zu ersetzen.
Zum anderen stellt Karin Baier, die Intendantin des Kölner Schauspielhauses, die nicht unberechtigte Frage, wie viel Geld ihr am Ende wohl für den Spielbetrieb bleiben wird, wenn der 300-Millionen-Euro-Bau dereinst steht. Denn selbst die Wohlmeinendsten ahnen, dass der Kulturbetrieb seinen Prachtbau zumindest in Teilen selbst finanzieren muss - durch Etat- und Personalkürzungen bei den städtischen Bühnen beispielsweise. In diesem Fall würde das neue Kölner Schauspielhaus zur Potemkinschen Fassade, deren Glitzern von der nackten Not dahinter ablenken muss.
Hätte sich die Stadt Köln wirklich zur Kultur, zu den darstellenden Künsten und zu ihrer eigenen Architekturgeschichte bekennen wollen, dann hätten die Ratsdamen und -herren den Neubau ablehnen, das Riphahn-Ensembel sanieren lassen und eine Garantie für den Etat von Schauspielhaus und Oper abgeben müssen. Sie haben es nicht getan. Das ist kein gutes Zeichen.
Es sollte auch bei den Ratsherren angekommen sein, dass Pseudeo-Glanz-Bauten auf pump aus der Mode gekommen sind. Viel mehr Anerkennung lässt sich mit klugem Bestandserhalt und wirklichem Haudshalten, sprich verbessern von dem, was man hat, erreichen, statt immer nur phantasielos neu zu kaufen, was man sich eh nicht leisten kann.
Liebe Ratsherren, zu welchem Club wollt Ihr mir dieser Entscheidung gehören? Zu den Großmannssüchtigen, denen Fassade mehr bedeutet, als Inhalt? Die dann (zu Recht) doch nur Opfer der schlaueren Geschäftemacher werden? Oder wäre es nicht besser, sich einen Namen zu machen als umsichtig Handelnde, die sich das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen durch vorgeschobene Argumente von denen, die wirklich profitieren. Das sind sicher nicht die Bürger der Stadt Köln, denen an allen Ecken Einsparungen zugemutet werden! Haben wir etwa einen neuen StaTT-Rat gewählt anstelle eines StaDT-Rates?
Kann mal jemand Peter Zwegat anrufen, wegen [...] Schuldenmachens seitens der Ratsherren????
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