Haus der Kathedrale in Dresden
Sanierung und Umstrukturierung von Alexander Poetzsch Architekten
Zu den ersten weltkriegszerstörten Bauten, die im Zentrum Dresdens nach der Wende rekonstruiert wurden, zählt das in der Renaissance errichtete Kanzleihaus. Unter dem Namen Haus der Kathedrale beherbergt das in unmittelbarer Nachbarschaft zu Stallhof und Residenzschloss gelegene Gebäude seit seiner Einweihung 1999 verschiedene Nutzungen der römisch-katholischen Kirche. Hier befinden sich der Bischofssitz, die Verwaltung und die Akademie des Bistums Dresden-Meißen, Wohnungen für Bischof und Priester sowie Gemeinde-, Konferenz- und Veranstaltungsräume. Nun hat das Dresdner Büro Alexander Poetzsch Architekten das Haus saniert und neu geordnet. Dafür plante das Bistum acht Millionen Euro ein.
Die Baumaßnahmen an dem mehrgeschossigen Baukörper mit einer Bruttogrundfläche von 3.027 Quadratmetern wurden – unterteilt in sieben Etappen – im laufenden Betrieb ausgeführt. Dabei ging es nicht nur um eine Modernisierung und Behebung von Sicherheitsmängeln. Es wurde vor allem auch eine räumliche Reorganisation zugunsten eines hybriden Nebeneinanders von öffentlichen, halböffentlichen und privaten Bereichen vorgenommen. Ziel der Neuordnung war die einschränkungsfreie Gleichzeitigkeit der unterschiedlichen Nutzungen, die Öffnung und Ausrichtung des Hauses zur Stadt sowie das Herstellen von Barrierefreiheit.
Die Architekt*innen überformten das Gebäude nicht vollständig, sondern implementierten punktuell neue Elemente, um den Bestand dadurch bestmöglich zu nutzen und aufzuwerten. So planten sie die Raumfassungen der Veranstaltungsräume neu, verorteten eine Kapelle als inneres Zentrum in der Mitte des Hauses und transformierten einen dunklen Flur in eine Bibliothek. Parallel dazu erfolgte eine Umgestaltung des Hofes zur halböffentlichen Verteiler- und Veranstaltungsfläche. Alle ebenerdigen Nutzungen öffnen sich zu dessen Wandelgang. Der bisher unscheinbar in einer Seitengasse gelegene Haupteingang wechselte zur belebten Schlossstraße, wo aus der ehemaligen KFZ-Zufahrt ein repräsentatives Entree wurde. (da)
Fotos: Brigida González
Diese Kirchenbauten wirken, als hätte es die harten, mysischen, bodenständigen und etwas störrischen Gebäude Gottfried Böhms, Heinz bienefelds (und sehr vieler anderer, nicht zuletzt auch Andres Meck's) nie gegeben... @Baukultur: Den Vergleich zu den Sakralräumen Friedrich Press` sehe ich hier in keiner Weise. Der hätte sich wohl eher ans Kreuz nageln lassen, als eine Kapelle zu entwerfen, die mit ihrem gefakten Milchglasfenster eher an ein Yogastudio, als an einen Sakralraum erinnert.
Die Kapelle ist sehr gut geworden. Erinnert mich in bester Weise an Friedrich Press' Kapelle im Bischof-Benno-Haus. Auch die Außentreppe mit Altan ist sehr gut geworden. Wie selbstverständlich zum Renaissancebau gehörig und vielleicht als Zitat zum großen Schlosshof zu verstehen? Der Eingriff begeistert auch deshalb rundheraus, weil er zeigt, dass zeitgemäßes Bauen in der Dresdner Altstadt eben doch geht, wenn man sehr gute Architekten fragen kann.