Strenge Steine
Sozialer Wohnungsbau in Belgien
Der Bauplatz für diesen sozialen Wohnungsbau in der belgischen Küstenstadt Ostende war kein einfacher: Zwar sind es nur knapp 200 Meter bis zur Strandpromenade, und das Haus steht auch in einem kleinen, ruhigen und sehr grünen Wohnbezirk. Aber in Richtung Süden grenzt es an eine vierspurige, gut befahrene Durchgangsstraße. Dennoch wollte die Stadt hier ein Apartmenthaus mit neunzehn 2- und 3-Zimmer-Einheiten für Senioren unterbringen.
Den Auftrag bekamen Korth Tielens Architecten aus Amsterdam. Über einem trapezförmigen Grundriss entwarfen sie ein freistehendes, zugleich kompaktes und kostengünstiges Gebäude. Kräftige Rahmen aus graubraunem Waschbeton machen die Konstruktion nach außen deutlich erkennbar, das Haus wirkt ein wenig wie ein Regal. Auf jeder Etage liegen vier Wohnungen, zwei größere Apartments an den Außenseiten umfassen zwei kleinere in der Mitte. Die Felder der Fassaden sind mit grau-grünem Klinker verkleidet.
Es ist ein Haus ohne Schnickschnack, ökologisch und ökonomisch sinnvoll nur mit einem geringen Einsatz an Gebäudetechnik: Zur Nordseite liegen das Treppenhaus und jeweils die Schlafräume der äußeren, größeren Wohnungen. Nach Süden öffnen sich die Wohnbereiche mit großen Fenstern und Schiebetüren zu Loggien. Dort liegt zwischen dem Haus und der dicht befahrenen Elisabethlaan ein breiter Grünstreifen mit drei alten Bäumen, die einen zusätzlichen Filter für die Wohnungen bieten. Die restlichen drei Seiten des Hauses geben sich geschlossen, im strengen Raster des Betonregals liegt in jedem Feld nur eine schmale Öffnung mit französischem Balkon.
Im Inneren wurde der Eingangsbereich als helle Halle gestaltet, in dem spontane Begegnungen und Gespräche am Briefkasten oder vor dem Fahrstuhl möglich sind – die drei Fassadenfelder vor dem Eingang im Erdgeschoss haben als Akzent ein Wellenrelief aus Waschbeton bekommen. „Dieses Haus atmet Nordseeluft“, so die Architekten. (fh)
Fotos: Dennis de Smet
Weiter so !
Was mich allerdings mal interessieren würde ist, wie das wohl dämmtechnisch gelöst ist. Eigentlich müsste die außenliegende Betonstruktur ja entsprechend entkoppelt sein, womit sie leider ein bisschen zur Zier verkommen würde. Passt auch nicht so recht zur Aussage "Haus ohne Schnickschnack". Oder übersehe ich etwas?
aufgeräumte Grundrisse, ausreichend und gut gesetzte Fenster, saubere Details
Contra:
harte Atmosphäre in Aussenwirkung durch sehr spröde Materialwahl und strenge Rasterung
Alles in allem ein gutes Projekt. Allerdings sollte man nicht mehrere davon nebeneinander setzen, sonst wird´s brutal.