Winkelmann weitergebaut
Sanierung und Erweiterung eines historischen Wohnhauses in Berlin von BSL Architekten
Emilie Winkelmann (1876–1951) gilt als erste selbstständige Architektin Deutschlands. Obwohl Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch nicht zum Architekturstudium zugelassen waren, gelang es ihr, ab 1902 die Technische Hochschule in Hannover als „Hospitantin“ zu besuchen. Schon wenige Jahre später gründete sie ihr eigenes Büro in Berlin und führte ab 1907 zahlreiche öffentliche wie private Aufträge aus, darunter auch etliche Villen und Wohnhäuser. Eines davon, nahe des Berliner Schlachtensees gelegen, wurde nun nach Plänen von Bernrieder . Sieweke Lagemann . Architekten saniert und erweitert, wobei das Berliner Büro alle Leistungsphasen 1 bis 8 übernahm.
Das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde von Winkelmann 1909 für den Bankier Bruno Gumpel entworfen und veranschaulicht den engen Bezug der Architektin zum Holzbauhandwerk: Am Anfang ihres beruflichen Werdegangs stand eine Lehre zur Zimmerin. 1937 wurde das aus waagerechten, verzapften Holzbohlen bestehende Blockhaus mit kleiner Veranda um vier Meter in Giebelrichtung in Holzrahmenbauweise erweitert. In den 1950er Jahren folgte ein Umbau, der relativ stark in die Grundrisse beider Geschosse und in die Dachkonstruktion eingriff.
Zwischen 2018 und 2020 nahmen BSL im Auftrag des Hauseigentümers eine denkmalgerechte Instandsetzung vor und erweiterten den Baukörper erneut durch einen fünf Meter langen Anbau am Ostgiebel auf eine Bruttogrundfläche von 356 Quadratmeter. Ziel der Instandsetzung war ein größtmöglicher Erhalt der historischen Bausubstanz und ein Freilegen der ursprünglichen Holzkonstruktion. Darüber hinaus wurde im Erdgeschoss die Grundrissstruktur von 1909 wiederhergestellt sowie das Dach neu gedämmt und vier Schleppgaupen eingebaut. Das Farbkonzept der schwarzen Fassaden mit roten und weißen Zierelementen entstand auf Basis einer restauratorischen Untersuchung und nährt sich dem einstigen Originalzustand des Hauses an.
Der neue Anbau wurde subtil und mit Respekt gegenüber dem Bestand geplant. Dem Gedanken des Weiterbauens folgend, setzt er die ursprüngliche Entwurfsidee fort und ist als zimmermannsmäßige Holzkonstruktion ausgeführt. Wie BSL dazu erklären, wurde das Holzständerwerk traditionell von Zimmerern vor Ort abgebunden und aufgestellt, die horizontale Fugenteilung nimmt Bezug auf die Struktur der Blockbohlen. Damit stellt der neue Gebäudeteil keinen modernen Bruch zum Altbau dar, sondern vergrößert ihn auf organische Weise – als weitere Zeitschicht in der mehr als hundertjährigen Historie des Hauses. (da)
Fotos: Stefan Müller
Grundsätzlich haben Sie Recht und es ist nie einfach, allen Randbedingungen gerecht zu werden. Die unteren Denkmalschutzbehörden urteilen nach meiner Erfahrung manchmal wie ein Buchhalter und lassen dem Architekten wenig Raum für Interpretationen oder können mit Argumenten zu räumlichen Aspekten oft wenig anfangen. Der Bauherr möchte natürlich auch zu seinem Recht kommen und dann sind da noch die lieben Kollegen, die es eh besser wissen... Von außen zu kritisieren ist recht einfach, aber wenn man im Baunetz veröffentlicht wird, muss man sich aus meiner Sicht auch solcher Kritik stellen.
