Allein erziehen, gemeinsam wohnen
Sozialer Wohnungsbau von Clemens Kirsch Architektur in Wien
Auf einem ehemaligen Siemensgelände in Wien, nur wenige 100 Meter vom Schloss Schönbrunn entfernt, entstand in den vergangenen Jahren das Wohnviertel Kennedy Garden des privaten Immobilienentwicklers BUWOG mit über 500 Wohneinheiten. Freifinanzierte Eigentums- und Mietwohnungen bilden den überwiegenden Anteil. Doch 2022 stellte das Büros Clemens Kirsch Architektur einen Bau mit dem klanghaften Namen Orchidea fertig, der ausschließlich gedeckelte Mietwohnungen für alleinerziehende Eltern und ihre Kinder bereitstellt.
Auf rund 7.200 Quadratmetern Wohnnutzfläche nimmt das U-förmige Gebäude 125 Wohnungen auf, deren Mieten als Teil der Wiener Wohnbauinitiative reguliert sind. Um darüber hinaus die Einheiten erschwinglich zu halten, setzt das Büro auf kompakte Grundrisse mit meist nur einem separaten Schlafraum und einer Größe von etwas mehr als 50 Quadratmetern. Ausgeglichen wird die räumliche Enge der Einheiten durch großzügige Gemeinschaftsflächen, die vor allem im Erdgeschoss untergebracht sind. Dazu gehört ein Gemeinschaftsraum mit Küche, der sich im Kopfbau über die gesamte Gebäudetiefe erstreckt. Hinzu kommen eine Bibliothek, ein Bewegungsraum oder die Terrasse im Innenhof.
Weiteres Anliegen der Architekt*innen war die Übersichtlichkeit der Wohnräume. Dazu zogen sie tiefe, vollverglaste Wintergärten in die Wohngrundrisse, die Sichtverbindungen zwischen den Räumen zulassen. Fest installierte Vorhänge ermöglichen eine optische Trennung. Die Treppenräume werden von weiß verputzten Wänden, dunklen, geschlossenen Brüstungen und einem Terrazzo-ähnlichen Bodenbelag geprägt.
Nach außen zeigt sich der Stahlbetonbau mit einer Keramikfassade aus hellgrünen, vertikalen Fliesen, die sich bis in die Obergeschosse ziehen und mit gleichfarbigen, verputzten Flächen abwechseln. Einen Kontrast schaffen lachsfarbenen Balkongerüste und Fensterbrüstungen. Der Sonnenschutz ist hinter umlaufenden, dunklen Blechbändern verborgen.
Im Untergeschoss des Gebäudes sowie im Nachbarbau ist eine gemeinsame Tiefgarage untergebracht. Zu den Projektkosten äußerte sich der Bauherr auch auf Nachfrage nicht. (sbm)
Fotos: Hertha Hurnaus
Müssen die Alleinerzieher dann ausziehen, wenn die Kids ihr eigenes Zimmer erhalten sollen? Oder spielen die Kids dann auf dem Flur und im Gemeinschaftsbereich des Hauses und pennen auf dem Sofa? Auch die "Berliner Zimmer" innenecksituation finde ich nicht geschickt gelöst. Hier kann man dann entspannt vom öffentlichen Flur in das wenig belichtete Wohnzimmer blicken. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, das Flurfenster zu schließen und den Raum der Eckwohnung als Außenraum oder längeren wohnraum zu spendieren? Materialtechnisch finde ich das Gebäude ja gut umgesetzt. Die Verkehrsflächen finde ich gut und die Wohnungen sind bis auf die sondersituationen an den enden und ecken auch nicht schlecht organisiert. für singles oder pärchen in so einer Wohnung ist aus meiner Sicht auch die genannte "Duschabtrennung" im Wohnzimmer nicht so tragisch. bei mehr Parteien in einer Wohnung wird die privatssphäre dann wieder ein thema und ich sehe die kritik als berechtigt... just my 2 cents
Das Boden-Wand-Fenster/Türe reicht eigentlich aus ...