Raster verpflichtet
Sozialer Wohnungsbau in Nantes
Viele Projekte des sozialen Wohnungsbaus in Frankreich vereint der Wille, die ökonomisch engen Vorgaben mit Phantasie in der Formensprache zu überbrücken. In dieser Tradition wurde jetzt auf der Île de Nantes ein Projekt für 30 Sozialwohnungen von dem Pariser Studio Antonini et Darmon Architectes fertig gestellt.
Das 3.300 Quadratmeter große Areal liegt am Ufer der Loire auf einer Insel direkt gegenüber der historischen Altstadt von Nantes. Die Insel war bis Ende der 1980er Jahre noch von den dortigen Schiffswerften geprägt. Nach deren Schließung wurde ein städtischer Masterplan, unter anderem nach Plänen von Alexandre Chemetoff in Zusammenarbeit mit Jean Louis Berthomieu, schrittweise umgesetzt.
Das Wohnensemble besteht aus einem neungeschossigen Hochhaus sowie einer niedrigen zweigeschossigen Bebauung und zeigt sich bis auf die Holzelemente in einem gleißenden Weiß. Im unteren Bereich sind neben Wohnungen diverse Geschäfte und ein Restaurant angesiedelt, während das Hochhaus ausschließlich für Wohnzwecke gedacht ist.
Anders als der weiße Hausblock daneben profitiert der Bau von Antonini et Darmon von seiner luftigen Fassade: Eine weit vorkragende, weiße Struktur überzieht das gesamten Gebäude im Quadratraster und bildet auf jeder Etage großzügige Laubengänge. Die Fortführung der Fassade deutet am oberen Gebäudeabschluss ein Pultdach an.
Antonini et Darmon verwendeten für das Gebäude Ortbeton und Betonfertigteile. Holzlattungen, mit denen die Architekten bereits bei der 2013 errichteten Bibliothek bei Paris gearbeitet haben, definieren die leicht wellige Dachform der niedrigen Gewerbeeinheiten.
Einige Felder der Laubengänge am Wohnhochhaus sind mit Gittern aus fein perforierten Aluminiumpaneelen ausgefüllt. Durch deren Muster bieten sich von den oberen Stockwerken Blicke auf die schönsten Plätze der Stadt. (pg)
Fotos: Alexandre Wasilewski
Nantes liegt bekanntlich am Atlantik (Golf von Biscaya) - kann man sich vorstellen, wie dieser weiße Bau mit seinen großen Oberflächen und den holzbekleideten Sockelfassaden in ein paar Jahren aussieht? Wahrscheinlich wie ein verwahrloster Sozialbau?! Auch ist auf den Grundrissen eine nicht ganz (D-) regelkonforme Innendämmung erkennbar. Bild 4 zeigt wunderschöne Lochblechpaneele, die hoffentlich auch recht lange dem salzhaltigen Küstenwind standhalten. Bild 8 zeigt wohl eher eine umgewidmete Restfläche, als eine attraktive Terrasse. Alles in Allem: eine große Geste! @Baunetz: Macht doch mal eine Rubrik "10 years after . . ." auf!