Veritable Schaufassade
Sozialer Wohnungsbau in Paris
In Paris ist es ein traditionelles Arbeiterviertel. Weit ab von Champs-Élysées und Louvre liegt das 19. Arrondissement am Canal de l’Ourcq und den alten Schlachthöfen am Parc de la Villette. Auch das verruchte Belleville gehört zum Bezirk, in dem die Aufstände der Pariser Kommune 1870/71 aufkeimten. Ein Stück bedeutende Geschichte des Proletariats verbirgt sich also hinter der Adresse Passage de Melun, wo das Büro Gaëtan Le Penhuel einen Block mit Sozialwohnungen errichtet hat.
Die Bezeichnung Passage macht es bereits deutlich: Hier ist nicht viel Platz. 30 Meter lang und zwölf Meter tief ist das Grundstück, auf dem die Pariser Architekten 15 Wohneinheiten unterbringen. Den Hof müssen sich die Bewohner mit denen des angrenzenden Grundstücks teilen. Dennoch soll es hier nicht nur kollektiv, sondern auch exklusiv zugehen. Den Bewohnern der oberen Stockwerke wird eine Rarität zugestanden: der Blick auf den Eiffelturm.
Turm im Blick, Turm als Bau – ihren Wohnblock haben die Architekten in zwei „Turmbauten“, so ihre Bezeichnung, aufgeteilt. Als breite und als schmale Variante wachsen die zwei Volumina aus einem offenen Sockelgeschoss mit kräftigen Betonpfeilern über sechs Etagenniveaus heraus. Abgestuft enden die Türme in den oberen Stockwerken und bilden gleichsam die Fläche für eine Dachterrasse. Über einen Brückenbalkon sind beide Einheiten miteinander verbunden, ein kleiner Garten ist zwischen den Türmen angelegt.
Ist das Sockelgeschoss zur Passage über eine Glasfront verschlossen, haben die Architekten es zum Hof hin geöffnet. Auch die Fassadengestaltung der darüberliegenden Stockwerke unterscheidet sich. Im Gegensatz zum simplen Verputz der Gartenfront inszeniert Gaëtan Le Penhuel zur Straße eine veritable Schauseite: vergoldete Paneele aus Aluminium verkleiden den Betonkern ihres Wohnbaus.
Die klar komponierte Fassade mit in sich versetztem Fensterraster wird über scharf herausstechende Rahmungen der Fenster nochmals rhythmisiert. Punktöffnungen im Aluminium zieren das Gold in den oberen Stockwerken. Garten, Turmbau, goldene Hülle – nach sozialem Wohnungsbau klingt die Summe dieser Motive nicht, vielmehr erinnert sie an eine Pariser Noblesse, die historisch weit vor dem Proletariat im 19. Arrondissement liegt. (sj)
Fotos: Sergio Grazia
Der Unterschied, liebe Mitleser, zu Deutschland ist das geringere Bedürfnis am Jammern.
Kapitalismus - Gewinn wird maximiert, d.h. alles darf nur so teuer wie nötig sein und was darüber hinaus geht, also nicht den gewünschten Profit abwirft, fällt "hinten runter". Das ist ja in den boomenden Städten (beispielsweise Berlin, München) am sozialen Wohnungbau gut zu sehen. Er würde dringend gebraucht, wird aber nicht umgesetzt. Von "chic" mal noch gar nicht zu reden. Nicht umsonst leben wir in einem Land, wo "Gutmensch" ein Schimpfwort ist.
mir ist schleierhaft wie in den ländern, die in den news immer auf der kippe stehen, das alles möglich ist. top-kitas in portugal, jugendcenter deluxe in spanien etc. und bei der asbest-schule meines sohnes in berlin hat neulich ein fenster fast zwei jungs erschlagen.... go figure...
Und das wo Dt. doch die momentan stärkste Wirtschaftsmacht in Europa ist. Wie könnte man das nennen? Mir fällt da die Bezeichnung "Armutszeugnis" ein. Gegenvorschläge?