Fliegende Treppen
Stadthaus im Großraum Seoul
Das südkoreanische Büro IROJE KHM Architects aus Seoul liebt Blumenmetaphern, das war schon bei ihrem „blühenden“ Wohnhaus so, das sie im letzten Jahr fertigstellen konnten. Bei ihrem neuen Projekt gehen sie noch einen Schritt weiter und wenden das Prinzip auf ein großes Stadthaus an: Café und Restaurant, Büro und Wohnung, das gesamte Programm wird dem expressiven Gestus einer abstrahierten Blütenform unterworfen.
Ihr Gebäude verstehen die Architekten als vertikale Stadt, die über „fliegende Treppen“ auf vielfältige Weise erschlossen wird. Die Treppenläufe werden unter anderem diagonal an der Fassade entlang geführt und geben dem durch Rücksprünge und Freiräume aufgelockerten Volumen zusätzlich Struktur. Neben einfachen Balkonen wurden außerdem zwei Dachgärten samt kleiner Bäume in die Struktur integriert. Dass ihr Stadthaus zeichenhaft, ja fast graphisch anmutet, ist gewollt: Selbstbewusst nennen IROJE KHM Pop Art als wichtigen Bezugspunkt.
In diesem Sinne an eine oberflächliche Fassadenarchitektur zu denken, wäre jedoch trotzdem nicht richtig, denn was die Ansicht verspricht, zieht sich bis tief ins Innere des Gebäudes. Ein eng verschachteltes Raumgefüge erstreckt sich über alle Etagen hinweg und lässt zahlreiche innere Sichtbeziehungen entstehen. Auch hier ist die Formensprache expressiv, wird aber durch eine monochrome Farbpalette ausgeglichen. Das Ergebnis sei ein Gefühl des Schwebens, so die Architekten, das ganz ohne verbotene Substanzen zustande kommen soll. (sb)
Fotos: Sergio Pirrone
auch wenn städte nicht inflationär viele solcher wilden gebäude vertragen, sollte man sich obige frage doch immer wieder mal stellen: warum geht in anderen ländern so viel mehr architektur für gebäude, die hier nur rudimentär mit architektur zu tun haben?