Museum Kloster Zinna in Jüterbog
Sanierung von ARGE Hertzberg Weber Mauruschat
Die ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Zinna liegt im gleichnamigen Ortsteil der brandenburgischen Kleinstadt Jüterbog. Einst eine große Anlage, sind heute noch die spätromanische Klosterkirche, das Abtshaus (um 1430) und das Siechenhaus (um 1350) erhalten. Letztere beherbergen seit einer ersten denkmalgerechten Instandsetzung in den 1960er Jahren das Museum Kloster Zinna. Nach Jahrzehnten der Nutzung hat die Arbeitsgemeinschaft aus Hertzberg Weber Architekten und Ilko-M. Mauruschat (beide Berlin/Potsdam) die Bauten erneut saniert und modernisiert. Die Bauherrschaft lag bei der Stadt Jüterbog. Die ARGE begann bereits 2017 mit der Planung und schloss das Projekt in diesem Jahr ab.
Der historische Bestand des Abtshauses blieb vollständig erhalten, während die Ausstellungsräume im Erd- und Obergeschoss energetisch und technisch saniert wurden. Um das Raumklima und die Bausubstanz nicht zu gefährden, wurde auf großflächige Dämmung verzichtet. Stattdessen kam neue Gebäudetechnik zum Einsatz, die den Primärenergieverbrauch reduzieren soll, erklären die Architekt*innen. Die Leitungsführung erfolgt im Boden, sodass die Wandflächen frei von Installationen bleiben. Die Heizkörper fügen sich, als Sitzbänke ausgeführt, in die Raumgestaltung ein.
Der Haupteingang zum Museum wurde an die Westfassade verlegt und orientiert sich nun wieder zur Klosterkirche. Neue Rampenanlagen mit glatt gesäuerten Kunststeinoberflächen schaffen einen barrierefreien Zugang zum Museum und stehen im Kontrast zur Ziegelfassade. Aufgrund denkmalschutzrechtlicher Auflagen konnte das Obergeschoss nicht barrierefrei erschlossen werden, weshalb virtuelle Präsentationen diesen Ausstellungsteil im Erdgeschoss abbilden. An der Fassade erfolgten kleinere Instandsetzungsarbeiten.
Das einstige Siechenhaus hatte bereits während des vorangegangenen Umbaus einen stärkeren baulichen Eingriff erfahren, als man hier Verwaltungsräume und Sanitäranlagen im Obergeschoss untergebracht hatte. Diese waren zuletzt jedoch nur noch eingeschränkt nutzbar. Daher ließen die Architekt*innen sämtliche Einbauten aus den 1960er-Jahren entfernen und teilten die Fläche neu auf. Neben der Verwaltung kommen dort jetzt auch ein Veranstaltungsraum sowie Flächen für Wechselausstellungen unter. Die Räume der Destille Klosterbruder verbleiben im Erd- und Kellergeschoss des Siechenhauses.
Das Projekt umfasst knapp 1.870 Quadratmeter Bruttogrundfläche, die Baukosten lagen bei circa 2,89 Millionen Euro brutto (KG 300 und 400), finanziert unter anderem aus Mitteln von Bund, Land und Stadt. Die Förderung umfasste die energetische und technische Ertüchtigung sowie die barrierefreie Gestaltung, jedoch nur kleinere, notwendige Instandsetzungsarbeiten. Für die Überarbeitung der Wandmalereien im Abtshaus wurde ein gesondertes Förderprojekt initiiert. (sbm)
Fotos: Stefan Müller
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- ARGE Hertzberg Weber Mauruschat
- Mitarbeit:
- Frauke Weber, Ilko Mauruschat (beide Projektleitung), Nina Barthélémy, Michael Kungl, Christa Storch, Sarah Laukner, Fabian Ritter
- Brandschutzplanung:
- Ilko-M. Mauruschat
- Statik:
- 2B Planungsgesellschaft
- Gebäudetechnik:
- HACON-INTERPLAN
- Lichtplanung:
- Konzeptlicht Lighting Solutions
- Energiekonzept:
- Wärmeschutznachweis und Energiebilanzierung ZRS Architekten Ingenieure (als Nachunternehmer)
- Restauratorin:
- Netzwerk Bau und Forschung Anika Basemann, Anna-Sara Buchheim
- Bauarchäologie:
- Dirk Schumann
- Fläche:
- 1.869 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 2.890.500 € (KG 300 + 400)
Die Bürogemeinschaft aus Hertzberg Weber Architekten, Ilko-M. Mauruschat und der Architektin Nina Barthélémy öffnet am kommenden Sonntag, 29. Juni 2025, im Rahmen des Tags der Architektur ihre Räume. Besuchen kann man die Architekt*innen von 14 bis 18 Uhr in der Pestalozzistraße 37, 10627 Berlin.
lol, selten so gelacht.
Bauherr, Kosten und Normen sind doch nur Herausforderungen, die man überwinden muss um keine Architektur nach Paragraphen zu entwerfen. Ein historisches Gebäude zu entkernen und es weiß zu tünchen ist noch lange kein Entwurf aber leider eine Haltung.
schöne helle räume, den bestand erhaltend und aufwertend, ohne show und ohne gebastel
Was ein oberflächlicher Kommentar von dir Jan. Hast wohl noch nie eine kleine aber feine Ausführungsplanung gemacht? Mit dahinter stehenden Bauherren? Mit denn rücken zur Wand. Right? Kannst doch nicht Scarpa mit irgendwas vergleichen. Ausnahmeerscheinung in der Architekturgeschichte. Wie ein Kahn meinetwegen.