Roter Sandstein, rostroter Beton
Stadtmuseum in Lahr von Heneghan Peng
Treppenhäuser sind nur ein Element der Erschließung, nicht mehr als der Weg von einem Stockwerk ins nächste. Das könnte man sagen. Wenn also das Stadtmuseum in Lahr, das sich seit kurzem in einer historischen Tonofenfabrik befindet, im Rahmen der notwendigen Umbauarbeiten ein neues Treppenhaus bekommt, muss man zunächst mal keine große Sache erwarten. Heneghan Peng Architects aber zeigen, wie man mit einem simplen Stiegenturm ein ganzes Gebäude vielschichtig ändern kann. Die Architekten mit Sitz in Dublin und Berlin waren auch für die Transformation des übrigen Gebäudes verantwortlich, die Ausstellungsgestaltung stammt von MuseoConsult und Studio Kernland.
Außen setzt die zeitgenössische Ergänzung einen starken Akzent in der Lahrer Innenstadt. Aus pigmentierten Betonfertigteilen mit profilierter Oberfläche haben die Architekten für den neuen Erschließungsweg des Museums einen ungewöhnlichen Anbau in einem rostigen Rot entwickelt. Schmal wächst der Annex über das Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert hinaus, um mit der Kontur des Treppenlaufs abrupt abzuschließen. In Form und Material ist der Bau eigenständig, das Rostrot des Betons aber führt die Färbung des Sandsteins der alten Mauern weiter. Fensterbänder markieren den Lauf der Treppe als scharf geschnittene Öffnungen in der Fassade.
Im Inneren des Treppenhauses haben Heneghan Peng Architects die Betonfertigteile roh belassen und mit Einbauten aus dunkelroten Metall kombiniert. Im Kontrast dazu sind der große Haupteingang sowie bodentiefe Seitenfenster im Erdgeschoss des Altbaus mit anthrazitfarbenen Einbauten versehen. Diese neuen Durchbrüche sollen den alten Fabrikbau zur Straße öffnen und die Aktivitäten des Museums im öffentlichen Raum sichtbar machen – die Gestaltung der Umgebung stammt vom Büro AG Freiraum. Dank des Treppenhauses ließ sich der Zugang zum Stadtmuseum repräsentativ zur Straße verlegen, was eine wichtige städtebauliche Bedingungen für die Umnutzung des Gebäudes war. (sj)
Fotos: Thomas Bruns, Ute Zscharnt
Von Rosenrot bis Kaminrot – noch mehr Beton in der verbotenen Farbe gibt es in der Baunetzwoche#463. Und über die Treppe und ihre Kulturgeschichte kann man einiges in der Baunetzwoche#417 lesen.
"herzi und mausi"....herrlich! der treppenturm für sich allein genommen, quasi als skulptur, sehr gut! aber wie kann man so unsensibel dem altbau die show stehlen? ich empfinde den entwurf als selbstdarstellung der architekten, nach dem motto "nur wer dem gebäude seinen stempel aufdrückt" ist ein guter architekt. wirklich schade...
Analogien zu anderen Projekten herszustellen auf Grund von gewählter Farbigkeit, kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Das rostrote Bauten kein Novum sind, ist seit vielen Jahren bekannt! Meiner Meinung nach macht es schon einen großen Unterschied, ob ein Treppenauge vorhanden ist oder nicht, ob die Formsprache skulptural oder funktional ist, oder der Beton mittels Bretterschalung erstellt wurde, was hier nicht der Fall ist und somit auch kein Vergleich möglich. Zum Projekt möchte ich, auf Grundlage der gezeigten Bilder, nur sagen, dass es dem Betsand natürlich ganz schön die Show stielt. Auch wenn man auf Grund der Farbigkeit mit dem Sockel korespondieren wollte, ist der skulpturale Baukörper sehr dominat und leicht fremdartig. Der Denkmalschutz war sicher begeistert. Jedoch sind die Details der Treppe sehr schön, ebenfalls überzeigt die Ausführung und Haptik der Betonoberflächen. Ein, in der Ausführung betrachtet, schönes Projekt, der Entwurf ist jedoch nicht so stark.
wer nörgelt sollte das auf einen dem Gebäude entsprechend höhrerem Niveau tun...