Neue Alte Mitte Berlins
Schinkelpreis 2010 entschieden
Der Schinkelpreis ist der traditionelle Ideen- und Förderwettbewerb für junge Architekten und Ingenieure, den der Architekten- und Ingenieurverein (AIV) Berlin nun zum 155. Mal ausgelobt hat. Die Aufgabenstellung, die in verschiedenen Fachsparten und mit verschieden vorgegebenen Szenarien zu bearbeiten war, betraf dieses Mal die „Neue alte Mitte Berlins“, also das heute weitgehend als Freifläche wahrgenommene Gebiet zwischen Fernsehturm und wieder aufzubauendem Stadtschloss.
Eine derartige Aufgabe ist ideologisch überfrachtet, weil hier die Befürworter eines historischen Stadtgrundrisses auf Auffassungen prallen, die einen freieren Umgang mit der bestehenden „gegliederten und aufgelockerten Stadt“ der Nachkriegsmoderne propagieren. Diese Gegensätze haben sich auch in der Jury abgebildet, in der es heftige Auseinandersetzungen gab. Insbesondere Ex-Senatsbaudirektor Hans Stimmann hat sich hier mit (erfolglosen) Rückholanträgen für traditionalistische Arbeiten in Szene gesetzt. Die Jury hat jedoch derartige Tendenzen mehrheitlich zurückgewiesen. – Heute wurden die Preisträger öffentlich vorgestellt:
• Architektur
Schinkelpreis (2.000 €) und Reisestipendium der Hans-Joachim-Pysall-Stiftung (2.500 €): Stefan Drese, Hamburg
Anerkennungspreis (800 €): Bastian Henning, Himmelpforten; TU Braunschweig
• Städtebau
Anerkennungspreis (800 €): Alessa Hansen, Claudia Müller, Elisa Wienecke, Berlin; Universität der Künste Berlin
Anerkennungspreis (800 €): Clara Schuster, Dresden; TU Dresden
• Landschaftsarchitektur
Anerkennungspreis (800 €): Hans Christian von Bülow, Cornelius Voß, Berlin; Universität der Künste, Berlin
Anerkennungspreis (800 €): Heiko Ruddigkeit, Nadia Rückert, Petra Stern, Pablo Tena, Berlin
Anerkennungspreis (800 €): Franz Reschke, Anna Vogels, Berlin; TU Berlin
• Konstruktiver Ingenieurbau
Sonderpreis für die Kooperation von Ingenieuren und Architekten, gestiftet vom Verband Beratender Ingenieure – Förderverein (3.000 €): Damian Kania, Katarzyna Kurek, Andreas Reimer, Berlin; TU Berlin
Anerkennungspreis gestiftet vom Beton- und Bautechnik Verein e. V. (500 €): Daniela Ehnert, Olga Schäfer, Cottbus; BTU Cottbus
• Kooperation
Städtebau/Landschaftsarchitektur
Sonderpreis gestiftet vom Verein Restauratoren im Handwerk (1.500 €): Pierre Guibert, Mirko Schaab, Stefan Schwarz, 10318 Berlin; Beuth Hochschule f. Technik (ehemals TFH Berlin)
Architektur/Konstruktiver Ingenieurbau
Anerkennungspreis gestiftet vom Beton- und Bautechnik Verein e. V. (500 €): Lars Cusnick, Benjamin Kraus, Nadine Kellmeyer, Tobias Schmidt, Kaiserslautern; TU Kaiserslautern
Anerkennungspreis gestiftet von der Baukammer Berlin (1.000 €): Marek Lipsky, Melanie Runowski, Simon Wübbels, 20144 Hamburg; HCU Hamburg
Die Jury beurteilte die mit dem Schinkelpreis ausgezeichnete Arbeit so: „Die Arbeit mit dem Titel ‚Kulturzentrum Alte Neue Mitte‘ entwickelt einen solitären Gebäudekomplex entlang des Spreeufers. Der weitere Bereich des Marx-Engels-Forum und des Rathausplatzes bleiben unbebaut und wird als landschaftlich orientierter Freiraum dargestellt, gegliedert durch schiefwinklige, verkippte Flächen.
