Dorf in der Stadt
Schule in Nürnberg von Lederer Ragnarsdóttir Oei
Historisch muten die Bilder des Backsteinbaus in Nürnberg an, der vor gut einer Woche feierlich eröffnet wurde. Eine öffentliche Schule, in der neben der Johann-Pachelbel-Realschule auch die Staatliche Fachoberschule II untergebracht ist. Ein traditioneller Schulbau in H-Form mit 21.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.
Doch die Schule ist neu. Der Entwurf stammt von Lederer Ragnarsdóttir Oei, 2015 als Sieger aus einem Verhandlungsverfahren der Stadt Nürnberg hervorgegangen. Die Architekten verfolgen die Idee eines Dorfes in der Stadt, sehen die Schulanlage als eigenen Mikrokosmos und als städtebaulichen Anker mit entsprechend kräftiger Baustruktur aufgrund seiner Lage am Stadtrand, zwischen Bahntrasse, Hauptstraße und Biotop.
„Die Frage, ob das Gebäude eher modern sein soll oder historische Werte zu vermitteln hat, stellt sich nicht. Vielmehr soll es zeitlos wirken, so, als sei es immer schon dagewesen. Um diesen Ausdruck des Selbstverständlichen zu erreichen, hat das Gebäude eine Ziegelfassade, die nicht nur eine physische, sondern auch eine optische Nachhaltigkeit hat“, stellen LRO im Erläuterungstext klar. Diese Haltung zeigt sich auch in anderen Projekten der Architekten. Mehrfach schon haben sie vorgefertigte Strukturen und bestehende Gebäude erweitert, wie beispielsweise die Sparkasse in Ulm und den Hospitalhof in Stuttgart. Oder auch das Historische Museum in Frankfurt am Main, für das die Stuttgarter mit dem hessischen Architekturpreis für vorbildliche Bauten 2017 ausgezeichnet wurden.
Der Schulbau in Nürnberg teilt sich das 18.500 Quadratmeter große Grundstück mit zwei Plätzen. Einem öffentlichen Platz vor dem Haupteingang mit einer Linde, LRO vergleichen diesen mit einem Markt- oder Rathausplatz. Und einen nicht öffentlichen, schuleigenen Platz mit zwei Baumreihen und Rasenstreifen bepflanzt, eine Art Dorfanger. Während der öffentliche Platz im Sommer von den Mensagästen genutzt werden kann, dient der rückwärtig orientierte als Pausenhof.
Innen ist das Schulhaus klar gegliedert und optisch moderner: Die Eingangshalle mit Aula, Musiksaal und Mehrzweckräumen und die darüber liegende Bibliothek sowei die Ganztagsräume bilden das Zentrum. Quer dazu sind die Unterrichtsräume angeordnet. Zur Hauptstraße Fachräume und Sporthalle, zur ruhigeren Rückseite die Klassenräume der Realschule im Erd- und 1. Obergeschoss, die Fachoberschule im 2. Obergeschoss. Im Erdgeschoss gibt es Verbindungen nach draußen für den Unterricht im Freien. Wände und Decken sind aus Sichtbeton oder verputzt, Türen und Schränke aus Holz, Böden aus Linoleum. Nur in der Eingangshalle setzen die Architekten auf Naturstein, das Dach ist begrünt. (kat)
Fotos: Zooey Braun
... uns vielleicht darauf, dass das gebäude nicht das beste aus dem hause LRO sein mag. ist! vielleicht sollte man auch nicht so viel bauen. auch schon mal nein sagen. es sieht so gezwungen nach LRO aus. fast wie ein plagiat. ach sorry, arno.
Was mich aber wirklich irritiert: Erstens finde ich die Schule nicht wirklich gut gemacht (z.B. den sich verengenden Eingangshof und dessen Orientierung, die vielen Deckensprünge in der Eingangshalle, die dunkle Mensa etc.) und zweitens verstehe ich nicht, was diese architektonischen Gimmicks und Zitate (z.B. der kleine Wellenförmige Turm als Abschluss der Überdachung auf der Sporthalle) mit einer "selbstverständlichen" Architektur zu tun hat. "Danke" muss man jetzt nicht unbedingt sagen für so eine Schule...
Es ist wirklich unfassbar, was hier zum Teil für Kommentare abgesondert werden. Da muss man etwas über Kitsch lesen (wo soll der denn bitte sein), über angeblich überholte Korridoranordnungen (wieviel Prozent aller Neubauten basieren wohl auf Korridortypologien) oder den Vorwurf einer überholten Formensprache. Man könnte mit Mies kontern, der ja auch nicht originell, sonder einfach gut sein wollte, man könnte aber auch einfach einmal mehr verzweifeln an der Tatsache, dass echte Qualität nur ein begrenztes Aufmerksamkeitspotential besitzt. Doch spätestens beim hier vorgetragenen obligatorischen NSVergleich steigt dann doch eine gewisse Wut in mir über soviel Unwissenheit und Ignoranz auf. Wenn überhaupt, ist das Aalto und nicht Speer, Lewerentz und nicht Kreis. Aber wenn ein obskures Gefühl über das Wissen um architekturhistorische Tatsachen obsiegt, kann es um den Redner nicht gut bestellt sein.