Schwarz-weißes Paar in Marburg
Seminargebäude und Dokumentationszentrum von dichter Architekturgesellschaft
Westlich des Universitätscampus, an der Schnittstelle zwischen Marburger Altstadt und Altem Botanischen Garten konnten zwei Gebäude für die Philipps-Universität Marburg fertiggestellt werden: das Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK) sowie das Seminargebäude am Pilgrimstein. Das Duo ging aus einem Wettbewerb von 2016 hervor, den dichter Architekturgesellschaft aus Berlin gewannen. Zusammen mit einem bestehenden Forschungszentrum, dem Deutschen Sprachatlas im Osten, bilden sie ein städtebauliches Ensemble.
Das DKK erstreckt sich in V-Form mit abgetrepptem Innenhof in Richtung Norden. Der Haupteingang liegt an der südlichen Stirnseite, die gemeinsam mit dem Sprachatlas einen Platz ausbildet. Zentral im Erdgeschoss befindet sich ein zweigeschossiger Seminarraum, umrahmt von Archiv-, Tagungs- und Seminarflächen. Darüber liegen weitere Archivräume, Fotowerkstätten, Büros und eine Bibliothek, die zum Teil über Terrassenflächen zum Innenhof verfügen. Die weiße Ziegelfassade mit schmalen, gerasterten Fenstern wirkt streng – die westliche Seite mit Archivflächen ist weitgehend geschlossen. Das Gebäude umfasst eine Nutzungsfläche von rund 2.500 Quadratmetern.
Das nördlich angrenzende schwarze Seminargebäude greift die Tiefe des DDK auf und schließt an den Alten Botanischen Garten, eine heute öffentliche Parkanlage, an. Es besitzt eine parallelogrammförmige Grundfläche und – im Gegensatz zum Dokumentationszentrum – ein Satteldach. Die rund 1.400 Quadratmeter große Nutzungsfläche ist in zwei klar ablesbare Bereiche geteilt: eine schmale Erschließungsspange sowie einen breiteren Teil mit flexibel nutzbaren Seminarflächen. Die tiefe Wand, die den Bau längs unterteilt, integriert Technik, Teeküche und Sitzmöbel. Im Erdgeschoss wird der Körper von beiden Stirnseiten über ein durchgestecktes Foyer erschlossen, das durch das abfallende Gelände auf zwei unterschiedlichen Niveaus liegt. Von hier aus verbindet eine offene Treppenanlage die Geschosse.
Ähnlich wie das DKK sind die Öffnungen des Seminargebäudes rigide angeordnet, aber durch einen Streifen Filtermauerwerk ergänzt, der für Sicht- und Sonnenschutz sorgen soll. Für die beiden Gebäude investierte der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen circa 24,2 Millionen Euro (in den Kostengruppen 300 und 400, brutto). (gk)
Fotos: Thomas Scheidt, Christian Stein
Architekturstandard... Bei mir löst jedes dieser CAD-Wunder erschrecken und Angst aus, wenn ich es das erste Mal erblicke... ...und oft Traurigkeit um das, was da vorher stand. Sei es auch nur die letzte verfallene Bretterbude.
leider eine architektur, die zumindest in mir keine guten gefühle auslöst, obwohl sie sicher nicht günstig war. können wir im jahr 2024 wirklich keine mutmachenderen beispiele neuer gebäude zeigen?