Bildung ohne Grenzen
Schulbauprojekt in Zimbabwe
In Hopley gibt es keine Schule. Es gibt auch kein fließendes Wasser, Strom oder eine Kanalisation. Der Slum am Stadtrand von Harare, der Hauptstadt von Zimbabwe, entstand infolge der Massenobdachlosigkeit, welche die politisch motivierte „Operation Murambatsvina“ („Müllentsorgung“) der Regierung Zimbabwes 2005 auslöste. Illegal gebaute Wohnhäuser und Kleingewerbe wurden damals im Zuge einer „Säuberung“ systematisch zerstört. Laut den Vereinten Nationen, welche die Intervention als inhuman verurteilte, verloren dabei 700.000 Menschen ihre Häuser, ca. 25.000 siedelten sich nach dem Exodus in Hopley an.
Der Diplom-Entwurf von Kristina Egbers, betreut durch Arno Lederer an der Universität Stuttgart, reagiert auf das schlechte Bildungsangebot in dieser informellen Siedlung. Eine zu kleine und baufällige Behelfsschule soll durch eine größere Schule mit 14 Klassenräumen, einer Bibliothek, Verwaltungsbereich und Sanitäranlagen für bis zu 1000 Schüler ersetzt werden. Der Entwurf wird im nächsten Jahr in Kooperation mit Ingenieure ohne Grenzen e.V. realisiert werden.
In Hopley gibt es auch keine öffentlichen Gebäude. Die Räumlichkeiten der Schule sollen daher potenziell als Gemeindezentrum, als Ort für Feste und Veranstaltungen genutzt werden können. Hier trifft sich die Bevölkerung Hopleys abends nach dem regulären Schulbetrieb. Einerseits wirkt die Schule als ein Impulsgeber für die Entwicklung Hopleys als selbstständiges Stadtviertel. Andererseits versuchen die Entwerfer einige bereits in einem Bebauungsplan angedachte infrastrukturelle Verbesserungen – Gemeindezentrum, Bezirksverwaltung, Shopping-Zentren, Polizei, Krankenhaus, Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel – vorweg zu nehmen, indem sie sie bereits in den Entwurf integrieren, da deren Umsetzung in den nächsten Jahren ansonsten unrealistisch scheint.
Egbers Entwurf konzipiert einen Komplex von sieben um einen zentralen Schulhof gruppierten Baukörpern. Nachdem die Bewohner von Hopley einige Gebäude mit der fachkräftigen Unterstützung eines deutschen Teams von Ingenieure ohne Grenzen e.V. realisiert haben werden, können sie die restlichen Baukörper eigenständig errichten, so der Plan. Die Wahl des Baumaterials, nämlich gebrannte Lehmziegel für die Rundbogenfassaden, welche die Bewohner leicht selbst herstellen können, unterstützen dieses Vorhaben. Es geht beim Bau der Schule daher auch um das Erlernen von Bautechniken und quasi um Erwachsenenbildung. (df)
(das erlaube ich mir als lederer-diplomand zu behaupten - arno lederer wollte mir ein ganz ähnliches konzept für mein diplom empfehlen, was sich aber schon damals nicht mit meinen vorstellungen von nachhaltigkeit gedeckt hat) denn auch in afrika ist 21. jahrhundert, und warum wollen wir den menschen dort technologien aufzwängen, die wir längst zum alten eisen gelegt haben? zumal sie mit einem enormen brennstoffverbrauch einhergehen und damit nicht nachhaltig sind? in simbabwe leben 33 personen je km2, das ist ca. ein siebtel der dichte von deutschland. warum muss es unbedingt zweigeschossig sein? eine etwas engere, eingeschossige bauweise, cluster o.ä. ist doch gerade für heiße länder nicht verkehrt, man schaue nur nach spanien oder portugal, wo massenweise gute beispiele dieser art realisiert werden. ich würde auch nochmal übers konzept nachdenken und lieber _einfach_ bauen. trotz archaischer baustoffe: dieser entwurf ist nicht einfach. und von der architektur her erinnert er schon sehr an bonatz und co. - die ich sehr schätze, nur irgendwie nicht in diesem kontext.
Richard hatte schon recht, daß solche Entwürfe dann auch nicht so leicht verrissen werden und sachliche Kritik als Diffamierung empfunden wird.
an der Seriösität von Ingenieuren ohne Grenzen gibt es nichts zu Zweifeln, ganz im Gegenteil! ich finde es toll dass es solche Organisationen gibt und in solch Ländern Aufbauhilfe leistet und Unterstützung anbietet. Selbst in Nepal waren sie schon und fangen an in den Erdbebengebieten Aufbauhilfe zu leisten - und das ohne Steuergelder zu verschwenden.
Ich sehe hier leider nur eine idealistische Initiative, die hübsche Bilder mit Europäerinnen produziert, aber mit den extrem schwierigen Gegebenheiten vor Ort wenig zu tun hat. Auf der Webseite wird immerhin berichtet, wie schwierig alleine schon der Bau von Toiletten ist. An der Seriosität einer Organisation, die sich Ingenieure ohne Grenzen nennt, darf angesichts dessen gezweifelt werden.