Plattenbau in der Stusie
Sichtbeton-Wohnheime in Freiburg fertig
Akademischer Abkürzungswahn auch in Deutschlands sonnigster Universitätsstadt: In Freiburg wurden jetzt zwei Studentenwohnheime fertig gestellt, die in der Studentensiedlung Am Seepark liegen – abgekürzt eben Stusie.
Der Entwurf stammt von dem Freiburger Büro Amann|Burdenski|Munkel. Die Besonderheit: Die beiden L-förmigen Baukörper ergänzen eine bestehende Wohnheimsiedlung aus den sechziger Jahren und passen sich gestalterisch dem Bestand an.
Die Siedlung bietet insgesamt 1.300 Wohnheimplätze; die beiden Neubauten jeweils 102. Die Gesamtanlage teilt sich in fünf Ensembles auf. Jede dieser Hausgruppen besteht aus jeweils drei Gebäuden, zwei davon dreigeschossig, eines achtgeschossig. Als das Areal jetzt nachverdichtet wurde, sollten die notwendigen Neubauten nicht im Kontrast zum Bestand, sondern in seiner Tradition stehen. Daher wiederholen die beiden Neubauten die Maßstäblichkeiten des Bestands in ihrer L-Förmigen Bauform und bestehen jeweils ebenfalls aus einem achtgeschossigen Turm und einem dreigeschossigen Anbau.
Auch die Fassaden zitieren in Material und Aufteilung die Sichtbetonfassaden des Bestands. Es kamen erneut eine Großtafelbauweise zum Einsatz – allerdings mit heutiger technischer Weiterentwicklung: Die verwendeten Wandelemente mit einer Dicke von 50 cm (20 cm Beton-Tragschale, 20 cm Wärmedämmung, 10 cm Beton-Sichtschale) sind mit 7,20 Metern jeweils zwei Zimmerachsen breit und mit 2,80 Metern ein Geschoss hoch. Damit konnte das Gesamtprojekt in einer Bauzeit von nur zehn Monaten realisiert werden. Durch den mehrschaligen, gedämmten Aufbau unterschreiten die Wandelemente mit geringen Transmissionswärmeverlusten die Vorgabe der Energieeinsparverordnung deutlich.
Auch in der Anordnung der Fenster und der unterschiedlich stark gesandstrahlten Felder der Sichtbetonfassade werden die Ansichten der Bestandsgebäude wieder aufgenommen. Diese strenge Aufteilung wird durch die Verwendung von unterschiedlich hellen Tafeln in Weißzement und Normalbeton überlagert und aufgelockert.
Fotos: Yohan Zerdoun
Mehr über das Material und seine Möglichkeiten im Baunetz Wissen Beton.
Campus am Flugplatz, Berliner Allee, Plattenbau in der Stusie. Freiburg im Breisgau ist eine wunderschoene Stadt in einer tollen Umgebung aber die Architektur der letzten Jahre laesst zu wuenschen uebrig! Ich hoffe das die letzten freien Bauplaetze in Freiburg nicht mit so einfallslosen Gebaeuden zugebaut werden.
für beide hier angesprochene positionen kann man argumente finden. ich halte die hier gewählte bauweise in sichtbetonplatten grundsätzlich an diesem ort für absolut gerechtfertigt. sie ist ganz im sinne der gesamtkonzeption der studentensiedlung. ABER: genau wie bei einem weiteren freiburger wohnheim, realisiert von den selben architekten (siehe baunetz-meldung vom 3.8.12), wird auch hier die chance des materials beton in keiner weise ausgeschöpft. sichtbetonarchitektur gehört in nur in die hände der begabtesten architekten (hallo schweiz!). wenn mittelmäßig begabte kollegen sich in sichtbeton versuchen, endet es wie hier: attikadetail ungut, außenliegende regenfallrohre provinziell/detail ungelöst, fassadengrafik bzw. spiel der verschiedenen oberflächen unlogisch und unbeholfen. gesamtbaukörper zu konventionell bzw. zu wenig konsequent gegliedert, fotos mittelprächtig. und genau das spürt auch der laie und findet es doof. obwohl die hier gezeigten häuser einige gute ansätze in sich tragen. man könnte sagen, gewollt und leider nicht ganz gekonnt. und das ist peinlich.
und worin liegt jetzt der vorteil dieser bauweise? "nur" 10 monate bauzeit wären ja locker auch anders zu realisieren gewesen. war es ein supergünstiges gebäude? ein paar innenaufnahmen wären auch ganz hilfreich gewesen; vielleicht hat das gebäude ganz besondere innere werte! immerhin: es passt sich sehr gut den "netten" häusern der umgebung an.
Sind nicht grade im Bereich von Wohnen auf beengtem Raum, wie in Studentenwohheimen üblich, insbesondere die Qualitäten der Grundrissstruktur sowie Zonierung von verschiedenen Bereichen von elementarer Bedeutung? Städtebaulich sicherlich gelungen eingebunden, Es muss nicht immer das auffällige aus der Masse heraustretende sein. Insbesondere für untergeordnete Nutzung ist die hier praktizierte städtebauliche Einordnung ins Ganze sicherlich angebracht.