Wasserspaß in der Ellipse
Schwimm- und Freizeitbad in Châteauroux von Mikou Studio
Châteauroux liegt im Zentrum Frankreichs und ist die Hauptstadt des Départements Indre. Bekanntheit erlangte die mittelgroße Stadt vor allem durch die Firma Balsan, die hier im 18. Jahrhundert eine große Anlage mit Textilfabriken für die Herstellung von Bettwäsche und Uniformen errichtete. Nachdem das Unternehmen, das heute Teppichböden und -fliesen produziert, in neue Produktionsstätten umzog, lagen die alten Fabrikanlagen in Châteauroux jahrzehntelang brach.
Nun entsteht seit einigen Jahren ein neues Viertel, benannt nach dem Unternehmen Balsan. Während die Textilfabriken aufwändig restauriert und zum größten Teil als Bildungseinrichtungen genutzt werden, entstehen auf dem weitläufigen Gelände auch einige Neubauten. Einer davon ist das kürzlich fertiggestellte Schwimm- und Freizeitbad Balsanéo, entstanden nach Entwürfen von Selma und Salwa Mikou von Mikou Studio (Paris).
Auf drei Ebenen und einer Fläche von 8.000 Quadratmetern brachten Mikou Studio ein Schwimmbecken für das Wettkampftraining mit Zuschauertribünen für 500 Personen, Entspannungs- und Wellnessbecken, einen Therapiebereich mit Hammams, Saunen und Massageräumen, ein Sportzentrum mit einem Mehrzwecksaal sowie zwei Cafeterien unter. Hinzu kommen ein 50-Meter-Außenbecken, bepflanzte Solarien im Freien und ein Solarium auf dem Dach.
Das Gebäude überspannt mit einer Brückenkonstruktion den zwölf Meter breiten Boulevard de la Valla. Dank der Erhöhung ermögliche das Gebäude großzügige Ausblicke auf die Landschaft und bewahre die Besucher*innen gleichzeitig vor ungewollten Einblicken, sagen die Architekt*innen. Außerdem konnte man die technischen Anlagen im Untergeschoss mit direktem Zugang zur Straße unterbringen, ohne ein Kellergeschoss ausheben zu müssen.
Dass der elliptisch geformte Grundriss die angrenzende Pferderennbahn zitiert, ist mit Blick auf die Luftaufnahmen nicht unwahrscheinlich. Jedenfalls diente die kantenvermeidende Geometrie als gestalterisches Konzept, findet sie sich doch überall wieder – ob in Form von geschwungen geformten Becken, kreisrunden Fenster- oder Deckenelementen oder elliptisch geformten Raum-in-Raum-Einbauten. Auch im Außenbereich gibt es halbrunde Sitzbereiche. Einen Kontrast dazu bilden die Stahlträger der großen Halle, mit denen Mikou auf die industrielle Vergangenheit des Areals verweisen. (dsm)
Fotos: Maxime Delvaux
im detail ist die komplexe gebäude geometrie meines erachtens sogar relativ gut umgesetzt.
einzig die dachkonstruktion trifft zumindest meinen geschmack nicht, der innenraum wirkt dadurch technisch, kalt und unbehaglich - assoziationen von industriehalle oder flugzeughangar kommen auf. ein gefühl von römischer therme wäre mir persönlich deutlich lieber.
Außen scheint es an jeder Ecke vor Verkrampftheit zu knirschen. Unmotivierte Übergänge und Verschnitte - schlechte Alterung der Materialien, die schon jetzt zu erkennen ist.
Innen ein uninspiriertes Sammelsurium von Materialien, in deren Umgebung ich mich weniger gerne halbnackt bewegen würde als in einer Pathologie.