Ihrem Beitrag bzw. Ihrer lapidaren Kritik (naja,... 0815... Innenausbau überzeugt nicht)- das waren die Eckdaten, konnte ich nicht herauslesen, dass Sie anscheinend tiefer in der Materie stecken. Warum also nicht einfach etwas fundierter? Ich bitte um Entschuldigung, sollte ich Ihren Kommentar herablassend beurteilt haben! Da Sie aber vom Fach sind: wie hätten Sie diese Bauherrenaufgabe denn anders ausgeführt? Bauen im Bestand, gerade im denkmalgeschütztem erfordert, das wissen Sie sicherlich auch, enorm viele Kompromisse. Da sind die Auflagen des Denkmalschutzes, des Brandschutzes, der EneV (jetzt GEG) und vor allem natürlich die Wünsche der Bauherrschaft unter "ein Dach" zu bringen. Ich frage Sie bewusst, wie Sie diese Dinge also anders bei diesem Beispiel gelöst hätten? War aus Sicht der Denkmalpflege, die nach Ihren Worten nicht immer auf der Höhe sind, vielleicht die Dachdeckung aus der Erweiterung in den 50er Jahren (08/15) wichtiger als die Gauben (Kompromiss, denn der Innenraum soll ja für den Bauheren auch schön und nutzbar sein)? Was waren die Aspekte die Fassade der Erweiterung betreffend? Betonanbau bewusst anders? Oder eben, wie hier geschehen, ähnlich (Holzbauweise) aber trotzdem differenziert und ablesbar? Und über die Erweiterung des Ganzen in Holzbauweise wurde in diesem Forum schon überhaupt gar nicht diskutiert. Auch das Thema Licht, das der Kollege STPH hier angeführt hat kann ich nicht nachvollziehen (soweit ich seine philosophischen Ansätzen folgen kann). Ich sehe auf den Bildern großzügige und helle Räume! Und ein EneV Nachweis war mit Sicherheit notwendig! Vielleicht auch wg. Fördergeldern KFW. Am Ende muss sich doch der Bauherr in seinem Haus wohlfühlen und nicht in dunklen Kämmern wohnen, weil das Haus im Ursprung mal kleinere Gauben hatte. Und das Dach Dach hat auch feine Details (z.B. Anstrich Giebelbalken). Ich sehe, dass hier viele Kompromisse eingegangen wurden und am Ende allle damit zufrieden sind! Bewohner, Denkmalschutz, Wärmeschutz.... Aus meiner Sicht ist dieses Zusammenspiel sehr gut gelungen ohne die wirklichen Hintergründe zu kennen- aber das ganze mit einem "naja" zu kommentieren finde ich zumindest fragwürdig, wenn nicht auch ziemlich diffamierend der Kollegenschaft gegenüber! Also, lieber Peter und auch STPH, wie hättet Ihr die Bauaufgabe besser umgesetzt? Eure Antwort interressiert mich, vor allem aus fachlicher Hinsicht, sehr!
Innenverspiegelte Dreifachverglasungen schlucken wesentlich mehr Licht als die für die damals geplanten Fenstergrößen vorgesehenen Einfachgläser. Folge ist oft Dauerkunstlicht. Ich zögere schon beim Austausch von 80er Jahre Doppelverglasung gegen diese innenverspiegelten Dreifachgläser. Ärgerliche folge ist ein merkbarer Grauschleier der sich auf alles innen legt, den man wieder mit noch mehr Weiß innen bekämpft. Durch gedankenlose Sanierung baut man so einen Tageslichtsanierungsfall, indem man das Licht aus dem Haus baut und was gibt es traurigeres. Zur Salami: Wesentlicher Teil des ursprünglichen Denkmals sind die gelungenen Proportionen. Diese werden durch die Verlängerungen vollkommen entstellt. Insofern ist es Sinnvoll die ursprüngliche Teiligkeit und Proportionalität mit den beiden ursprünglichen Giebeln zu retten und weiterzudenken. Das ist auch Denkmalschutz