Für Mensch und Tier
Schulneubau bei Paris
Jedes gute Schulgebäude ist eine eigene kleine Welt, die sich die Schüler leicht aneignen können. Bei ihrem Schulneubau im südwestlichen Pariser Vorort Boulogne-Billancourt gehen Chartier Dalix Architectes (Paris) noch einen Schritt weiter. Nicht nur eine Welt für Menschen wollen sie gestalten, sondern eine landschaftsartiges Gebilde, in dem auch die Natur ihren Platz hat.
Die Schule befindet sich im Herzen eines dichten Neubaugebiets, das gerade auf dem früheren Gelände einer Renault-Fabrik entsteht. In dieser eher mineralischen Umgebung soll das Projekt eine natürliche Vielfalt sichern, weshalb von der Straße aus gesehen das Gebäude denn auch eher wie ein grüner, terrassierter Hügel wirkt. Jedes der fünf Geschosse bietet einen eigenen Außenraum, wobei die beiden größeren Bereiche im Erd- und im 1. Obergeschoss als Pausenhöfe dienen.
Neben den Klassenzimmern beherbergt ein großer Teil des „Hügels“ eine Sporthalle, die auch den Bewohnern des Viertels offen steht. Mit ihren breiten Rippen aus Sichtbeton erinnert diese ein wenig an einen unterirdischen Steinbruch, wie man sie aus dem Marmorabbau kennt. Die tiefen Rippen sind notwendig, um den Dachgarten zu tragen, den irgendwann sogar ein kleines Wäldchen zieren soll. Auf der Vorderseite der Schule wird der Garten durch einen kleinen Pfad erschlossen, der sich fast ganz bis nach unten zieht. Rückwärtig fällt er dagegen steil ab wie eine Klippe am Meer.
Was heute jedoch noch abweisend und unbelebt wirkt, wurde von den Architekten als eine Art Siedlung für pflanzliche und tierische Stadtbewohner konzipiert. Die versetzten Betonelemente dienen nämlich der Bewässerung von Pionierpflanzen und bieten mit ihren vielen Rücksprüngen beste Nistplätze, damit sich neben den Kindern auch die anderen Nutzer des neuen Gebäudes wohlfühlen. (sb)
Fotos: David Foessel, Cyrille Weiner
Nein, Herr Rotermund, mit Verlaub, da liegen Sie falsch.
1. Eine Schule existiert - wie jedes andere Gebäude - schließlich nicht im luftleeren Raum. Insofern sind viele Dinge zu berücksichtigen. Die Klassenraumgestaltung ist nur eines davon.
Im vorliegenden Fall ging es offenbar darum ein komplexes Anforderungsprogramm im innerstädtischen Kontext auf kleiner Fläche unterzubringen. Dies scheint mir nicht nur originell, sondern auch räumlich und gestalterisch anspruchsvoll und mit großer Qualität gelöst worden zu sein.
2. Gesellschaften und Schulen haben sich im Laufe der Zeit immer verändert. Es gibt kein allein- seligmachendes Schul-, Lern- oder Klassenraumkonzept.
3. Wenn ich Sie richtig verstehe, behaupten Sie - und dass, obwohl Sie diese Schule wahrscheinlich nie betreten haben - hier seien Räume entstanden, die weder lern- noch gesundheitsfördernd sind. Ich frage mich, woran Sie das festmachen. Zumal die Klassenräume hier ja tatsächlich in keiner irgendwie negativer Weise auffällig oder ungewöhnlich aussehen.
Ich finde deshalb ihre Aussage ehrlich gesagt ziemlich hochfahrend und vermessen, unterstellen Sie damit doch, das weder die französischen Schulbehörden, die öffentlichen Auftraggeber, noch die Architekten wüssten, was sie tun bzw. was für französisches Schüler gut ist.
Aus Ihnen spricht - meiner bescheidenen Ansicht nach - mindestens die gleiche Arroganz und Einbildung, die Sie offenbar den Verantwortlichen vorwerfen.
Glauben Sie mir: Auch Franzosen wissen wie man gesunde und lernfördernde Schulen baut. Die brauchen keine Nachhilfe aus Deutschland.
Und wenn es auf der Brutaloseite erstmal grünt und blüht, sieht sicher alles ganz anders aus. Also abwarten.
Auf der Internetseite der Architekten (chartier-dalix.com) sieht man die beabsichtigte zukünftige eingewachsene Fassade ganz gut. Zwar auch keine Innenansichten der Klassenräume, aber man erahnt dass sie hell sind.
Eine gute Schule in der ansonsten oft faden Schul-Kisten-Architektur hier zu Lande!
Man könnte meinen, es sei fortschrittlich, ist es aber absolut nicht. Es ist schon ein wenig bemerkenswert, wie wenig sich Architekten an wissenschaftliche Erkenntnisse halten, und nur ihre eigenen Versionen zu kreieren. Es geht nur um Schüler und Lehrer und lern- und gesundheitsfördernde Klassenraumgestaltung. Diese Vorgaben erhalte ich nur, und das ist dreimal zu unterstreichen, wenn ich eine Schule von den Klassenräumen her gestalte und vor allen Dingen die notwenigen lern-und gesundheitsfördernden Massnahmen von Anfang an einbeziehe und auch einhalte. Dies ist in keinster Weise berücksichtigt worden.Man kann nur hoffen, dass sich die Architekten nicht einbilden, hier eine gute und gesunde Schule gebaut zu haben.