Die Gebäudekubatur wird aus der Fortführung von Bewegungsachsen und Richtungvektoren generiert, die aus dem umliegenden städtischen Kontext abgeleitet werden: das Gebäude wird als ein ‚Knoten‘ dieser Bewegungslinien verstanden. Auf dieser Matrix entstehen schiefwinklige, dynamische Kuben, die auf einem Sockelbauwerk entlang des Spreeufers verortet werden. Es entsteht eine spannungsreiches, eigenständiges Gebäudeensemble, das den Freiraum zwischen Fernsehturm und Spree neu definiert.
Die skulpturale, eigenständige Lösung überzeugt die Jury und zeigt auf, dass die Bebauung des Areals mit einem freistehenden Solitär eine interessante, zukunftsweisende Entwicklungsperspektive darstellt.“
Die Ergebnisse des Schinkelpreises 2010 werden vom 13. bis 21. März, täglich 13-18 Uhr, ausgestellt. Ort: Bikinihaus, Budapester Str. 42, 10787 Berlin. Die Ausstellungseröffnung ist dort am 13. März, 11.30 Uhr. Die feierliche Übergabe der Preise findet am 13. März um 18 Uhr im Rahmen eines Festakts im Großen Saal des Roten Rathauses statt.
Es ist doch immer wieder erstaunlich welche Argumente herangezogen werden... Es geht hier eben nicht um Wiederherstellung oder gar Neukonstruktion irgendeiner Altstadt. Das Kernanliegen ist die Sichtbarmachung der über viele Jahrhunderte gewachsenen Strukturen - schließlich hat diese Stadt tatsächlich sowas wie eine Geschichte. Und so etwas erfordert ganz und garnicht 'Rekonstruktionen' oder bemühten Historismus, sondern ist durchaus mit zeitgenössischer Architektur zu bewältigen. Dies war auch u.a. Thema dieses Wettbewerbs. Auch wenn auf wundersame Weise sämtliche Entwürfe zum Szenario IV und V aus der finalen Wertung verschwanden... Stattdessen gewinnt Bunkerarchitektur die heutzutage bestenfalls im Sande Dubais noch eine Daseinsberechtigung haben dürfte.
also bitte nicht ganz so hart ins gericht gehen... wer hat denn in der uni nicht gesponnen?
ein - für architekturliebhaber sicherlich interessanter - KLOTZ im 80er-jahre-stil fensterlos oder spiegelglasverfenstert schrecklich!!! da hätte man ja auch gleich den palast der republik stehen lassen können, der ja optisch auch nicht gerade eine augenweide war. dazu kommt noch, dass die sichtachse zum (ach so vielgewünschten) schlossnachbau verstellt wird. ich hoffe, dass die 2.000 preisgeld herrn drese eine genugtuung und anerkennung sind, die er sicherlich auch irgendwie verdient hat. aber uns bürger bitte etwas weniger menschenfeindliches! danke...
Wo es um Stadtreparatur geht bin ich für Rekonstruktion. Wo die Zeit über die Altstadt hinweg gegangen ist, kann es nur den Weg nach vorne geben. Das ist hier der Fall. Ach so, und ansonsten handelt es sich um einen Ideenwettbewerb. Das Ding landet also sowieso in der Tonne, da können Sie ganz beruhigt sein. Es geht hier darum, Ideen zu entwickeln und zuzulassen. Das ist natürlich etwas anderes als eine Rekonstruktion.
ach so, zur gebäudequalität selbst kann man mit den paar Bilder nicht viel sagen. sieht etwas unbeholfen und klobig aus, die nutzung ist mir auch unklar. eine agora? ein bürgerforum? aber wie gesagt: die grundidee ist prima.