Reflexionen auf Beton
Schulsanierung von Brückner & Brückner in der Oberpfalz
Das Gebäude als Spiegel seiner Umgebung – die Fassade des Gymnasiums im oberpfälzischen Neustadt an der Waldnaab nimmt diesen konzeptuellen Gedanken beim Wort: Im Zuge einer Generalsanierung nach Plänen des in der Region ansässigen Büros Brückner & Brückner Architekten (Tirschenreuth/Würzburg) erhielt der 1977 fertiggestellte Schulkomplex ein partielles Kleid aus Aluminiumverbundplatten. Diese akzentuieren als vertikale Streifen die rohe Strukturbetonfassade des Bestands und durchbrechen sie stellenweise mit großflächigen Reflexionen von Wald und Himmel.
Seit den 1970er Jahren hatte die an einem Hang im Wald liegende Schule, zu der auch eine Dreifachturnhalle und ein großzügiges Freigelände gehören, außen wie innen kaum Veränderungen erfahren. Um die veraltete Struktur den heutigen Ansprüchen an einen zeitgemäßen Lernort anzupassen und sie sowohl energetisch als auch sicherheitstechnisch zu ertüchtigen, beauftragte der Landkreis die umfassende Sanierung des 11.090 Quadratmeter großen Baukörpers.
Mit ihrem diesbezüglichen Entwurfskonzept verfolgten Brückner & Brückner eigenen Angaben zufolge drei wesentliche Punkte: erstens das Bauwerk freilegen und auf neue Weise zur Geltung bringen; zweitens Bewegung und Kommunikation mithilfe von Achsen, Öffnungen und Bezügen verbessern; drittens durch natürliche und haptische Holz- und Mineralwerkstoffoberflächen eine die Sinne ansprechende, lernförderliche Umgebung für die rund 600 Schülerinnen und Schüler sowie 64 Lehrkräfte schaffen.
Vor der einst völlig umbauten und nur über Seiteneingänge zu erreichenden Aula wurde der nördliche Klassentrakt abgebrochen und die dadurch entstandene Außenfassade großzügig verglast. Davor bildet nun ein schmaler Anbau ein zentrales, repräsentatives Eingangsportal, das vollflächig mit den Aluverbundplatten verkleidet wurde. Diese stellen keine Gefahr für Vögel dar, erklären die Architekt*innen auf eine Anfrage zum Thema, denn durch die gestalterische und konstruktive Anordnung der Alucobond-Fassade entstünden immer wieder Irritationen wie leichte Wellen, Fugen oder Verschraubungen, die die spiegelnden Flächen unterbrechen. Der Naturschutz sei aufgrund der Lage im Wald von Anfang an in das Projekt eingebunden gewesen.
Auch im Inneren präsentiert sich der Schulbau nun um einiges luftiger und heller. Das in Betonständerbauweise ausgeführte Gebäude wurde als Splittlevelstruktur über insgesamt sechs Ebenen aufgebaut. Neue Öffnungen und Durchbrüche an Auladecke, Flurenden sowie zwischen Fluren und Klassenräumen bringen mehr Licht und Blickbezüge, Sitznischen können als Pausentreffpunkte dienen. (da)
Fotos: mju-fotografie
Einfach mal das Louvre in Lens anschauen - sieht nach Graffitis und Reinigungsarbeiten nur noch schrecklich aus. Wobei mir das Material für einen Museumsbau grundsätzlich noch angemessener erscheint.
manchmal muss man als architekt bei sanierungen seinen eigenen gestaltungswillen im zaum halten, und gerade bei diesem haus hier scheint mir der originalentwurf sehr robust und qualitätvoll gewesen zu sein, so dass man dann als sanierender architekt eher die aufgabe haben sollte, die stärken des bestandes herauszuarbeiten und mit sanften mitteln misstände zu beheben, anstatt den architekten von damals posthum den entwurf besserwisserisch auf links zu drehen. fehlender respekt vor dem können unserer eltern und großeltern ist ein problem, das man bei um- und neubauten leider immer wieder (und ich würde sogar sagen vermehrt) beobachten kann. auch wir haben hier im büro einmal den fehler gemacht, einen schulbau mit weiß gestrichenen wänden zu planen und zu bauen. das sieht schon nach einer woche schulbetrieb fürchterlich dreckig aus, und so ein haus sollte doch eigentlich jahrelang nutzbar sein, bevor es renoviert werden muss. weiße wände sind zwar zeitgeistig, aber funktionieren weder bei mir zuhause noch in meinem büro und schon gar nicht in einer schule. oder man muss sich von ihnen in totalitärer weise diktieren lassen, aber dazu habe ich als nutzer keine lust. vielleicht in zukunft mehr darüber nachdenken, für wen wir eigentlich bauen und warum, und dann hand aufs herz - bevor man sich derart verkünstelt.
Dass diese Planung dann zu etwas so Besonderem führt, muss motivierend wirken. Warum die Fliesen in den Fluren komplett verschwinden mussten ... Schade. Und ja, wie zuvor schon angefragt, ein paar Worte zum Energiekonzept wären wirklich wichtig. Vielleicht kann sich die Architektenschaft dazu im Kommentarbereich kurz äussern. Alles in Allem eine Freude!
1 Hier sieht mensch mal wieder wie räumlich stark (viele) brutalistische Bauten sind. Unter diesem Aspekt ist das Projekt sicherlich ein starkes und auch ein ästhetische Argument für den Erhalt solcher Bauten. 2a Die simplen Aluprofile sind auf den ersten Blick wirklich fantastisch, was die mit dem Ausdruck der Fassade machen. Das macht Freude. Bin gespannt wie die altern. 2b Die Profile sind gleichzeitig aber wirklich nur Dekor. Überhaupt keine Funktion (?). Es ist sicher nicht zielführend, wenn alle Projekte künftig nur noch zwischen Ästhetik und Nachhaltigkeit pendeln und bewertet werden. Da wäre es für solche Profile bald aus. Was schade wäre, aber vielleicht kann man es mit der gesparten Energie durch den Erhalt rechtfertigen?! 3a Die Glaskisten generell, vor allem aber bei einem Schulbau? Versteh ich nicht. Ist unsere Zunft mittlerweile wirklich so Realitätsfremd? Wie kann man so etwas überhauopt einer Bauherrschaft (öffentliche Hand?) verkaufen. Mir unbegreiflich. Das komplette Gegenteil von robuster Architektur, Öko-Bilanz und Umweltverträglichkeit. Gehts am Ende tatsächlich nur um geile Renderings beziehungsweise Fotografien? Es ist so ernüchternd 3b Ich verstehs auch architektonisch nicht. Der Gegensatz Masse und (vermeintliche) Leichtigkeit / Auflösung ist ja interessant, aber dann verstehe ich die Profile wiederum nicht. Die lösen diesen Kontrast doch auf 4a Der Innenausbau / die Materialiserung sind wunderbar. Angemessenheit ist hier das Stichwort, die Fenster in die Klassenräume eine schöne Geste. 4b Die Einfassungen der Eingänge passen irgendwie überhaupt nicht zum Rest des Projektes. Versteh ich auch nicht. Bild 14 könnte auch von jedem x-beliebigem Schulbauprojekt im deutschsprachigen Raum stammen. Am Ende einer Kritik ist man doch wieder enttäuscht ob der liegengelassenen Möglichkeiten durch die Planenden. Gibt wahrscheinlich trotzdem genug Auszeichnungen dafür.