Turnen im Wald
Sporthalle am Rand von Brüssel
Bewegung soll Freude machen, und entgegen des Eindrucks, den hochgezüchtete Veranstaltungen wie die Olympischen Spiele machen, braucht es dafür nicht viel. Ein kleines Wäldchen, etwas Gefälle, ein wenig Beton, Holz, Glas und Stahl und fertig ist die kleine Sporthalle am Rande von Brüssel. Yves Malysse und Kiki Verbeeck vom Büro URA (Brüssel) haben das Gebäude entworfen, nach dessen Raumerlebnis sich zumindest Architekten schon als Kinder gesehnt haben dürften.
Der Entwurf von Malysse und Verbeeck ist alles andere als banal, er spielt gekonnt mit mit den minimalistischen Zutaten. So betritt man die Halle nicht ebenerdig, sondern im Obergeschoss, um dann über eine großzügige, sich verbreiternde Treppe das Spielfeld zu betreten. So ergibt sich trotz des geringen Ausmaß der Halle eine tribühnenartige Situation, auf der die Schüler auf ihren nächsten Spieleinsatz warten können.
Die Konstruktion der Halle ist ebenso minimal wie die architektonischen Mittel. Eine zweischalige Betonwand umfasst das Gebäude auf zwei Seiten, darauf setzt eine Stahlkonstruktion auf, deren Glas- und Alublechfassade wiederum von Rahmen aus Kiefernholz getragen werden. Mit der Positionierung von geschlossenen und offenen Fassadenflächen im unteren und oberen Teil sorgen die Architekten für eine weitere kleine Abwechslung im Raumerleben, eröffnen sich doch so ganz unterschiedliche Perspektiven auf den Wald. Gekostet hat die Halle bei 540 Quadratmetern knapp 700.000 Euro. (sb)
Fotos: Filip Dujardin
Künstlerische Arbeiten von dem belgischen Fotografen Filip Dujardin und anderen in der BAUNETZWOCHE#349 „Fictional Buildings“
Trotz alledem hat die Halle für bestimmte Sportarten noch einen Nutzwert..
Ob und wie das Raumklima gesteuert wird, wäre jedoch schon interessant.
ich stehe überhaupt nicht auf din-normen und die vorschriften des guv, im gegenteil. aber genau die gelten hierzulande (leider).
ich habe halt etwas dagegen, wenn in der architektur die schönheit von der funktion losgelöst wird bzw. diese dominiert, und das sehe ich hier schon ein stückweit so. dann sind solche gebäude nichts als ein narzisstisches architektenstatement.
was kann man denn in dieser halle spielen? völkerball vielleicht, ein bisschen gymnastik machen, kinderspiele, und das wars dann. die halle hat keine tore, keine eingebauten sportgeräte, keine (auf den fotos sichtbaren) einsteckhülsen für ballspielnetze usw. das einzige, was diesen raum von z.b. einer ausstellungshalle unterscheidet, ist der auf sport hindeutende boden.
die nutzer werden uns architekten für solche gebäude und unsere selbstverliebtheit hassen und das nächste mal dann die 08/15-halle vom GÜ hinstellen lassen. oder direkt nachdem der fotograf des architekten abgereist ist alles mögliche an die wände dübeln und nachrüsten, was wir alle gar nicht sehen wollen...