Baurat aus Bonn
Sigurd Trommer neuer BAK-Präsident
Die Bundesarchitektenkammer (BAK) in Berlin ist eine Art Obergremium, zu dem sich die Länder-Architektenkammern freiwillig zusammengeschlossen haben. Die BAK vertritt auf nationaler und internationaler Ebene die Interessen von rund 121.800 Architekten gegenüber Politik und Öffentlichkeit.
Am vergangenen Wochenende wurde auf der Bundeskammerversammlung das Präsidium der BAK neu gewählt. Die Deligierten wählten den ohne Gegenkandidaten angetretenen langjährigen Bonner Stadtbaurat Sigurd Trommer (65) einstimmig zum neuen Präsidenten der BAK. Als Vizepräsidenten wurden Joachim Brenncke und Klaus Hecker wiedergewählt. Andreas Wolf vertritt im Präsidium künftig die angestellten und beamteten Architekten.
Der bisherige BAK-Präsident Arno Sighard Schmid hatte nach zwei Amtsperioden, also insgesamt sechs Jahren, nicht wieder kandidiert. Er bekam am Freitag in Berlin das Bundesverdienstkreuz verliehen. Seine Amtszeit war zuletzt hauptsächlich mit seinem Vorschlag in Verbindung gebracht worden, den deutschen Pavillon in Venedig abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen (siehe Pressemitteilung der BAK vom 24. Juni 2010). Diese eindeutige Äußerung wird vom Geschäftsführer der BAK , Tillmann Prinz, inzwischen heruntergespielt und auf ein „Nachdenken über Veränderung“ abgemildert.
Trommer äußerte sich nach seiner Wahl vor Journalisten in eher allgemeiner Form zu seinen Zielen und Schwerpunkten. Dazu gehört die Frage nach der Stellung des Berufsstands in der Gesellschaft, die Frage nach der Architektenausbildung und die Frage nach der Vergütung des Architektenberufs.
Zum Architekturstudium sollten seiner Meinung nach auch verpflichtende Kurse in benachbarten Humanwissenschaften zählen. Den Absolventen riet er, auch Berufsfelder abseits der klassischen Architektur zu suchen.
Zu Stuttgart 21 befragt, äußerte Trommer, dass ein solches Projekt, sofern es denn alle Verfahrens-Hürden in rechtsstaatlicher Weise genommen habe, auch umgesetzt werden müsse, da sonst Großprojekte gar nicht mehr durchführbar seien.
Der Bundesstiftung Baukultur, deren Entstehen er von Anfang an begleitet habe, attestierte er, dass es hier gelungen sei, „alle Berufszweige, die mit der Veränderung unserer Lebenswelt zu tun haben, in einer Initiative zusammenzufassen“.
Sigurd Trommer hatte 1964 bis 1970 Architektur an der TH Darmstadt studiert, ist dann aber 1973 in die Politik gegangen. Er war Baudezernent in Neustadt am Rübenberge (1973-82) sowie Stadtbaurat von Wolfsburg (1983-90) und Bonn (ab 1990). In Bonn schied der parteilose Trommer 2006 vor Erreichen der Altersgrenze aus, weil sein Vertrag nicht verlängert wurde: Die Grünen hatten in einer Ampelkoalition im Bonner Stadtrat einen Parteifreund auf seinem Posten durchgesetzt. 2008-09 war Trommer Gastprofessor an der Uni Kassel.
bevor wir solche unnötigen bis belustigenden Scharmützel lesen, nennt doch einfach Euren (wirklichen) Namen. Es ist doch nicht ehrenrührig, eine gern auch kritische Meinung oder weiterführende Information zu haben.
Interessant ist, dass hier einzelnen Personen, die Kammerzeitschrift oder gar die ganze Verkammerung der Architekten, Stadtplaner, Landschaftsplaner und Innenarchitekten in Frage gestellt werden. Irgendwie ist da ja auch was wahres dran! Jahrzehnte haben die Stadtplaner/innen um die Aufnahme in die Kammer gekämpft, jetzt stellen sie sogar den Präsidenten. Und zugleich wird dieser "Kostenfaktor" zur Disposition gestellt. Es wird eine schwierige Aufgabe für Herren Trommer (um den Bogen zurück zu schaffen), diese Institution(en) zu verschlanken und dabei auf grundsätzlich neue Füße zu stellen, ohne sie gleich ganz abzuschaffen.
Änderungsvorschläge lassen sich schnell aufzeigen: Von einer engeren (auch organisatorischen) Zusammenarbeit mit den Verbänden bis hin zu einer zeitlich (auf maximal 6 Jahre) begrenzten Funktion einzelner Personen (damit da keiner 20 Jahre präsidiert). Mehr Zusammenarbeit und weniger Herrschaftlichkeit. Wir sollten generell die Aufgaben und Funktionen auf mehr Schultern verteilen und den (auch namentlich geführten) Kampf nicht allein "Sigurd" überlassen.
Ich wollte auch nicht Herrn Trommer persönlich in Frage stellen. Ich bin durch Zufall (richtige Zeit, richtiger Ort) in eine AG einer Länderkammer reingeraten, und Herr Trommer ist recht repräsentativ, was Geschlecht, Alter und Werdegang angeht, für die anderen AG-Mitglieder.
Meine Beobachtung ist, daß etwas 1/3 der Sitzungen mit Namedropping, Netzwerken und sich gegenseitig bestätigen/bekämpfen draufgeht und Initiativen, sich als AK auch in der öffentlichen Diskussion stärker einzubringen eher abgewunken werden. Lieber kommt jemand vom Ministerium, den einer kennt und man tauscht sich intern aus, als dass sie ueppigen Mittel dafür genutzt werden, dass der Berufsstand eine relevante Stimme in der öffentlichen Diskussion ist.
Das ist schon schade.
Immerhin ist das Architektenblatt unter Herrn Stimpel wieder etwas lesbarer und interessanter geworden. Auch wenn ich ihre Meinung über seine Fachkompetenz teile.
Im Übrigen ist das sogenannte Architektenblatt nicht nur unsäglich, sondern saumäßig schlecht und verdeutlicht diesen ganzen Schwachsinn bei und mit den Kammern. Ich war froh, als die Lieferung ausgesetzt wurde,
denn es ist schade um die Zeit, darin zu blättern; gleich in Papierkorp, wie Jupp meint, ist deshalb richtig.