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21.02.2017

Disney kontern

Schule und Kindergarten von Ameller Dubois bei Paris


Besonders fremdartig oder extravagant sieht der Schulkomplex des Büros Ameller, Dubois & Associés in der Ville Nouvelle Marne-la-Vallée östlich von Paris eigentlich nicht aus: ein Flachbau mit dezent geknickten Dachkonturen, viel Holz, freundlich weiten Fensterflächen und fröhlichen Farben. Doch der städtebauliche Kontext macht den Neubau zu einem echten Ufo, denn die École Pierre-Perret liegt in der Nähe von Disneyland Paris.

Der berühmt-berüchtigte Vergnügungspark ist seit seiner Eröffnung 1992 nicht nur ein wahrer Motor der städtebaulichen Entwicklung auf der grünen Wiese, sondern gibt auch ästhetisch die Richtung vor. Die Architekten selbst sprechen von einer „Karikatur der klassischen Pariser Architektur Haussmanns“, die hier in den letzten Jahren entstand. Prince Charles und die New Urbanists hätten ihre helle Freude an dem Areal mit insgesamt knapp 2.000 Wohnungen, die im Umfeld der Schule entstanden. Drei- bis viergeschossige Zeilen und Stadtvillen mit klassizistischem Dekor reihen sich entlang akkurater Straßen auf – und können doch nicht leugnen, dass in ihrem Rücken wiederum gigantische Parkplätze und Einkaufszentren liegen.

In diesem artifiziellen Gebiet hatten sich die Pariser Architekten mit ihrer neuen Schule also zu bewähren. Der Entwurf folgt etablierten Prinzipien des Schulbaus. Er ordnet die Funktionen sinnvoll in der Fläche und schafft gut nutzbare, leicht erreichbare Außenräume. Der Zugang zum Gebäudekomplex erfolgt von Süden durch ein großzügig verglastes Foyer. Linkerhand liegt der eingeschossige, L-förmige Trakt des Kindergartens, der einen Spielplatz rahmt, rechterhand der zweigeschossige, langgestreckte Bauteil der Schule. Dieser ist ebenfalls klar geordnet. Im Erdgeschoss befinden sich die öffentlichen Funktionen wie Cafeteria und Bibliothek, im Obergeschoss die Klassenzimmer. Zwischen den beiden Gebäudeflügeln erstreckt sich ein schmaler Pausenhof. Materialisierung und Farbgebung verraten den Anspruch der Architekten, einen warmen und einladenden Eindruck zu schaffen. An den Fassaden wurde großzügig mit Lärchenholz gearbeitet, viel Farbe findet sich nicht nur außen, sondern auch im Inneren des Hauses.

Das Projekt ist so deutlich als ein Gegenprogramm zum architektonischen und städtebaulichen Theming im Einflussgebiet von Disneyland konzipiert, dass es als geradezu didaktisch begriffen werden kann: Ein Ufo mit Mission, gelandet zwischen artifizieller Fassadenarchitektur, im festen Glauben an die Qualitäten einer zeitgenössischen Architektursprache, die Luft zum Denken, Lernen und kreativen Handeln lässt. An Farbe und Material wird dies exemplarisch klar, denn das Holz und die Farbigkeit des zeitgenössischen Baukörpers markieren einen erkennbaren Kontrapunkt zur unterkühlten Putzfassade der vermeintlich so einladenden klassizistischen Architektursprache der näheren Umgebung. (gh)

Fotos:
Guillaume Guerin, Catherine Laroche, Maria Temtunic


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