Zwischen Friedhof und Bahndamm
Sporthalle in Blois von RAUM architectes
Sicher gibt es einfachere Baugrundstücke als dieses lange, schmale direkt am Hauptbahnhof von Blois, einer französischen Kleinstadt im Tal der Loire. Zwischen den breiten, dicht befahrenen Gleisanlagen im Osten und dem großen Friedhof des Städtchens im Westen sollte die neue Turnhalle für die örtliche Ingenieurhochschule entstehen. Die ist immerhin eine von nur sieben INSA (Instituts National des Sciences Appliquées), die mit einer fünfjährigen, praxisnahen Ingenieurausbildung als staatlich geförderte Elite-Hochschulen gelten.
Der Entwurf stammt von RAUM architectes (Nantes) und besticht durch eine besonders klare räumliche und konstruktive Logik. Die Sporthalle besteht aus einem eingeschossigen Sockel mit Fassaden aus Betonfertigteilen. In diesem Sockel liegen alle betriebsnotwendigen Räume wie Duschen und Umkleiden, Technik- und Besprechungsräume.
Die Halle selbst erhebt sich auf diesem robusten Sockel als hohe und leichte Stahlkonstruktion. Diese ist innen mit Holzpaneelen, außen mit rezyklierbaren Kupferplatten verkleidet. Das Kupfer soll mit der Zeit eine sichtbare Patina entwickeln. Damit soll der Neubau zwischen den beiden so gegensätzlichen Polen Friedhof und Bahngelände vermitteln.
Das Gebäude mit 1.670 Quadratmetern Nutzfläche wurde am nördlichen Ende des Baugrundstücks platziert, sodass nach Süden ein begrünter Vorplatz angelegt werden konnte. Eine alte Steinmauer grenzt das Areal von der Straße ab. Die Architekt*innen nutzten dies, um die Umkleiden und Diensteingänge im Sockel nach Westen zu orientieren, zwischen Halle und Mauer ein geschützter kleiner Hof entstand.
Der Haupteingang liegt zum Vorplatz im Süden. Durch eine tief in den Sockel eingeschnittene Glaswand betritt man das Foyer, wo sich die Wege trennen: Sportler*innen und Mitarbeitenden gehen nach links zu den Umkleiden, Büros und Technikräumen. Eine raumhohe Glaswand öffnet den Flur dabei einseitig zum Hof.
Die Zuschauer*innen werden hingegen im Foyer nach rechts geführt. Auf einer schlichten, zweistufigen Sitztribüne aus Beton finden bis zu 250 Menschen Platz. Dahinter gibt ein horizontales Fenster, das sich über die gesamte Ostseite der Halle erstreckt, einen Panoramablick auf den Zugverkehr frei.
Das einzige Element im gesamten Entwurf, das sich der strengen orthogonalen Logik widersetzt, sind die hohen Fensterschlitze in der fächerartigen Westwand der Halle. Diese sind nach Norden ausgerichtet, um zusätzliches Tageslicht einzufangen. In der sonst schlichten und streng durchkomponierten Halle erzielen sie eine fast schon sakrale Wirkung. (fh)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- RAUM
- Tragwerk:
- Batiserf
- TGA:
- Tual
- Akustik:
- Gamba
- Landschaftsarchitektur:
- D'Ici Là
- Technische Koordination:
- BEST
- Bauherrschaft:
- Communaute d'agglomeration Agglopolys
- Fläche:
- 1.670 m² Nutzfläche
- Baukosten:
- 4.500.000 € Nettokosten
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